Blog 757 - 30.10.2022 - Fledermäuse, Farben und Selfie

Gleich am Montag fahre ich zu IKEA, um die Küchenschränke zu bestellen. Es ist die Filiale am Butzweilerhof in Köln, in der ich vor mehr als zehn Jahren das "Midsommernacht bei IKEA"-Video mit den Wise Guys gedreht habe. Immer wenn ich vom Parkplatz auf das Gebäude zugehe, erinnere ich mich daran. Das war schon ein sehr lustiger Tag.

Die Liste mit den Teilen meiner neuen Küche ist schon im IKEA-Computer. Ich lasse im Kundencenter nur noch eine Schubladengröße und die Sockelhöhe ändern. Fertig. Der Mitarbeiter tippt die Änderungen ein, guckt kritisch auf den Bildschirm, macht: "Öhmmm ..." und sagt: "Bei zwei Unterschränken gibt es Lieferschwierigkeiten." Ich antworte: "Och, nee!", und denke daran, dass mir drei Wochen vorher noch versichert wurde, dass es keinerlei Lieferschwierigkeiten bei Küchenschränken gäbe. Der Mitarbeiter tippt weiter und sagt endlich: "Wenn Sie ein Auto haben, können Sie die beiden Schränke aber hier aus dem Lagerregal gleich mitnehmen. Den Rest würden wir in zehn Tagen liefern. Ansonsten ist alles komplett erst Ende November da." Ich muss mir gar nicht meine fast leer geräumte Küche und mein volles Wohnzimmer vor Augen führen, um blitzschnell: "Ich nehme sie mit!" zu rufen.

Das mache ich auch mit Moppe-Kästen, für die ich eine raffinierte Schubladenleisten-Idee für die neue Küche habe. Ob die Idee so klappt und ob es nachher überhaupt gut aussieht oder ich alles schnell wieder verwerfe, weiß ich nicht, aber ich streiche sie schon mal weiß an. 

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Dem Küchensturm. In zehn Tagen muss alles ausgeräumt und abgebaut sein sowie drei Reihen Kacheln ergänzt, an zwei Stellen neue Tapete geklebt, alle Wände gestrichen, der alte Laminatboden rausgerissen und der neue gelegt. Das wird schon recht viel Arbeit werden, aber es ist Zeit genug. Bevor es losgeht, schreibe ich den Bericht über die Lesung mit Rainald Grebe fertig, denn dafür werde ich in den Tagen danach eher wenig Zeit haben. (Zu lesen wie immer auf reihedrei.de)

Als wir am Abend unseren - inzwischen fast üblichen - Spaziergang machen, mag ich den idyllischen Blick aufs Dorf, auch wenn die Umgebung lebendiger, voller und oft lauter ist, als es aussieht.

Am dämmerigen Himmel sind Fledermäuse unterwegs. Wie gut, dass ich mich um einen möglichst insektenfreundlichen Garten bemühe, damit die freudig begrüßten Insekten dann von Vögeln und Fledermäusen gefressen werden! Angesichts der vielen Vögel und Fledermäusen in der Umgebung, scheine ich erfolgreich zu sein. Meine Versuche, die flatternden, wendigen und blitzschnellen Fledermäuse, die ganz nah um uns herum fliegen, mit dem Handy zu fotografieren, bin ich wenig erfolgreich. Es gibt fast nur verwischte Bilder, auf denen verwischte Fledermäuse zu erahnen sind. Das hier ist aber eine, von rechts nach links fliegend und mit etwas gutem Willen zu erkennen:

Der Gatte fährt zwei Tage auf Dienstreise, und ich zerlege mit dem Sohn zusammen die letzten Einbau-Küchenschränke. Natürlich nicht den alten Küchenschrank aus den Dreißigerjahren - den tragen wir unzerteilt ins Wohnzimmer, wo er zwischen Sessel und Kühlschrank den letzten freien Platz einnimmt und nur noch einen schmalen Laufweg zulässt. Ich kann ja ganz gut so improvisiert leben, aber richtig spaßig ist es auf Dauer nicht. Immerhin bin ich keine der Frauen, die bei Renovierarbeiten meckert, dass es überall staubt und alles unordentlich ist und überall Werkzeug herumliegt. Ich bin ja die, die staubt, Unordnung macht und Werkzeug ablegt.

