Blog 755 - 16.10.2022 - Nut und Federn, Schrankfunde und Frühstückszeiten

Das Projekt "Neue Küche" hat tatkräftig begonnen, was bedeutet, dass es im Wohnzimmer immer enger wird, während es in der Küche immer mehr Platz gibt. Das Wohnzimmer wird zur Aushilfsküche mit großem Esstisch, Mikrowelle, Wasserkocher, Tee, Kaffeemaschine, Tassen, Tellern und Besteck. Unter dem Tisch und drumherum stehen gefüllte Kisten und ich wundere mich, wie viel Zeug beim Ausräumen zusammenkommt. Ganz hinten in den Schränken gibt es Sachen, an die ich gar nicht mehr gedacht habe. Was für Überraschungen ich mir selber machen kann! Leider keine Geldbörsen.

In der neuen Küche möchte ich eine weißgestrichene Holzdecke haben. Wegen der aktuellen Krisen sind Nut- und Federbretter in den gängigen Größen und beliebten Sorten aber weitgehend ausverkauft. Auf meine Frage, wie lange es bis zur Nachlieferung meiner gewünschten Sorte dauert, sagt ein Baumarktmitarbeiter: "Mindestens vier Wochen." Aber selbst das sei nicht sicher. Ich fahre zu zwei weiteren Baumärkten, die ebenfalls große Lücken bei den Nut- und Federbrettern haben, und kaufe im dritten Baumarkt kurzentschlossen Bretter, die gerade noch in passender Anzahl vorhanden sind. Die meisten davon in A-Sortierung, den Rest aufgefüllt mit B-Sortierung. Wird schon gehen.

Zuhause stellt der Gatte fest, dass die Bretter zwar Nut- und Federbretter heißen, Nuten und Federn an den Längsseiten auch vorhanden sind, die Stirnseiten bei dieser Sorte aber glatt abgesägt sind. Das hatten wir noch nie. Der Gatte findet es eher blöd, weil er einen schön gleichmäßigen Verbund mit an den Stirnseiten in Nuten laufenden Brettern verlegen möchte, ich möchte vor allem eine natürliche Holzstruktur haben und kann mir dazu auch einen wilden Verbund mit stumpf aufeinanderstoßenden Brettern vorstellen. Die gekauften Bretter umtauschen und andere holen geht nicht, weil es die anderen gerade nicht gibt. Dass der Gatte beim Stöbern im Internet auch noch entdeckt, dass "meine" Bretter schlechte Kritiken wegen mangelnder Qualität haben, erklärt zumindest, warum es sie überhaupt noch gab. Mir gefallen sie allerdings ziemlich gut.

Die Packungen mit den Laminat liegen schon gestapelt im Flur, die Nut- und Federbretter werden in der Küche gestapelt. Wenn es draußen trocken und sicher regenfrei wäre, könnte ich den meisten Küchenkram für zwei Wochen in den Hof auslagern, aber es wechselt herbstlich zwischen Sonne und Regen, T-Shirt und Winterjacke. Die übergangsmäßige Verteilung macht es nicht einfacher. Der Tee und die Tassen sind im Wohnzimmer, der Wasserkocher und die kleinen Löffel noch in der Küche. Ich renne ständig herum und suche. Zum Glück finde ich solche chaotischen Zustände eher abenteuerlich und durchaus witzig.

In dieser Woche kratze ich an einem Morgen zum ersten Mal wieder Eis von der Autoscheibe. Och, nee. Der Winter naht. Sehr begeistert bin ich nicht. Frühling und Spätsommer sind temperaturmäßig eher meine Zeit. Aber es ist wie bei den Nut- und Federbrettern: Man muss nehmen, was kommt.

Beim frühmorgendlichen Füttern von Fipsi trage ich jetzt meistens eine Jacke, mein Atem ist als weißer Dampf zu sehen und die Hände werden kalt. Das arme Vogelkind hat weiterhin nackte Füße und kein Winterfell. Ihr Frühstück findet inzwischen nicht mehr um halb sieben statt, sondern nach acht Uhr. Erst wenn es hell ist, sind die Spatzen unterwegs. Die Zeit wird sich in den nächsten Wochen wohl noch weiter nach hinten verschieben.

Manchmal flattert uns Fipsi schon entgegen, wenn wir nur die Haustür öffnen, und hat anscheinend im Busch gewartet. Manchmal fliegt sie sogar ein Stück in den Hausflur hinein und landet auf meinem Kopf, wenn ich gerade dabei bin, rauszugehen. Das Extrafutter tut ihr gut. Inzwischen ist sie nicht mehr so dünn und wirkt sehr energiegeladen. Sehr schön ist, dass sie völlig zur Spatzengang dazugehört und mitten zwischen ihnen lebt, fliegt und schläft. Trotz ihrer Findlingskindheit und ihrer übergroßen Pflegeeltern, denen sie täglich, unter den Blicken der anderen Spatzen, auf die Hand fliegt, ist sie keine Außenseiterin.

In der Küche kommt die Unterlattung an die Decke. Die Hälfte der Einrichtung steht noch so lange wie möglich, was bedeutet, dass ich noch auf dem Herd kochen und in der Spüle abwaschen kann. Auch das aber gedrängt und umgeben von Werkzeug. Egal wie die Küche nach dem Renovieren aussehen wird: Es kann nur besser werden.

Am Samstag kann es endlich mit der Holzdecke losgehen. Weil die Enden der Bretter nicht immer ganz gerade gesägt sind und ich sie häufig begradigen muss, dauert es deutlich länger als ich vorher dachte, aber Reihe für Reihe kann verschraubt werden. Auch die Lampe kann endlich mittig verlegt werden und kommt jetzt sauber aus der neuen Zimmerdecke. Es wird. Langsam, aber stetig. 

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