Blog 733 - 15.05.2022 - Bauarbeiten, Zierlauch und Heidelberg

Wenn ich "die älter gewordenen Eltern unterstütze", denke ich an Essen kochen, Wäsche waschen und gemeinsame Arztbesuche. Das stimmt auch meistens. In dieser Woche bedeutet es aber auch "Bauarbeiten". Mein Vater möchte einen kurzen, gepflasterten Weg mit unkrauthemmender Fugenmasse ausstatten. Weil jedes seiner Knie und sein Rücken jeweils 86 Jahre alt sind (zusammen also 258!, was aber nichts aussagt), kann er das selber nur in kurzen Minutenintervallen machen. Für jemanden, der sein Leben lang alles konnte und alles machte, ist das ärgerlich und frustrierend, was ich gut nachvollziehen kann. Außerdem dauert die Arbeit mit den nötigen Erholungspausen dann mehrere Wochen.    

Also hebel ich die alten Steine raus, entferne Unkräuter und Wurzeln, schachte die Erde einige Zentimeter aus, glätte die Fläche, streue Fugenmasse als Untergrund, lege die Steine darauf, hole die Steine und die Fugenmasse wieder raus, weil mein Vater alles etwas höher haben möchte, erhöhe die Fläche, glätte sie, koche zwischendurch Mittagessen, schöpfe zwanzig Eimer Wasser aus dem Teich und fülle mit frischem Wasser auf, freue mich, dass die Goldfische den Winter und das Umkippen des Teichwassers überlebt haben, streue Fugenmasse auf den vorbereiteten Weg, lege die Steine darauf, streue Fugenmasse in die Fugen, kehre sie ein, fahre zum Baumarkt und hole einen weiteren Sack Fugenmasse, streue auch diesen auf die Fugen, kehre ein, wässere nach Anleitung, räume die herumliegenden Werkzeuge und Eimer auf und bin am Nachmittag fertig. Aber so richtig. Als hätte ich einen Umzugstag hinter mir. Aber der Weg ist wieder fein und bleibt hoffentlich etwas pflegeleichter.

Die früher schrill pfeifenden und skandierenden Montagsprotestler in meinem Ort werden nicht nur rasant weniger, sondern zunehmend zu dem, was sie vorgeblich immer schon waren: Zu Spaziergängern. In dieser Woche vermeiden sie jede Nähe zu den Gegendemonstranten und sind unauffällige, sommerliche Spaziergänger, denen man nicht mal mehr ansehen kann, warum sie als Kleingruppe unterwegs sind. Vielleicht finden einige von ihnen von ihrem radikalen, antidemokratischen Kurs langsam mal in die Realität und vielleicht sogar irgendwann in die Gesellschaft zurück. In meine aber bitte nicht.

Das Wetter ist zwar schön sommerlich, aber seit langer Zeit viel zu trocken. Die Regentonnen sind schon lange leer und ich muss schon wieder mit dem Gartenschlauch gießen. Immerhin wächst alles sehr schön und wie in jedem Jahr bin ich erstaunt, wie grün und dicht alles im Frühsommer wird. Inzwischen müsste ich es ja wissen, aber die Veränderung übertrifft immer meine Erinnerung. Zum Glück sind alle Pflastersteinstapel inzwischen aus dem Hof weg. Leider liegen sie jetzt aufgestapelt auf meiner kleinen Terrasse, die ich deswegen nicht nutzen kann. Andererseits wird der Terrassenboden durch das gewaltige Gewicht jetzt richtig gut verfestigt - mein plumpes Darüberhüpfen während des Pflasterns ist da kein Vergleich.

Die andere kleine Terrasse wächst wunderbar zu. Ein perfekter Ort, um mal einen Tee zu trinken oder einfach nur zwei Minuten zu sitzen und den Vögeln zuzuhören. Für den Tee nehme ich mir oft nicht die Zeit, aber einfach mal sitzen klappt sehr gut.

Im letzten Jahr haben mich bei der Bundesgartenschau in Erfurt die lilafarbenen Kugeln des Zierlauches (Riesenlauch, Kugellauch, Allium) sehr fasziniert. Im Herbst habe ich darum verschiedene Sorten in die Erde gesetzt. Kaum sind jetzt die 70 Tulpen im Vorgarten verblüht, erscheint an anderen Stellen im Garten der Zierlauch. Je nach Sorte mal hoch und kugelrund oder niedrig oder ganz zart und filigran oder mit vielen zierlichen Sternchen an langen, dünnen Stielen. Zauberhaft und total schön!

Am Wochenende machen wir eine Pause vom Gießen, Löcherbohren und Wasserleitungslegen und fahren nach Heidelberg. Eine Schulfreundin feiert Geburtstag, und wir fahren früh genug, um vor der Feier noch einen ausgiebigen Bummel durch Heidelberg zu machen. Es ist Traumwetter, die Altstadt ist wunderschön, aber viel zu voll. Touristen, Touristen, Touristen - und wir sind zwei davon. Nee, das ist mir zu laut und zu voll. Da werde ich lieber mal an einem Wochentag in der Nebensaison einen Besuch von Heidelberg machen, um die Stadt ohne Gedränge zu genießen.

Die Feier am Abend ist schön, es gibt leckeres Essen, nette Leute und auch ein Wiedersehen mit einem weiteren Schulfreund. Die Fahrt hat sich gelohnt.

 

Blogübersicht nächstervorheriger