Blog 734 - 22.05.2022 - Kleine Affaire, Feinstaub und Treppenstufen

Unser Kater hat eine Freundin! Seit zehn Jahren lebt er bei uns und hat bis jetzt jede Katze sofort verjagt, und plötzlich kommt eine sehr junge Dame, baggert ihn an, und er ist sehr verunsichert, aber nicht abweisend. Vielleicht schmeichelt es ihm, dass ein so blutjunges Fräulein sich für ihn interessiert. Anscheinend ist sie aber auch zu jung, um zu merken, dass er nicht nur ein beginnender Senior, sondern auch kastriert ist.

Auch wenn es vielleicht nur eine kurze Affäre ist, ist es trotzdem schön zu beobachten, wie sie gemeinsam durch den Garten spazieren und er sich - vermutlich zum ersten Mal - auf freundlichen Kontakt mit einer Katze einlässt. Ich hoffe allerdings, dass die Katze ein zuständiges Zuhause hat - da sie nicht durchgehend zu Besuch bei unserem Kater ist, kann das gut sein -, und dass sich dort jemand um ihre Sterilisation kümmert. Ansonsten kann sie in einigen Wochen ihren ersten Wurf haben. Das muss nicht sein - es gibt genug Katzen, die sich mühsam durchschlagen müssen.

Warum die nervigen Montagsspaziergänger im Ort sehr viel weniger werden, weiß ich nicht. Sie werden nicht plötzlich schlau geworden sein, aber es gehört eben Energie dazu, sich dauerhaft in einem Umfeld von Lügen, Unwissenheit und Aggression aufzuhalten und dabei zu erkennen, dass man nicht zur Aufbruchsbewegung gehört, sondern als lästige Randerscheinung bestenfalls mitleidig belächelt wird. Inzwischen scheint es intern Krach gegeben zu haben - wie so oft bei radikalen Bewegungen, in der es immer auch um Macht und Eigennutz geht -, und die örtlichen Querdenker marschieren in ihrer inzwischen kleinen Gruppe nicht mehr unter AfD-Leitung, sondern unter Basis-Querdenker-Führung. Das macht es nicht besser. Ich werde nie verstehen, warum man Wissenschaft, Wissen und klaren Verstand hinter sich lässt, um abstrusen Gedankengängen und eindeutig falschen Aussagen zu folgen. Willkommen Mittelalter!

Immer noch staubt es in der Wohnung, weil Löcher frisch gebohrt werden oder offene Löcher permanent im Durchzug Feinstaub verteilen. Ein Regal musste von der Wand geholt und sein Inhalt vorläufig im Wohnzimmer und im Hof aufgestapelt werden und überall sieht es unordentlich, vorläufig und unfertig aus. Ich bin ja sowieso nicht die fröhlich schaffende Hausfrau, die Freude am Putzen und Entstauben hat, aber im momentanen Baustellenmodus ist auch kaum etwas auszurichten.

 Am Mittwochmorgen stehe ich auf und fühle mich nicht nur erschlagen von Staub und Stapeln, sondern auch müde, erschöpft und körperlich eingerostet. Der Rücken zieht ungewohnt, alle Gelenke scheinen schwergängig und ich habe Spannungskopfschmerzen. Da fällt mir nur eins ein: Raus in den Garten und eine Treppe bauen. Das hört sich nicht ganz logisch an, körperliche Arbeiten im Garten sind bei mir aber ein bewährtes Mittel gegen Hausarbeitsfrust und Genervtsein. Schnell mache ich mir eine Kanne frischen Pfefferminztee, hole meine Spitzhacke und lege los.

 Die erste Stufe der seit zwei Jahren gewünschten Treppe gibt es schon länger und sie ist der Abschluss der kleinen Terrasse. Vier große Betonplatten habe ich mal geschenkt bekommen - eine davon ist als erste Stufe verbaut. Die anderen drei Platten sollen weitere Stufen werden. Mein Langzeitziel im Garten sind kleine Treppen und Wege, auf denen das Hanggrundstück leichter begehbar ist. Besonders die schrägen Rasenflächen, die im Sommer komplett austrocknen, sind sowohl trocken als auch nass oft rutschig. Da hat es mich schon mehrmals hingeworfen. Bisher stecke ich das lachend weg -  OK, einmal habe ich gejammert, weil ich mir dabei das Handgelenk leicht verstaucht habe. Aber nicht nur, dass ich mit Treppen und Wegen das Begehen des schrägen Gartens vereinfache, ich finde viele kleine Wege und Treppen kreuz und quer durchs Grün auch sehr schön.

