Blog 744 - 31.07.2022 - Fipsi und die Wise Guys Totalnacht

Der kleine Spatz, inzwischen meistens "Fipsi" gerufen, ist seit mehr als einer Woche in der Freiheit. Das heißt, dass sie jetzt auf der anderen Straßenseite mitten in der Spatzenkolonie lebt und uns mehrfach am Tag im Garten besucht. Das machen die anderen Spatzen auch, die bei uns über die Meisenknödel herfallen, in Scharen im schützenden Kirschlorbeer sitzen oder die große Vogeltränke nutzen. "Unser" Spatz besucht uns aber persönlich. Manchmal höre ich sie draußen laut piepsen, und wenn ich dann in den Garten eile und sie rufe, antwortet sie und kommt sofort auf die Schulter geflogen. Manchmal landet sie auch unerwartet auf mir, wenn ich draußen beschäftigt bin. Oft hat sie Hunger, und auch wenn sie sonst alleine an ihre Futterschalen geht, mag sie es sehr, wenn ich sie begleite und am besten noch die Hirse halte.

An einem Vormittag bin ich schon früh bei meinen Eltern. Als ich zurück bin und erst gegen 15 Uhr die Hoftür öffne, um in den Garten zu gehen, höre ich Fipsi aufgeregt piepsen und schon fliegt sie mir laut piepsend entgegen. Weil sie dabei ihre Flügel weit ausstreckt, sieht das aus wie ein Kind, das "Mama, Mama!" rufend, mit weit ausgebreiteten Armen auf mich zurennt. Sie landet auf meiner Schulter, piepst unentwegt und kuschelt sich an meinen Hals. Hach, da bekomme ich schon kleine Tränchen in die Augen vor Rührung. Das ist schon sehr süß.

Bisher hat sie immer noch volles Vertrauen zu uns, auch wenn sie inzwischen mitten zwischen den Spatzen lebt und anscheinend auch schon gut integriert ist. Nur Futter scheint sie selbst noch nicht genug zu finden, aber das wird sie sich von den Kollegen noch abgucken. Meisenknödel haben ihr schon nicht geschmeckt, als sie noch in der Küche gefüttert wurde und ich sie ihr zum Kennenlernen angeboten habe, und bisher geht sie nicht ran, auch wenn sie immer sieht, wie die anderen Spatzen sich dort bedienen. Aber sie holt sich Körner aus ihrem bereithängenden Käfig oder eben bei uns persönlich. Einmal am Tag gebe ich ihr auch noch aufgetaute Heimchen als Proteinfutter, die sie sich dann schnell und gierig reinstopft. Rote Hirse ist ansonsten aber ihr Lieblingsfutter.

Auch wenn sie immer noch eine enge Bindung an uns hat, wirkt sie draußen glücklich und zufrieden. Es ist eine Freude zu sehen, wie sie mit anderen Spatzen zusammen in den Büschen sitzt oder elegant und blitzschnell am Haus entlang und über die Straße fliegt. Ihr Kontakt mit uns sind eindeutige Besuche. Hallo sagen, liebevoll begrüßen, gerne noch einen Snack bekommen, aber dann wieder gezielt zurück in die Spatzenwelt.

Im Garten baue ich den letzten Meter meines mühevoll gepflasterten Weges wieder ab. Ich hatte ihn mit leichter Schräge gepflastert, die auch recht gut zu laufen war, aber ich merke, dass ich das nicht so haben möchte. Es soll dort lieber ein gerader Weg mit einer weiteren Stufe sein. Es ist alles kompliziert, weil es am schrägen Hang gebaut wird, der Weg sich dort teilt und gleichzeitig eine Kurve macht, aber nach einigem Überlegen habe ich eine Lösung. Während ich baue, kommt Fipsi plötzlich an, setzt sich auf die Hand und guckt interessiert zu. Weil sie auf der Hand sitzt, passiert aber nichts mehr an der Baustelle. Auch gut für sie. Dann sitzt sie eben einfach mit mir an der Baustelle und entspannt.  

 

 

Bis auf einen letzten Bericht sind alle anderen Wise Guys Konzertberichte jetzt auf der Homepage veröffentlicht. Es fehlt nur noch die Totalnacht 2006. Ich weiß schon, warum ich die immer aufgeschoben habe, denn der Text ist sehr lang und es gibt sehr viele kleine Fotos. Die müssen einzeln durch jeweils mehrere Ordner und Unterordner geklickt werden, ehe ich sie im Homepageprogramm in ihre jeweilige Zeile einfügen kann. Pro Bild kommen da locker zehn Klicks mit der Maus zusammen.

Als ich die Bilder vorher im Bildbearbeitungsprogramm durchsehe, um sie zum Teil etwas heller zu machen oder farblich anzugleichen, merke ich erst, wie viele es sind. Schnell bin ich bei der Nummernvergabe über der 100, was ich schon viel zu viel finde. Mehr als hundert Bilder - und die Totalnacht ist gerade mal im zweiten Block! Es geht immer weiter. Auch die 200 erreiche ich, was mir als Menge vorher gar nicht aufgefallen ist, weil die Bilder eben sehr klein sind und in den Text eingefügt waren. Während ich weiterarbeite denke ich, dass jemand, der so einen langen Bericht schreibt und dann noch mit so vielen Bildern versetzt, ziemlich bescheuert sein muss. "Wenn ich auf 300 Bilder komme, erkläre ich mich für total übergeschnappt!", sage ich mir selber. Der Bericht hört und hört nicht auf, und es sieht sehr danach aus, dass ich die 300 erreiche. Aber dann ist das Ende der langen Totalnacht erreicht und das letzte Bild hat die Nummer 297. Puh! Doch nicht so schlimm.

Ich könnte bei der Überarbeitung einen Teil der Bilder rauswerfen, denke ich, schließlich sind immer nur dieselben fünf Leute zu sehen, aber dann finde ich, dass es eine ausführliche Dokumentation über ein außergewöhnliches Konzert ist und dass es durchaus Leute gibt, die das interessiert. Jedes Bild, das rausgelöscht ist, landet für immer im Archiv und kann nicht mehr angesehen werden. Nee, die Wise Guys Zeit ist vorbei, aber die Erinnerungen dürfen bleiben.

Das Wetter ist meistens schön, insgesamt aber oft zu heiß und vor allem viel zu trocken. Ich gieße jeden Tag und trotzdem sieht die Erde kurz danach wieder staubig und ausgetrocknet aus. Ich lese, dass die Igel kaum Futter finden, weil Würmer und Schnecken bei den trockenen Böden nicht unterwegs sind. Wenn das in den nächsten Jahren so weitergeht, werden auch einige Pflanzen in meinem schon sehr trockenresistenten Garten aufgeben müssen. Wobei ich momentan zwiegespalten bin, denn die Natur braucht dringend Regen, aber dann wird ja auch mein Spatz draußen in den Büschen nassgeregnet. Also möglichst netter Landregen ohne Sturm und Gewitter!

Ich bin meistens beschäftigt, aber mal so im Garten auf der Liege liegen, die Spatzen hören und in den Himmel gucken - ist wie Urlaub.

 

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