Blog 707 - 14.11.2021 - Impfungen, Bäumefällen und Heißkleben

Auf Diskussionen über das Thema Impfen verzichte ich schon seit längerer Zeit. Aber seufzen und die Augen verdrehen über die ansteigenden Coronazahlen - das mache ich schon. Als wäre es nicht klar gewesen, dass es so kommen wird! Schon wieder muss das Krankenhauspersonal aufwändig Coronapatienten behandeln - inzwischen hauptsächlich Ungeimpfte -, schon wieder müssen "nicht dringende" Operationen, zu denen auch Herz- und Krebsdiagnosen gehören, wegen der personellen Überlastung und zum Teil fehlender Intensivpflegeplätze verschoben werden, und schon wieder kann es passieren, dass Unfall-, Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten sehr weit herumgefahren werden müssen, bis sie in einem Krankenhaus einen freien Intensivplatz mit verfügbarem Pflegepersonal finden. Bis die Behandlung oder Operation stattfinden kann, ist es dann manchmal schon zu spät. 

Mit mir muss keiner eine Diskussion übers Impfen beginnen. Ich halte Impfungen für eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit seit dem Mittelalter. Und ich bin überzeugt, dass viele der an Corona Verstorbenen im Nachhinein lieber die deutlich geringeren Risiken einer Impfung eingegangen wären, als so schnell wegzusterben. Wer denkt, dass ein gutes Immunsystem vor einer Coronaerkrankung schützt, kann Glück haben. Oder auch nicht. Wer es auf eine Infektion ankommen lässt, um selber Antikörper zu entwickeln, kann Glück haben. Oder auch nicht. Wer wegen der "Impfnachwirkungen" abwarten will, kann Glück haben - oder ein Kandidat für die "Beatmungsnachwirkungen" werden, falls er zu den 50% Überlebenden der Beatmung gehört. Wer die Nach- und Nebenwirkungen einer Covid-Impfung lieber bei anderen beobachten und ungeimpft abwarten möchte, muss darauf vertrauen, dass er das - bei vielleicht mehreren eigenen Coronainfektionen in den nächsten Jahren - auch erlebt. Es bleibt ein Risiko- und Lottospiel, bei dem in den letzten Monaten schon viele Leute unerwartet einen Sechser gemacht haben.

Ja, natürlich können sich auch Geimpfte mit Corona infizieren. Das Prinzip einer Impfung bedeutet nicht, dass man eine Krankheit nicht mehr bekommen kann, sondern dass der Körper durch die Impfung vorbereitet ist und sie im Idealfall völlig unbemerkt bekämpfen und unschädlich machen kann. Coronaausbrüche bei Geimpften enden inzwischen nur noch selten auf Intensivstationen oder in der Beatmung. Stattdessen liegen da jetzt auch dreißig- und vierzigjährige Ungeimpfte, die kurz zuvor noch ein "normales" Leben hatten und sicher waren, dass es sie nicht trifft. Ausnahmen sind die über Achtzigjährigen, die trotz doppelter Impfungen immer noch auf die Intensivstationen kommen. Zum einen scheinen die zu Beginn des Jahres gegebenen Impfungen jetzt nachzulassen, zum anderen sind über Achtzigjährige sowieso nicht mehr so kräftig, wenn sie krank werden.

Bei mir merke ich seit einigen Wochen eine steigende Schulterzuckreaktion. Die Empathie geht verloren. Wer sich nicht impfen lassen möchte - so what? Freie Entscheidung, eigenes Risiko, gute Gründe, Dummheit, Trotz, wissenschaftliche Erkenntnisse - was weiß ich. Wer heute noch schwer an Corona erkrankt und ungeimpft ist, hat das Risiko bewusst in Kauf genommen und ... tja ... ich werde mitleidslos, und das ist schon schade. Gerade steigen die Coronazahlen wieder gewaltig an. Das liegt nicht nur an den Ungeimpften, sondern auch an den Geimpften, die glauben, dass Corona vorbei ist und sie ein Recht auf Partys und enges Zusammensein haben. Es wird erstmal weitere Ansteckungen, Long-Covid-Langzeitfolgen und Todesfälle geben. Und schon wieder Einschränkungen für alle. Jetzt, wo es gerade wieder losging mit dem öffentlichen, kulturellen und sozialen Leben. Da kann ich ja mal seufzen und die Augen verdrehen.

Am 11.11. stehe ich folgerichtig nicht mitten in den feiernden Massen in der Kölner Innenstadt, sondern säge im einsamen Garten die Stämme des letzten hochgewachsenen Haselnussstrauches ab. Der war genau richtig und gefiel mir gut, aber Haselsträucher wachsen so schnell - einmal nicht geguckt, und sie sind sieben Meter hoch - dass ich lieber jetzt eingreife, als ihn später beim Fällen in irgendwelche Dächer krachen lassen zu müssen. Vier Meter haben die Äste jetzt schon erreicht. Der Sohn hilft mit und lenkt die fallenden Stämme in die richtige Richtung, so dass sie sauber zwischen Dächern, Wäscheleinen und Wasserfässern landen. Wie im Lehrvideo. Alles, was in den Häcksler passt, quetsche ich rein und bin wie immer fasziniert, wie aus hohen Bäumen drei Kisten kleine Schnipsel werden. Aus den übrig gebliebenen Stammstümpfen wird im nächsten Frühjahr ein neuer, dichter Haselnussstrauch wachsen, den ich dann aber in drei Metern Höhe halten will.

