Blog 759 - 13.11.2022 - Ungenügende Anleitung, Windböen und Schwarz

Am Sonntag werkel ich schon wieder mit dem Akkuschrauber in der Küche herum, unterbrochen nur von einem Treffen zum privaten Krimidinner, bei dem ich Schneewittchen bin, die den Verlust der sieben Zwerge verkraften muss und den Prinzen nicht heiraten will. Danach schraube ich in der Küche weiter. Das nenne ich ein abwechslungsreiches Leben.

Der Zusammenbau der Schubladen ist etwas kniffelig. In welche Löcher die Schrauben für Schubladen und Schienen kommen, hängt bei jeder Schublade von ihrer Größe und ihrer späteren Position im Schrank ab. Aber es klappt, und auch das Aufhängen der Oberschränke funktioniert gut.

Der Einbau des integrierbaren IKEA- Kühlschranks ist allerdings eine Zumutung. Das liegt nicht am Kühlschrank, sondern an der völlig unzureichenden, häufig unverständlichen Anleitung. Dabei bin ich eine erfahrene und zufriedene IKEA-Schränke-Schrauberin. Schon dass er an seinen dünnen, drehbaren Schraubenbeinchen bis auf Arbeitsplattenhöhe geschraubt werden soll, funktioniert nicht. Bevor er oben ankommt, sind die Beinchen schon ausgelaufen und fallen aus ihren Halterungen. Eventuell reicht es bei den Arbeitshöhen mit 8-cm-Fußblende - wir haben 11 cm, und das passt definitiv nicht. Wir sägen uns Holzklötzchen, auf denen der Kühlschrank etwas höher steht, was aber weder als Hinweis in der Anleitung steht noch professionell aussieht.

In derselben Anleitung steht aber deutlich, dass der Kühlschrank nach hinten 78 mm Abstand zum Schrankende haben soll. Wenn wir das machen, steht er vorne aus der Front heraus, was nicht sein darf. Wir müssen also selber überlegen und frei improvisieren, wann wir wo schrauben und welche Abstände wir einhalten. Das macht keinen Spaß. Ich habe extra den Kühlschrank von IKEA gekauft, weil ich dachte, dass da der Einbau gut geht, während ich mit einem Fremdgerät womöglich Probleme hätte. Tja, mehr Probleme und Ärger hätte kein anderer Kühlschrank beim Einbau machen können. Als alles steht und fest ist, ist es gut, aber die Einbauanleitung bekommt ein dickes "Ungenügend".

Für den Mittwoch hat mein Vater einen Besuch bei Bekannten von ihm geplant, die im 250 Kilometer entfernten Rinteln wohnen. Ich fahre morgens um 8 Uhr mit ihm los. Weil viel Verkehr ist, brauchen wir für die Fahrt dreieinhalb Stunden. Es gibt Mittagessen, Plaudereien und Kaffeetrinken im Wohnzimmer der Bekannten. Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg. Als wir gerade auf der Autobahn sind, sagt mein Vater zufrieden: "Da hast du, dank deines alten Vaters, auch mal Rinteln gesehen." "Ich habe von Rinteln nichts gesehen", antworte ich. Er stutzt kurz und versichert dann freudig: "Ist schön da!"

Bei IKEA können die Verpackungen abgegeben werden, und ich bringe eine Autoladung voll Pappe gerne wieder zurück. Wie viel Reste so eine neue Küche macht!

Zuhause gucken wir mittags immer eine Folge einer Serie, und nachdem das "Parlament" mit Spaß geguckt ist, entscheiden wir uns für "Diener des Volkes". Das ist die Polit-Comedy-Serie, in der Wolodymyr Selenskyi 2015 einen Geschichtslehrer spielte, der unerwartet Präsident der Ukraine wird. Eine fiktive Geschichte, die plötzlich real wurde, als Selenskyi 2019 tatsächlich zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde. Lohnt es sich, die Serie mit deutschen Untertiteln in der ARTE-Mediathek anzusehen?

Ja, es lohnt sich! Sehr sogar! Es ist lustig, schräg, mit sehr viel ernstem Hintergrund, sehr gut geschrieben und sehr gut gespielt. Und manchmal passen die damaligen Sätze erschreckend genau zur jetzigen Situation von Selenskyi in der kriegsangegriffenen Ukraine. "Man kann aufgeben oder man muss kämpfen!" Da stockt mir schon mal der Atem, weil es wie eine Vorhersage wirkt. Dass Selenskyi nach dieser Serie tatsächlich zum Präsidenten gewählt wurde, weil er in der Serie völlig überzeugend in seinem Kampf gegen Korruption und die alteingesessene Liga war, wundert mich gar nicht. Und nebenbei bin ich jetzt noch überzeugter von ihm, von seinem Mut und seiner inneren Größe. Wenn ich jemals mit irgendeinem Land Ärger bekommen sollte, will ich, dass Selenskyi auf meiner Seite ist.

Draußen beginnen die ersten herbstlichen Windböen, und unsere kleine Fipsi wird manchmal ganz schön durchgepustet. Während sie frisst, werden die Federn hinten aufgebauscht, legen sich zurück, um dann vorne hochgepustet zu werden. Aber die Frisur hält. Und sie sich auch, was nicht immer einfach ist, wenn man nur wenige Gramm wiegt und ein Windstoß kommt.

Mein Vater ruft an einem Tag und sagt: "Die sind alle bekloppt geworden!" Die Bank, die ihn genötigt hat, sein altes Konto zu schließen und ein neues zu eröffnen, informiert ihn, dass unsere Beschwerde und unser Unmut darüber angekommen sind. Es sei aber üblich, dass sie so verfahren. Allerdings gäbe es Ausnahmen, und diese würden sie auch ihm zugestehen. Er könne sein altes Konto behalten. - Na, toll! Nach stundenlangem Telefonieren, Erklären, Warten in Warteschleifen und Mailen habe ich die ersten Lastschriftverfahren auf die neue Kontonummer umändern können, und jetzt gilt das nicht mehr. Ich überlege, ob es mehr Arbeit macht, alle weiteren Änderungen durchzuziehen oder die geschehenen Umänderungen erneut zu ändern. Alles zurück scheint schneller zu gehen. Oh, was für ein Chaos!

Aber bloß nicht ärgern. Ich habe 32 Knöpfe an Schranktüren und Schubladen zu befestigen und muss die letzten Schubladenschienen in die Schränke schrauben.

 

Am Ende der Woche bauen wir Herd und Spüle ein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob eine schwarze Arbeitsplatte wirklich eine gute Idee ist. Vielleicht ist sie zu empfindlich und es stört jeder liegengebliebende Krümel. Aber als ich im Baumarkt fast schon wieder zu einer holzfarbigen Arbeitsplatte umgeschwenkt wäre, dachte ich, dass ich doch mal etwas ganz anderes haben möchte und dann auch mutig und konsequent sein muss. Zack! Schwarz. Mit schwarzer Spüle und schwarzer Armatur. Total ungewöhnlich für mich. Im strengen Design aber aufgelockert durch kleine, punktige Schrankknöpfe. Und durch einen Holztisch und den alten Küchenschrank.

Abgesehen von Fußleisten, Wandleisten, Lampen, Gardinen und dem ganzen Kleinkram, sieht es im Raum schon weitgehend wieder nach Küche aus. Eine schrankleere, denn die Einrichtung steht immer noch kistenweise im Wohnzimmer verteilt. Aber ein Nebenschrank muss noch befestigt werden und ich muss ja auch in der nächsten Woche noch genügend zu tun haben.

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