Über dem Herd entferne ich ein Stück Tapete und kachel stattdessen noch drei Reihen bis zur Decke hoch. Besonders die Abschlussbordüre gefällt mir.

Als die neuen Tapetenstücke trocken sind, will ich die Wände streichen. Drei weiß und eine blau, so wie es vorher war, das Blau nur in einem anderen Farbton. Fröhlich starte ich mit der blauen Farbe, die ebenso fröhlich nicht an der Wand haftet, sondern einfach abperlt. Häh? Plötzlich fällt mir ein, dass ich die blaue Wand vor einigen Jahren mit Acryllack gestrichen habe, so dass sie quasi imprägniert ist und Flüssigkeiten abweist. Und nun? Tapete ab und neu tapezieren? Kurzentschlossen greife ich zur Dose mit der Vorstreichfarbe, in der noch ein Rest vom Streichen der Decke übrig ist. Der Rest ist etwas knapp für die ganze Wand, aber ich gebe einen Schuss Wasser dazu und rühre gründlich. Keine Ahnung, ob man das machen kann, aber ich probier es einfach mal. Neu tapezieren kann ich immer noch.

Die Schicht verdünnter Vorstreichfarbe haftet auf der blauen Wand, wird beim Trocknungsprozess aber immer durchscheinender. Je mehr es trocknet, desto fleckiger wird es. Das stört mich aber erstmal nicht, denn es soll ja nur ein vermittelnder Untergrund werden. Ich überlege kurz, ob ich das Ergebnis dem Gatten, wenn er wiederkommt, als fertig gestrichene Wand präsentieren soll, will aber einen Ohnmachtsanfall vermeiden. Außerdem weiß ich ja noch nicht, ob danach die blaue Wandfarbe wirklich lässig haftet oder ich doch neu tapezieren muss.

Die Farbe trocknet schnell, denn draußen ist es ungewöhnlich sommerlich warm. Während die "blaue" Wand durchtrocknet, streiche ich die drei anderen Wände mit weißer Farbe. Am Mittag kann ich wieder an die blaue Wand gehen und streiche mit der Wandfarbe. Die Farbe hält, deckt aber noch nicht überall richtig gut. Aber sie trocknet wieder schnell. "Nach sechs Stunden überstreichbar" steht auf der Packung. Weil es so sommerlich warm ist, verkürze ich auf vier Stunden und rolle dann eine zweite Schicht. Die trocknet endlich gleichmäßig und deckend. Puh! Wie viele Stunden ich heute streichend verbracht habe!

Als der Gatte am Abend wieder da ist, wollen wir mal kurz gucken, ob der alte, blaue Laminatboden überhaupt gut rauszumachen ist. Vor dreißig Jahren haben wir den noch vorschriftsmäßig in den Nuten mit Ponal geklebt und er ist entsprechend stabil. Aus "kurz gucken" wird "machen", der Sohn und eine Mini-Kreissäge helfen mit und eine Stunde später ist schon alles draußen.

Am nächsten Tag geht es mit dem neuen Boden los. Messen, sägen, klicken - wir machen Reihe um Reihe, auch wenn die krummen Türausschnitte etwas aufhalten. Am frühen Abend fahren wir noch zum Baumarkt, dann spazieren wir eine Runde, dann gibt es Tee und Abendessen. Geplant ist, danach weiterzumachen, aber für den sägeintensiven Türbereich, der als nächstes kommt, bin ich inzwischen viel zu müde. Kopf, Rücken und auch ich sagen: "Ach, nee! Morgen ist auch noch ein Tag!"

Draußen kommt das Fipsi-Spatzenmädchen weiterhin regelmäßig zum Fressen. Inzwischen sitzen oft Freunde von ihr währenddessen ziemlich nah im Busch, gucken zu und überlegen vermutlich schon, ob sie sich auch mal trauen sollen. Unser Spatz ist mit fotografierendem, klickenden Handy aufgewachsen. Sie hat keine Angst vor dem hochgehaltenen Handy und empfindet das leise Klicken als normales Geräusch. Witzigerweise guckt sie manchmal interessiert auf das Display, wo sich das Motiv zeigt. So beobachtet sie uns beim Selfiemachen und knabbert dabei Hirsekörnchen. Klick! Mama und Spatzenkind mit gleich blödem Gesichtsausdruck. 

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