Blog 737 - 12.06.2022 - Ploppende Maulbeeren und begradigter Weg

Dass die beiden Maulbeerbäume im Garten wieder Unmengen von leckeren, süßen Früchten tragen, finde ich prima. Dass der eine Baum, an dem das Schild "bis zu 2 Metern Höhe" stand, inzwischen etwa acht bis zehn Meter hoch ist, finde ich kurios, aber mir gefällt er auch so groß sehr.

Dass ich vorher nicht wusste, dass die reifen Maulbeeren, von denen es an einem hohen Baum sehr viele gibt, im 10-Sekunden-Takt herunterfallen, ist etwas blöd. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich den damals 30 cm hohen Setzling nicht unmittelbar an die Terrasse gepflanzt. Merke: Im Juni ist Sitzen auf der Terrasse und ein gemütliches Kaffeetrinken nur möglich, wenn es allen Kaffeetrinkern egal ist, dass durchgehend schwarze, saftige Maulbeeren auf Tisch, Stühle, Essen, Boden, Arme und Köpfe ploppen. Warum sich die Vögel nicht begeistert auf die bequem auf dem Boden liegenden Beeren stürzen, weiß ich nicht. Ich mache es allerdings auch nicht, sondern ziehe es vor, sie frisch vom Baum zu pflücken. Leider reiche ich nur an die untersten Äste. Die restlichen Beeren ploppen irgendwo um mich herum auf den Boden, den Tisch und die Stühle.

Unterhalb meiner vor drei Wochen gebauten Treppenstufen mache ich mit Bauarbeiten weiter. Quer am schrägen Hang möchte ich einen gepflasterten Weg haben, der zwar mit leichtem Anstieg von unten nach oben verläuft, dessen Lauffläche aber waagerecht ist. Nicht nur, dass ich eine Schneise in den Hang hacken und diese pflastern muss, an der einen Seite muss die Erde am Hang auch noch etwas abgestützt werden, damit sie nicht auf den Weg bröckelt, an der anderen Seite muss der Weg abgestützt werden, damit er nicht abrutscht. Das alles nach meinen Plänen und Berechnungen, die heißen: Einfach mal mit Hacke und Wasserwaage anfangen und im Verlauf der Bauarbeiten immer wieder entscheiden, wie es weitergeht.

Ich hacke los und es macht wirklich wenig Spaß. Eigentlich gar keinen. Die Erde ist seit Jahrzehnten festgetreten und ziemlich voll mit Kieselsteinen und Baumwurzeln, auf denen die Hacke sofort zurückfedert. Puh! Außerdem buddel ich Massen von gelockerter Erde zur Seite und weiß nicht, wohin damit. Um sie sinnvoll woanders unterzubringen, müsste ich die passenden Stellen im Garten vorbereiten. Dazu habe ich aber keine Zeit, denn ich baue ja einen Weg. Ich schütte also an den Rändern Erdhügel auf, die ich im Laufe des Projektes wieder wegschaufeln muss.

Als es zwischendurch zwei Tage lang ergiebig regnet, mache ich eine Arbeitspause. Endlich bekommt der viel zu trockene Garten mal richtig viel Wasser, das tief einziehen kann. Zu meiner Freude lässt sich die Erde danach viel leichter lockern. Sehr gut! Dafür ist sie jetzt beim Schaufeln und Abtransportieren schwerer, weil sie nass ist. Mir kann man es wohl nicht recht machen. Auch die Katze guckt eher missmutig als sie die neue Baustelle entdeckt. Vermutlich denkt sie: "Was macht sie denn jetzt schon wieder?" Sie wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu und verzieht sich in ihren Schlafsessel. Aber ich weiß schon jetzt, dass sie das Ergebnis später schön finden und den bequemen Weg gerne benutzen wird.

Als ich die ersten Steine lege, wundere ich mich, dass manche von ihnen nicht gut in den Verbund passen. Seltsam, wieso sind einzelne, wenn ich sie in die Reihe einfüge, ein wenig zu groß? Plötzlich entdecke ich, dass es zwei verschiedene Steinformen gibt - einmal nach rechts, einmal nach links gebogen. Da sie an den Schmalseiten entweder eine Wölbung oder eine Einbuchtung haben, sind sie "zu groß", wenn zufällig zwei Wölbungen aneinanderstoßen. Wieso fällt mir das jetzt erst auf? Seit zwei Jahren trage ich sie durch die Gegend und stapel sie auf, im letzten Jahr habe ich sogar einen kurzen Weg mit ihnen gepflastert!

Als ich mir den kurzen Weg ansehe, entdecke ich sofort, dass die rechts- und linksgebogenen Steine durcheinanderliegen. Es ist mir damals wohl nicht aufgefallen, weil der Weg wirklich kurz ist und außerdem eine starke Kurve hat. Außerdem sieht es nicht falsch aus, sondern "urig", eben nach unregelmäßigen Natursteinen. Auf einem längeren Weg gefällt es mit allerdings besser, wenn die Steine in passenden Gruppen liegen. Beim Durchsehen der ersten beiden Lagen meines großen Steinstapels stelle ich fest, dass die allermeisten Steine linksgebogen sind. Es kann allerdings sein, dass ich das jetzt denke, dass aber die unteren Lagen des Stapels vorwiegend rechtsgebogen sind. Aber das kriege ich hin. Ich baue sowieso immer mal wieder eine Querreihe Steine ein, danach kann ich problemlos mit der anderen Biegung weitermachen.

Es bleibt aber noch spannend. Kann ich den Weg ohne weitere Stufe hinbekommen, oder muss ich im Verlauf eine einbauen, weil sonst der leichte Anstieg zu unbequem ist? Baue ich den Weg erst leicht abgeschrägt, stelle dann fest, dass mir das zu steil ist, baue alles wieder zurück und setze eine Stufe ein? Baue ich erst eine Stufe ein und stelle dann fest, dass es ohne gegangen wäre? Hätte ich mir einen Minibagger wünschen und ihn mit einem großen Kran übers Haus heben lassen sollen, damit er mir dann im schrägen Garten immer umkippt? Sollte ich lieber in den Garten gehen und weiterbuddeln, ehe ich noch mehr Schwachsinn schreibe?

Am Samstag besuche ich eine Freundin in Köln, die - mitten in einem belebten und beliebten Viertel - einen kleinen Garten hat. Er liegt unterhalb der Bahnschienen, dem vermutlich einzigen Grund, warum auf diesen Parzellen noch keine Häuser stehen. Einen Parkplatz zu finden ist nicht immer leicht, aber es ist erstaunlich, wie schnell man sich sofort aus der Stadt und dem Alltag heraus fühlt, sobald man hinter hohen Hecken im Grünen sitzt. Während wir uns unterhalten, hüpft ein Rotkehlchen neben uns im Apfelbaum herum. Es ist ein schöner, entspannter Nachmittag.

Im Auto liegen währenddessen fünf Säcke Split à 25 Kg, die ich am Vormittag im Baumarkt geholt habe, damit ich in meinem Garten jederzeit ein kleines Stück Weg weiterbauen kann. Motto: Steter Pflasterstein macht den Weg.          

 

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