Blog 723 - 06.03.2022 - Stop Putin!, Tetris und Kraniche

Die Vorgänge in der Ukraine und dass ein wahnsinniger Diktator nicht einfach gestoppt werden kann, wenn er brutal ein Land angreift und immer drastischer und rücksichtslos auch auf Zivilisten schießen lässt, belasten mich sehr. Immer wieder muss ich Nachrichten hören und ich schalte auch nachts manchmal das Handy ein, um kurz zu sehen, wie die Lage ist. Es sind nicht die "Russen", die das machen, es ist der Alleinherrscher Putin, der seinen Willen erzwingen will. Und es gibt nichts, absolut nichts, was Putins Vorgehen gerechtfertigt oder entschuldigt!

Was will man mit diesem Lügner und Angreifer verhandeln? Dass er die Ukraine bekommt und dafür wieder brav ist? Der darf für solche Handlungen doch nicht noch mit irgendwas beruhigt und belohnt werden! Dass es weltweit Sanktionen gegen Putin und seine Verbindungen gibt, ist beeindruckend und in diesem Ausmaß unerwartet. Trotzdem bleibt nur zu warten, bis das Putin-System zusammenbricht und bis dahin zuzusehen, wie Putin die Ukraine und seine verbliebenen Bewohner und Kämpfer kleinbombt. Es ist wirklich fürchterlich.

Am Rosenmontag findet ihn Köln anstelle des nicht nur wegen Corona unpassenden Rosenmontagszuges eine gigantische Friedensdemonstration statt. Das tut gut, vor allem, weil sie mit Ernsthaftigkeit stattfindet und nicht in kölsche Karnevalsstimmung ausartet. Ringsherum gibt es aber auch in dieser Situation noch viele, die Party feiern und sich zusaufen. Nicht zur Ablenkung von der aktuellen Kriegssituation, sondern weil sie Party machen und sich zusaufen wollen.

Für den Montagabend ist im Ort wieder eine Gegendemo für die Montagsspaziergänger angesagt. Ich will eigentlich hingehen, doch kurz vorher entscheide ich anders und bleibe zuhause. Mit tut es leid für die Veranstalter, aber wenn ich jetzt Querdenker und Spaziergänger sehe, die "für Freiheit und gegen Diktatur" rumlaufen, platze ich. In Russland werden alle, die das gerade machen, sofort verhaftet. Das sind Helden, die sich dort gegen die Regierung auf die Straße trauen. Auch in der Ukraine kämpfen sie um Freiheit, ihr Land und ihr Leben, aber diese Mimimi-Weicheier von Montagsspaziergängern jammern rum, weil sie Masken tragen sollen und sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen.

Die Ähnlichkeit von Querdenkern und den dem russischen Staatsfernsehen ausgesetzten Russen ist nicht zu übersehen. Beide Gruppen glauben kritiklos die seltsamsten Sachen und lassen sich schnell von vermeintlichen Feinden überzeugen. So wie viele Russen noch immer davon überzeugt sind, dass Putin niemals die Ukraine angreifen würde, sind auch die meisten Querdenker in den Weiten der Fehlinformationen verloren. Dass gerade Querdenker und Montagsspaziergänger zu einem großen Teil jetzt den Lügen von Putin glauben und ihn verteidigen, passt. Was die westliche "Lügenpresse" meldet, kann ja nicht stimmen. Tja, für klare Gedanken muss man gerade denken und da ist bei manchen Menschen nicht mehr viel zu erwarten.

Der Katze, die in der letzten Woche zwei Tage lang erschöpft ihre verstauchte Pfote und wer weiß was für ein Erlebnis verschlief, geht es wieder gut. Sie läuft, springt und ruht wie immer.

Im Keller spiele ich Stapel-Tetris, um Platz für das Verlegen der Wasserleitungen zu machen. Kartons und Kisten müssen von Wänden gerückt und dann im Musikzimmer zusammen mit Instrumenten und technischem Gerät eng an einer Seite gestapelt werden. 

In der Mitte des kleinen Musikzimmers bleibt ein Freiraum, über dem sich an der Decke die jetzigen Wasserleitungen befinden, sauber verpackt in einer Verschalung. Die muss jetzt aufgemacht werden, was ziemlich schwierig ist, weil wir damals vorbildlich gearbeitet und alles gut verschraubt und verklebt haben. Ich versuche es erst ganz vorsichtig, um die Deckel nachher wieder verwenden zu können, aber mit Feinmotorik ist es ewig lange Fitzelarbeit mit wenig Ergebnis. Es hilft nichts, ich muss mit Hammer, Brecheisen und Gewalt dran.