Bei meinen Eltern ist nach dem Ablassen des Wassers der Riss im Teich gefunden. Ich hole passenden PVC-Kleber, der aber mindestens 15 Grad Außentemperatur braucht und nach der Verarbeitung 24 Stunden bei Zimmertemperatur abbinden muss. Na, prima! Es ist November, und der wärmste Tag der Woche erreicht 12 Grad. Nachts ist es 2 bis 4 Grad. Aber warum nicht wenigstens versuchen? Würde ich nachts die Fenster und Türen auflassen, wäre es ziemlich kalt, aber das wäre dann ja die "Zimmertemperatur". Das kann ich weit auslegen.

Sehr sorgfältig klebe ich den Riss mit Teichfolie und Kleber zu und simuliere mit einem Heißluftföhn "Hochsommer". Der Kleber schwankt beim Abbinden zwischen 10 und 50 Grad, je nachdem ob ich gerade föhne oder nicht, wird aber im Verlauf von zwei Stunden tatsächlich fest. Ob er auch dicht wird, ist nicht zu sehen. Ich schlage meinem Vater vor, dass er den Teich angesichts der zu kühlen Klebetemperaturen mindestens noch drei Tage lang wasserfrei lassen soll, um den Kleber wirklich fest zu haben. "Wenn er dicht ist, ist er dicht", meint der und dreht das Wasser an. Immerhin lässt er sich darauf ein, die Teichwanne nur bis zur Unterkante des geklebten Risses zu füllen, so dass die Fische schon wieder einziehen können, das Wasser aber erst später bis oben aufgefüllt wird. Blöderweise spritzt der Zulauf, so dass keine zwei Minuten später die geklebte Stelle schon von einer Wasserschicht bedeckt ist. Jetzt ist nichts mehr zu machen. Ich sammel die Fische aus dem Übergangsbottich - wo ihnen langsam der Sauerstoff fehlt - in einen Eimer und setzte sie im flach gefüllten Teich aus. Auch wenn der noch nicht komplett voll ist - sie sind munter.

An "meinem" Mittwochnachmittag sitze ich sehr zufrieden - radiohörend und teetrinkend - in meinem Arbeitszimmer und arbeite an meiner Klappmaulpuppe weiter. Ich klebe die Augen ein, baue Ohren und nähe Stoff über den Kopf. Die Nase ist noch nicht fertig vernäht und die Augenlider fehlen, aber es wird. Als Kopfmähne habe ich verschiedene Plüschfarben zur Auswahl. Jede macht einen anderen Charakter. Blau ist total cool, aber vermutlich doch zu viel, weil es gleich punkig wirkt. Grau könnte zu wenig sein. Mal sehen. In der nächsten Woche werde ich es entscheiden.

Zwei Tage später bin ich wieder bei meinen Eltern und fülle den Teich bis zum Rand. Außerdem stelle ich mit Unterstützung des Sohnes und der Rasenmäherroboter-App den Rasenmäherroboter ein. Das ist bei der unübersichtlichen Anleitung gar nicht mal so einfach. Dass auch der App-erfahrene Sohn den Kopf schüttelt und die Bedienung per App "schwierig" findet, beruhigt mich. Als der kleine Roboter endlich aus seiner Parkgarage kommt und leise surrend quer über die Wiese fährt, sind wir sehr zufrieden. Blöderweise müssen viele Einstellungen per Handy vorgenommen werden, die App lässt sich aber nicht auf das Handy meines Vaters laden. Jetzt werde ich bei jedem Rasenmäherroboter-Problem hinfahren und mich mit meinem Handy neben den Rasenmäher stellen müssen.   

Am nächsten Tag bin ich schon wieder bei meinen Eltern. Das Wasser im Teich steht noch bis zum Rand! Hurra! Vorerst scheint der Kleber abzudichten. Wenn er es bis zum Frühling aushält, klebe ich dann gerne nochmal bei warmen Temperaturen. Die Fische wirken gut gelaunt - sofern ich das Fischen ansehen kann. Auch der Rasenmäherroboter fährt plötzlich los und rollt brav seine Wege über die Wiese. Nicht exakt zu der von uns eingestellten Zeit, aber er fährt. Den Fehler bei der Feineinstellung werde ich noch finden.

Mein Muster-Pullover ist jetzt in einem Rundstrickvorgang bis zum Halsausschnitt gestrickt. Die Ärmelkanten werden später reingeschnitten. Ich habe ein bisschen Angst davor, aber ich werde es ausprobieren. Auch der Ausschnitt soll in weiteren Runden mit der Steektechnik gemacht werden können. Ich weiß nur nicht wie. Irgendwie immer rund stricken, dabei Maschen abnehmen, enger werden und am Ende in der Mitte aufschneiden und der Halsausschnitt ist da. Weil ich keine gute Anleitung finde, überlege ich mir selber, wie das zu machen sein könnte. In Logik war ich nicht immer gut, aber ich bin mutig. Im schlimmsten Fall wird der Pullover mein Übungsstück, das nie zu tragen ist, weil ich ihn völlig zerschnitten habe und der Halsausschnitt eine Witznummer ist. Egal. Ich stricke jetzt nach eigenen Vorstellungen einen gesteekten Halsausschnitt und werde erst beim Aufschneiden sehen, ob ich richtig gedacht habe.

 

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