Blog 754 - 09.10.2022 - Gelee, Lieferproblem und Wise Guys live

Am Sonntag fahre ich mit dem Sohn zusammen zu meinem Vater, wo im Garten die Weintrauben geerntet und zu Gelee eingekocht werden müssen. Es ist nur eine einzelne, kräftig rankende Pflanze, an der aber Mengen hellroter Trauben hängen. Wir pflücken, entstielen, dampfentsaften und kochen Gelee, was in der kleinen Küche ein Logistik- und Platzproblem ist, das zum laut splitternden Verlust von zwei Gläsern führt. Zum Glück noch ungefüllten. Im Verlauf des Tages kommt meine Schwester dazu, und am Ende haben wir zusammen elf Liter Saft zu Traubengelee verarbeitet.

Weil die Weinpflanze der Sorte "Vanessa" so malerisch aussieht - und aus rein sentimentalen Gründen - habe ich mir die gleiche Sorte im letzten Jahr auch am Haus eingepflanzt. Noch trägt sie keine Weintrauben, aber ich kündige dem Sohn schon mal an, dass ich in späteren Jahren immer anrufen werde: "Die Weintrauben müssen ab. Komm vorbei!" Mein Sohn grinst: "Und ich sag dann: Aber Mama, ich lebe doch seit Jahren in Australien." Ich antworte ihm in Altfrauenstimme: "Egal. Komm vorbei!"

Bei IKEA habe ich einen Planungstermin für meine Küche. Weil ich alles schon selber geplant habe, gibt es nur ein sorgfältiges Durchchecken meiner notierten Schränke und Türen, dann steht auch die offizielle Bestellliste. Zu meiner Überraschung ist alles sofort lieferbar und wäre in sieben bis zehn Tagen da. "Ähm, das ist zu früh", sage ich, denn ich habe im Zeitplan fest mit Lieferengpässen gerechnet. "Dann bestellen Sie einfach erst zehn Tage bevor sie die Küche haben wollen", schlägt die Mitarbeiterin vor. Aber was, wenn ausgerechnet dann einige Teile doch wieder Lieferengpässe haben? "Nein, bei den Küchen sieht das inzwischen wieder sehr gut aus", beruhigt sie mich. Tja, jetzt habe ich tatsächlich ein Problem mit dem Liefertermin bekommen, weil zu FRÜH geliefert werden würde. Die alte Küche muss aber noch leergeräumt und abgebaut werden, eine Zimmerdecke soll eingezogen, einige Kacheln abgeschlagen und ein neuer Boden gelegt werden. Das schaffe ich nicht in sieben Tagen. Höchstens im Notfall, aber den gibt es nicht.

Ich nehme eine fertig ausgedruckte Bestellliste von IKEA mit, die ich zum passenden Zeitpunkt nur noch am Küchenschalter abgeben muss, und starte jetzt tatsächlich tatkräftig mit dem Projekt "Neue Küche". Ach, ich werde meine bunte, offene Küche mit dem blauen Boden sehr vermissen. Aber inzwischen braucht die dringend neue Schränke und einen neuen Bodenbelag. Die neue Küche wird bestimmt auch gemütlich werden. Und mit den geschlossenen Oberschränken ganz bestimmt staubfreier.

Der 3. Oktober ist der Tag der Deutschen Einheit. Was getrennt war, findet wieder zusammen. Da passt es gut, dass sich an diesem Tag fünf von acht ehemaligen Wise Guys zusammenfinden und ein gemeinsames Konzert geben. Allerdings nicht als "Wise Guys" und außerdem unter der Überschrift: "Kein Comeback!" Eddi, Sari und Clemens sind aus der langjährigen Ur-Original-Besetzung dabei, Nils und Andrea kamen später, als Ur-Mitglieder gingen. Mit dabei ist auch Tobi, der inzwischen Eddi bei vielen Konzerten begleitet. Ich erwarte kein großartiges Konzert, sondern eine Art "Konzertabend mit Solo- und Gruppenauftritten", die vielleicht auch mal einen Wise Guys Bezug haben können. Das ist nicht zwingend zu erwarten, wäre aber schon sehr schön. Die Bonner Oper ist ausverkauft, die Zuschauer kommen vor allem wegen der Wise Guys überhaupt und deren Ex-Mitgliedern. Auch ich.

Das Konzert ist abwechslungsreich, macht Spaß und vergeht wie im Flug. Neben viel Gelächter und Gesang gibt es tatsächlich auch ein bisschen Wise Guys zu hören, die ganz original klingen und mich in die Wise Guys Zeit zurückkatapultieren. Das Publikum jubelt und tobt. Ein dreiminütiges Medley mit 26 angesungenen Wise Guys Titeln ist der Hammer. Dazu das stehende, mitklatschende, mitsingende und jubelnde Publikum - es ist wie früher, wie ein rasanter Schnelllauf durch ein komplettes Konzert, und es haut mich emotional um. Dass ich jemals wieder live gesungene Wise Guys Lieder im vertrauten Originalsound höre, hätte ich nie gedacht. Wie wunderbar!

Aus meinen gekritzelten Notizen hole ich mir Zuhause genügend Infos, um mal wieder einen Konzertbericht für meine Berichteseite - www.reihedrei.de - zu schreiben. Ich überlege, ob er in die Wise Guys-Rubrik gehört oder doch in die Liste aller anderen Veranstaltungen. Es hat ja mit den Wise Guys zu tun - aber nein, die Wise Guys gibt es nicht mehr und ihre Rubrik ist geschlossen - das "Kein-Comeback!"-Konzert gehört jetzt in die gemischte Rubrik.

Unser draußen lebender Fipsi-Spatz ist munter und wirkt gut gelaunt. Sie scheint ein voll integriertes Mitglied der Spatzentruppe zu sein. Wenn sie drei- bis viermal täglich auf die Hand kommt und Hirse frisst, setzen sich immer öfter andere Spatzen in die Nähe und gucken sehr interessiert zu. Sie würden wohl auch gerne Hirse haben, aber die Menschen sind große Feinde. Wieso traut sich die Kleine einfach dahin? Neugierig betrachten sie, wie das kleine Spatzenmädchen furchtlos an die leckeren Körner geht, trauen sich aber nicht selber hin.

Der Herbst ist da. Manchmal schon kühl, aber oft wunderschön sonnig. Ich bin immer wieder froh, dass ich nicht in der Stadt lebe. Auch wenn ich selber gar nicht sehr ländlich aufgewachsen bin, genieße ich es jetzt sehr, dass die Spazierrunde gleich vor dem Haus beginnen kann. 

Am Ende der Woche hole ich alle meine Teekannen vom Regal, spüle sie gründlich und verpacke sie, eingehüllt in Zeitungspapier, in Kisten. Mal sehen, vielleicht finde ich in der neuen Küche doch einen Platz für einige von ihnen, wenn auch nicht mehr für alle. Blöd ist, dass ich lieber nicht nur alle behalten, sondern gerne noch weitere dazuhaben haben möchte. Als ich vor einiger Zeit wegen eines eventuellen Verkaufs meiner Kannen im Internet nach Preisen guckte, hätte ich stattdessen beinahe neue gekauft. Ich mag die schon sehr gerne. Aber es hilft ja nichts.

 

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