Es staubt, bröselt und kracht, und nach zwei Stunden Arbeit sind die Verschalungsdeckel entfernt, ohne dass größere Stücke auf Instrumente, Mischpulte oder Mikrofone gekracht sind. Es dauert noch etwas, bis wir dort mit den neuen Leitungen beginnen können, aber es ist beruhigend, dass die Voraussetzungen geschaffen sind und wir jetzt anhand der vorliegenden Wasserleitungsverläufe konkrete Pläne für die neuen machen können. Um die Wasserversorgung erstmal aufrecht zu erhalten, müssen wir parallel ein neues Leitungssystem legen, ohne dabei den eigenen Wasserkreislauf der Heizung zu ändern.

Ich hatte noch nie eine Spülmaschine. Abgesehen davon, dass ich alles Geschirr per Hand spülen muss, erkenne ich hin und wieder auch weitere Nachteile dieses Zustandes. Zum Beispiel schiebe ich immer alle schmutzigen Besteckteile auf einmal ins Spülbecken, lasse sie kurz einweichen und hebe sie dann einzeln hoch, um sie zu säubern. So auch diesmal. Ich fische aus dem schaumigen Wasser einen Löffel heraus, eine Gabel, noch eine Gabel, eine Fernbedienung ... was?? Da lag wohl die kleine Fernbedienung meines Küchenfernsehers versehentlich zwischen dem abgelegten Besteck und ist im Wasser gelandet. Jetzt liegt sie abgetropft und ohne Batterie in Reis. Fernbedienung im Reisbett - was sich nach asiatischer Leckerei anhört, ist keine.

Meinen Kreativnachmittag lasse ich auch in dieser Woche wegfallen. Angesichts meiner Gedanken bei der Ukraine, der Wut auf Putin und der großen Hilflosigkeit, kann ich nicht vor einer Staffelei stehen und konzentriert ölmalen. Ich kann auch nicht Puppen bauen oder am Kinderbuch schreiben. Stattdessen gehe ich in den Garten, was mir immer guttut. Außerdem ist da einiges an Frühlingsarbeiten zu tun. Während ich trockene Stauden zurückschneide, höre ich über mir ein vielfaches Krächzen und Rufen. Die ersten Kraniche kehren zurück! Was für ein schönes Bild! Kraniche gelten als Glücksbringer und waren schon bei den Griechen das Symbol für Wachsamkeit und Klugheit. Vor einem ukraineblauen Himmel kann das nur gut sein.

Corona ist vorbei. Also zumindest wenn man die Lockerungen der Coronamaßnahmen ansieht, das Ende der Homeofficepflicht vor sich hat und die Meinung vieler Leute hört. In der Realität kommen die aktuellen Coronainfektionen immer näher. Jetzt hat auch der Sohn erst eine rote Warnung auf der App, dann einen Tag Fieber und Kopfschmerzen und daraufhin einen positiven PCR-Test und Husten. Damit ist für ihn eine Woche Quarantäne angesagt. Da er geboostert ist, hoffen wir, dass es mit ein paar Krankentagen getan ist. Geboosterte Menschen in seinem Alter landen nur dann mit schweren Verläufen im Krankenhaus, wenn es erhebliche Vorerkrankungen gibt. Uns hat er schon seit zwei Wochen nicht mehr getroffen, so dass er uns nicht angesteckt haben kann, aber mit seinen Arbeitskollegen war er bis zum Vortag noch zusammen. Toll, dass die Homeofficepflicht bald endet und sich mehr Leute noch viel problemloser anstecken können.

Ach, was für ein Kontrast ist mein friedlicher Alltag gegen die aktuelle Kriegssituation in der Ukraine. Es macht mir ein schlechtes Gefühl, dass ich entspannt zugucken kann wie die Tulpen wachsen und die Kraniche fliegen, während der Idiot Putin Städte bombardiert und empathielos nicht nur ukrainische Zivilisten, sondern auch eine ganze Generation junger Russen sterben lässt. Jetzt verhindert er mit angedrohten Haftstrafen auch noch den letzten Rest freier Meinungsäußerung, weil er, wie jeder größenwahnsinnige Diktator, Wahrheit und Widerspruch nicht ertragen kann. Dicke Posen, aber in Wahrheit ein jämmerliches Würstchen, das nur mit Drohungen, Lügen und Gewalt reagieren kann.

 

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