Blog 710 - 05.12.2021 - Wasserfälle, Kerzenmix und Lampenwackeln

Das Island-Urlaub-Fotobuch, das ich neun Jahre nach der Reise endlich mache, braucht mehr Zeit als ich dachte. Es sind nicht nur die Fotos, die ich aussuchen und kombinieren muss, ich markiere auf kleinen Kartenausschnitten auch die besuchten Orte, was voraussetzt, dass ich wissen muss, wo die überhaupt sind und wie sie geschrieben werden.

Weil wir nur eine Woche Zeit und keinen Geländewagen hatten, sind wir in gut befahrbaren Gebieten geblieben und haben Island nicht komplett durchquert und umrundet. Aber auch bei unseren gemäßigten Touren hörten einige Fahrten unerwartet an steinigen Schotterpisten auf, die mit dem Mietwagen nicht zu bewältigen waren. Es gab aber überall grandiose Landschaften zu sehen, so dass wirklich der Weg das Ziel war und ein fehlender Wasserfall am Ende gar nicht sehr auffiel. Wasserfälle gab es sowieso sehr viele zu sehen.

Kleine ...

große ...

und riesige.

Das viele Beschäftigen mit den Bildern macht mir wieder klar, dass ich sehr gerne nochmal nach Island möchte. Außerdem verbringe ich meinen Kreativnachmittag ausnahmsweise mit dem Islandbuch, weil es mir wichtig ist, dass es fertig wird. Ich überlege vorher kurz, ob ich nicht lieber am Kinderbuch arbeiten möchte, merke aber, dass ich mich gar nicht darauf konzentrieren könnte. Fast fertige Projekte möchte ich ungerne an die Seite legen, um etwas anderes zu beginnen. Da habe ich jetzt lieber das Fotoprojekt aus dem Kopf und kann in der nächsten Woche ganz frei etwas anderes beginnen.

Nach vielen gebackenen Broten haben wir erstmals ein Gärkörbchen angeschafft. Weniger um zu gären, sondern um zwischendurch Brote mit schönem Muster zu haben. Das klappt super: Lockeres Emmer-Vollkornbrot mit Kringelkruste.

Von der anderen Seite gesehen gefällt uns das Brot noch besser. Es ist in einem Puppenspielerhaushalt gebacken, das ist unübersehbar.

Auch wenn ich noch gar nicht so weit bin - aber ich bin gefühlt niemals so weit - Weihnachten naht. Und wie in jedem Jahr gibt es mein vor etwa 30 Jahren gezeichnetes Haus immer noch in der weihnachtlichen Zeitungswerbung. Von der Originalstrichzeichnung ist nicht mehr viel übrig - inzwischen haben wohl schon einige Leute dran herumgeschustert -, aber es ist noch ganz eindeutig zu erkennen. Die 50,- DM, die ich damals von einer Werbeagentur dafür bekam, aufgeteilt auf 30 Jahre, sind inzwischen 1,66 DM pro Jahr. Das sind 85 Cent. Eine sinnfreie Rechnung, die nichts aussagt, aber so was mache ich gerne. Und in jedem Jahr überlege ich, ob ich nicht anbieten sollte, nochmal ein neues, schönes Haus zu zeichnen. Andererseits hat das jetzige schon einen Wiedererkennungswert. Ich zum Beispiel erkenne es jedes Jahr wieder und weiß, dass dann bald Weihnachten ist.

Bei meinen Eltern gibt es eine große Schachtel mit langen Kerzen, die alle schon mal gebraucht wurden. Wie das mit Kerzen eben so ist. Es kommt Besuch, auf dem Tisch steht ein Kerzengesteck, das während des Kaffeetrinkens festliches Licht gibt. Die viertel oder halb runtergebrannten Kerzenreste kommen danach in eine Schachtel. Da bleiben sie, denn beim nächsten Besuch kommen natürlich frische Kerzen auf den Tisch. Da mein Vater die Kerzen in diversen Farben und mehr oder weniger abgebrannten Längen loswerden möchte, nehme ich sie mit. Auf die Idee, meinen Deckenkerzenleuchter mit unterschiedlich gefärbten Kerzen in verschiedenen Längen zu bestücken, bin ich noch nie gekommen. Es gefällt mir aber ausgesprochen gut. Eine coole Design-Idee, die von mir ganz zufällig und völlig ohne Absicht entwickelt wurde. 

Corona rollt wieder mächtig übers Land und hat die neue, sehr ansteckende Omikron-Variante dabei. Deutliche Kontaktbeschränkungen wären vermutlich eine ganz gute Lösung, aber immer noch gibt es viele Leute, die auf Weihnachtsmärkte, in Clubs und in Fußballstadien gehen müssen, weil sie finden, dass sie ein Recht darauf haben und jetzt ja mal wieder gut sein muss. Ja, danke. Das sorgt dafür, dass alles noch viel länger dauert.

Unerwartet lange dauert auch der Austausch einer Glühlampe im Frontscheinwerfer unseres Autos. Zuerst vermute ich, dass irgendetwas abgeschraubt werden muss, damit die Rückseite des Scheinwerfers überhaupt zu erreichen ist. Aber nein, an Leitungen und Kabeln vorbei muss die Hand durch einen sehr schmalen Spalt gewunden werden, zwei Fingerspitzen berühren so gerade den Stecker und beim Versuch, den zu lockern, wird das Handgelenk in ein spitzes Einbauteil gedrückt. Das Auto wackelt beim Ruckeln, der Stecker bleibt fest. Oh, menno! Ich schimpfe: "Sitzheizung haben, aber keine Möglichkeit, eine Lampe komfortabel zu wechseln!" Wobei das ja nicht an unserem Auto liegt, sondern bei sehr vielen Automodellen so ist. Außen modern und glatt, innen Service-Mittelalter. Ich weiß, warum ich nicht in einer Autowerkstatt arbeite und da täglich an festsitzenden Teilen hinter völlig zugebauten Ecken wackeln muss!

Endlich löst sich der Stecker und die Lampe kann ausgewechselt werden. Das Auto hat wieder Licht, zwei meiner Fingerspitzen fühlen sich an, als hätte ein Hammer draufgeschlagen und mein Handgelenk hat eine rot angelaufene Einkerbung, die langsam anschwillt und weh tut. Wenn ich alle vier Wochen alle Lampen am Auto wechseln würde, wären die Stecker bestimmt nach einiger Zeit lockerer und ich müsste gar nicht mehr so viel fluchen oder meinen Kopf erschöpft auf dem Motorblock ablegen, denke ich. Damit denke ich in der Theorie bestimmt richtig, aber ... ach, nö.

 

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