 Die Erde ist knochentrocken und fest, die Arbeit mühsam und anstrengend, und dass die Sonne hochsommerlich vom Himmel knallt, macht es nicht einfacher. Da ich niemals so genau planen und ausmessen kann, dass ich vorher genau weiß, wie lang die Treppe wird und sie von unten nach oben in einem Stück bauen könnte und sie am Ende am Terrassenrand auch passgenau ankommen würde, arbeite ich lieber stufenweise von oben nach unten. Ein Vorgehen, das etwas umständlich ist und die meisten professionellen Treppenbauer, die ausmessen, unten im richtigen Winkel beginnen und oben perfekt ankommen, in eine sofortige Ohnmacht fallen lassen lässt. Bei mir ist der Einzelstufen-Bau die einzige Chance, unerklärliche Lücken und holperige Anschlüsse in Höhe und Tiefe zu vermeiden.    

Die Arbeit geht erstaunlich gut voran, als die erste Stufe angesetzt ist, muss ich sogar noch im Baumarkt Split und zwei weitere Schalungssteine holen. Am Abend gehe ich staubig unter die Dusche. Finger, Arme und Beine schmerzen, aber das ist nur Muskelkater vom Schleppen, Heben und Hacken. Die Kopfschmerzen sind fast weg, meine Stimmung ist sehr gut, ich freue mich über die begonnene Treppe und der Staub in der Wohnung ist mir völlig egal. Prima!

 

Zwischendrin habe ich auch noch Geburtstag, der aber eher unauffällig bleibt. Es gibt keinerlei Feierei. Ich habe Wasserleitungen in der Bauphase, muss danach noch eine neue Küche bekommen, überall steht Gestapeltes, demnächst kommt noch Gestapeltes aus der Küche dazu, und noch ist kein Ende der Arbeit abzusehen - ganz abgesehen von Corona und der Lage in der Ukraine -, da passt eine Party gefühlsmäßig nicht geschmeidig rein. Vielleicht hole ich sie im nächsten Jahr als Gartenparty nach. Das hätte auch den Vorteil, dass ich dann erst den diesjährigen Geburtstag feiere und dementsprechend so lange nicht älter werde. Wobei ich das mit dem Älterwerden gar nicht so ernst nehme. Die Zahl, die außen draufsteht, passt immer weniger zur inneren Zahl.

 Immerhin bekomme ich eine große Geburtstagsüberraschung von mir selber, denn ich baue die Treppe mit insgesamt vier Stufen fertig. Hurra! Eine Treppe! Ich bin tatsächlich überrascht, dass die plötzlich vorhanden ist. Vier Tage vorher gab es dort eine Schräge mit trockenem Gras und ich hatte gar nicht geplant, jetzt mit der Arbeit zu beginnen. Umso mehr freue ich mich. Außerdem weiß ich jetzt, wo die letzte Stufe unten endet - tiefer als ich erwartet hatte, was sehr gut ist -, und dort kann ich bald mit dem Pflastern eines Weges beginnen. Immer wenn mich Staub und Stapel in der Wohnung nerven, kann ich rausgehen, den Boden ein Stück freihacken, trockene Grasbüschel und Wurzeln stöhnend entfernen, auf Kieselsteine hacken, die mir wie Geschosse um die Ohren fliegen, eimerweise Erde wegtransportieren, Split anschleppen und verteilen und eine Reihe Pflastersteine weiterbauen. Ja, es ist anstrengend, aber es macht mir trotzdem eine Menge Spaß, auch weil das Ergebnis mich am Ende so erfreut.

 

Ganz zauberhaft ist inzwischen die Allium-Pflanze der Sorte "Spider" geworden. Sie sieht eher nach einer außerirdischen Lebensform aus und ich erwarte fast, dass sie mal abhebt und ins All verschwindet. Im Herbst muss ich ihre Zwiebeln aber umsetzen, denn neben dem Schopflavendel, der schon ziemlich groß geworden ist, hat sie zu wenig Platz.

 

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