Blog 708 - 21.11.2021 - Flinkes Lama und spannender Strickpullover

Die Coronazahlen steigen, die Ansteckungen breiten sich in rasendem Tempo immer weiter aus und die Einschläge kommen näher. Der Gatte macht seit langer Zeit Homeoffice und hat nur einen einzigen Vormittag in der Woche, an dem er für wenige Stunden auf der Arbeitsstelle präsent ist. Diesmal bekommt er zwei Tage später die Meldung, dass ein Arbeitskollege, den er dort getroffen hat, positiv getestet wurde und Coronasymptome hat. Und zack! ist die Möglichkeit, dass wir uns ebenfalls mit Corona infizieren, ganz nah gerückt. So schnell kann's gehen.

Und das wird erst der Anfang sein. Die rasant weiterspringenden Ansteckungen könnten auch mit sofortigen Maßnahmen nicht plötzlich gestoppt werden, und die Zahl von momentan täglich mehr als 60.000 Neuinfizierten wird in der nächsten Zeit noch deutlich ansteigen. In den kommenden Wochen und Monaten werden viele Leute in ihrem direkten Umfeld Corona-Infizierte, Corona-Erkrankte und vermutlich auch Corona-Verstorbene haben. Wer Corona bis jetzt nicht ernst genommen hat, wird vermutlich lernen müssen, dass die eigene Freiheit nichts bringt, wenn das öffentliche Leben und das Gesundheitssystem zusammenbrechen.

Die Impfung ist vielleicht nicht die perfekte Lösung, aber anscheinend die einzige Möglichkeit, die Pandemie einzuholen. Die bessere wäre womöglich auf Abstand zu gehen und im nächsten Monat alle Kontakte weitgehend einzuschränken, aber auf Vernunft und Vorsicht kann man bei einem Teil der Bevölkerung schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr zählen. Die einen sind wieder im Mittelalter angekommen, ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse und hören auf selbsternannte Zeichendeuter, die anderen feiern dichtgedrängt Karneval bei einer Inzidenz von 200. Ohne konsequente Maßnahmen werden wir in drei Jahren immer noch so rumeiern wie jetzt.

Im Garten gibt es Vogelfutter und mehrmals täglich fällt eine Spatzengang über die Meisenknödel her. Falls zufällig gerade eine Meise da ist, wird sie verjagt. Die Spatzen hängen sich geschickt an die drehenden Knödelhalter und wechseln flatternd ab. Nicht immer freiwillig, aber mehr als vier Spatzen an einem Halter gehen nicht. Würden sie sich nicht so wild bewegen, wären sie zwischen den blätterlosen Stämmen kaum zu sehen.

Das gleiche Foto, aber mit markierten Spatzen, zeigt, wie viel da los ist. Dass sich noch weitere Gang-Mitglieder gerade in den Büschen und auf dem Boden befinden, ist nicht auszuschließen. Ich habe da keinen Überblick.

Meinen Mittwochnachmittag verbringe ich planmäßig im Arbeitszimmer. Das Lama bekommt die Ohren festgenäht, erhält Augenlider, einen Körper und ein warmes Fell. Anschließend koloriere ich das Gesicht und wähle die Stirnhaare aus. Es wird doch nicht bunt - das dunkle Plüschstück sieht als einziges sofort passend aus, während andere Farben ablenken und sogar eher stören.

Alles klappt gut, aber einen Fehler stelle ich doch fest: Ich wollte ein bedächtiges, ruhiges Lama bauen, es ist aber ein flinkes und eher aufgedrehtes geworden. Sobald es auf der Hand ist, ist es so beweglich und schnell, dass es unglaubwürdig ist, es langsam zu spielen. Ich wundere mich etwas, denn meistens kann ich den gewünschten Charakter ganz gut beim Bauen formen. Was ist diesmal anders? Na klar: Ich bin so gut gelaunt über meine Bauzeit, die ich endlich wieder habe, dass meine Freude und Energie in den Schaumstoff gehen und im Lama wieder rauskommen. Aber da ich das Lama für keinen geplanten Zweck brauche, sondern einfach zum Spaß baue, passt es schon.

Pling, pling, pling geht die Woche vorbei. Der Rasenroboter meines Vaters fährt zwischendurch immer noch zur falschen Zeit los und versemmelt sogar einmal das Einparken. Er fährt sich neben seiner Garage in den Stauden fest und die App kommentiert trocken: "Fehler". Nun gut, er ist ganz neu in seinem Aufgabenbereich und muss Erfahrungen sammeln. Wenn ich nur wüsste, warum er manchmal pünktlich ist und manchmal nicht. Hält ihn morgens auch mal der Bodenfrostfühler zurück, so dass er dann später startet? Immerhin fährt er, und da er bald sowieso über die Winterwochen frei hat, werde ich erst im Frühling wieder mit der App Zeiten einstellen und mich genau damit befassen.

Für Igel sind Mähroboter sehr gefährlich, aber der kleine Garten meiner Eltern ist von einer Mauer umgeben. Ein Igel, der es schaffen würde, darüber zu klettern, käme auch mit einem Mähroboter klar. Aber auch für meine Eltern kann der Mähroboter eine Gefahr sein, vor allem, wenn er zu falschen Zeiten fährt. Leise surrend kann er überraschend den Weg kreuzen und sie zum Stolpern bringen oder von hinten in die Hacken fahren. Ich hoffe, dass er sich im Frühling zuverlässig auf den frühen Morgen einstellen lässt, so dass seine Arbeit zur Frühstückszeit schon getan ist.

Der Sohn backt weiterhin Sauerteigbrot und ist dabei sehr abwechslungsreich. In dieser Woche gibt es ein Emmervollkornbrot mit vielen vorher gekochten Dinkelkörnern im Teig. Lecker und schön rustikal. Ich schlage ihm vor, Bäcker zu werden und jeden Tag Brote zu backen, aber er möchte doch lieber eine Stelle als Politikwissenschaftler haben.

Meinen Fair-Isle-Pullover stricke ich in immer kleiner werdenden Runden bis nach oben. Während des Strickens bin ich mir ziemlich sicher, dass meine logische Idee, wie ich das in der Steektechnik machen kann, genau richtig ist. Als ich die letzte Masche abkette und mir das Ergebnis ansehe, bin ich mir sehr sicher, dass das meine Idee nicht funktioniert. Ach herrje! Jetzt muss ich in der Mitte einschneiden und das soll einen passenden Halsausschnitt geben? Ich sehe mir die verzogenen Teile an und kann es mir gar nicht vorstellen. 

Aber vor dem Aufschneiden muss ich die seitlichen Maschen neben dem Schnitt vernähen, damit sie sich später nicht aufribbeln können. Das werde ich machen und dann vermutlich sehr nervös und äußerst gespannt mitten durch mein Strickteil schneiden. Wow! Spannung, Abenteuer, erhöhter Blutdruck und Atem anhalten ganz einfach zuhause beim Pulloverstricken. Ob ich mit den Ärmeln überhaupt anfange, hängt davon ab, wie das Mittelteil nach dem Schneiden aussieht.

An einem Abend mache ich noch eine Runde durch den dunklen Garten und freue mich über den hellen Mond. Die Luft ist kalt, ein eisig-winterlicher Unterton ist schon zu spüren, es ist still und mir fehlen nur Fledermäuse, die jetzt vorbeihuschen müssten, um die Atmosphäre perfekt zu machen. Es kommen aber keine. Nicht mal ein dumpfes "Uhuuuu" ist zu hören. Schade. 

 

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