Blog 703 - 17.10.2020 - Pläne für Küche, Muster und den Nachmittag

Auf meiner To-do-Liste ist immer noch viel zu sehen. Es ist sehr seltsam - wenn ich drei Sachen als erledigt durchstreichen kann, kommen fast sofort zwei neue dazu. Aber inzwischen ist es vorwiegend Kleinkram, so dass ich immerhin zwischendurch auch schon wieder dazu komme, im Garten zu häckseln und einen Berg von Grünabfall aufeinanderzuschichten. Meine kleine "mediterrane" Terrasse, die ich mir vor drei Monaten gebaut habe, wächst schön zu und sieht gar nicht mehr so neu aus. Das liegt natürlich auch an den wiederverwendeten Pflastersteinen, die vorher schon ein langes Leben in einem anderen Garten hatten.

Beim Hacken finde ich oberhalb der Terrasse überraschend eine einbetonierte Reihe alter Kacheln. Die haben in den früheren Zeiten, als der Garten Kartoffel- und Gemüseacker war, wohl etwas begrenzt und sitzen bombenfest in ihrem Fundament. Genau dort möchte ich einen schmalen Durchgangsweg pflastern und muss vorher wohl mit Abbruchhammer an den Beton. Und zack! steht ein neuer Punkt auf der To-do-Liste: "Alte Kacheln entfernen".

Weil in diesem Jahr so viel Unvorhergesehenes zu tun war und immer mehr dazu kam, haben wir unsere geplanten "Sommer-Projekte" - ein neues Dach für das Grillhaus, Wege pflastern, neue Holzüberdachung im Hof - nicht mal beginnen können. Einzig die Metallplatten für das Grillhaus sind gekauft und liegen gestapelt im Garten. Nein, in diesem Jahr wird das nichts mehr. Na ja. Ich zucke mit den Schultern und schiebe es ins nächste Jahr.

Blöderweise müssen wir im nächsten Jahr auch dringend einige Wasserleitungen im Haus verlegen und die Küche komplett neu machen. Die neue Küche ist nötig - schon seit mindestens fünf Jahren. Am nervigsten finde ich die vorherige Planung. Was möchte ich in der Anordnung anders haben, was muss dafür rausfliegen? Links weniger Schränke, dafür rechts mehr? Will ich eine Spülmaschine haben und dafür einen Unterschrank opfern? Bleibt der alte, schöne Küchenschrank drin? Was mache ich mit meinen vielen gesammelten Teekannen? Alles Gedanken, die ich mir nicht machen will. Aber ich muss demnächst wohl einige Küchenprospekte durchblättern und Möbelhäuser besuchen, um mich entscheiden zu können. Uäh - ich habe gar keine Lust!

Kaum habe ich an einem Abend die dicken Socken fertig gestrickt und die letzte Masche abgekettet, beginne ich sofort mit dem Muster-Pullover. Ich freue mich so! So einen Pullover wollte ich schon lange mal stricken. Die Größe soll irgendetwas zwischen "schön gemütlich" und "kein Sack" werden. Außerdem will ich Vorder- und Rückenteil in einem Stück mit der Rundstricknadel stricken und nachher erst an den Nähten auftrennen. Das nennt sich Steek-Technik und soll angeblich funktionieren. Ich habe das noch nie gemacht und weiß nicht mal genau, wie es geht. Aber ich stricke erstmal und kümmere mich später darum. Wird schon.

370 Maschen haben Vorder- und Rückenteil zusammen, was bedeutet, dass jede Runde ganz schön lang dauert. Und dann auch noch mit zwei Fäden. Aber egal. Es darf ein langes Herbst/Winterprojekt werden, das ich an Abenden beim Filmgucken entspannt stricke. Der Anfang des Pullovers gefällt mir schon richtig gut. Nach jedem Muster entscheide ich spontan, was für ein neues Muster in welchen Farben ich danach mache, so dass es auch für mich überraschend bleibt.

Seit einigen Monaten ist tagsüber immer etwas zu tun und abends falle ich müde mit dem Strickzeug in den Sessel. Ich finde kaum noch freie Zeit für mich, in der ich konzentriert kreativ sein kann. Das muss sich dringend ändern. Ich beschließe, dass ich zumindest einen Nachmittag in der Woche komplett für mich reserviere. Das ist wenig, aber immerhin ein Anfang. Ab dem Mittagessen muss ich mich dann um nichts mehr kümmern und habe kein schlechtes Gewissen, auch wenn die To-do-Liste lang ist und ich etwas davon erledigen könnte. Stattdessen kann ich bis zum Abend - oder, falls ich will, bis in die Nacht - an eigenen Sachen arbeiten. Natürlich könnte ich sofort mehr Zeit finden, wenn ein dringendes Projekt anstünde, aber ich habe gerade kein Projekt mit Endtermin, stattdessen viel Kleinkram, einen Gatten im Homeoffice, einen Sohn, der momentan Zuhause wohnt, Familienzeiten - die ja auch sehr schön sind -, mittägliches Kochen und Eltern, die Unterstützung brauchen. Da fällt es mir schwer, mich zwischendurch komplett rauszuziehen. Ein fester Termin, der dafür reserviert ist, hilft mir sehr.

Schon in der letzten Woche hatte ich mir einen Nachmittag rausgesucht und wollte mit meiner Kreativzeit beginnen, aber da war so viel zu tun, dass ich es auf diese Woche verschoben habe. In dieser ist mein Vater durch Rückenschmerzen eingeschränkt, so dass ich an drei Vormittagen bei meinen Eltern bin, um Arztbesuche und Mittagessen zu machen. Nein, da habe ich den Kopf nicht frei, um mich neben dem liegengebliebenen Kram noch einen halben Tag in mein Arbeitszimmer zurückzuziehen. Aber in der nächsten Woche!

Kaum denke ich das, bekommt mein Vater neue Arzttermine, zu denen ich ihn in der nächsten Woche fahren muss. Dann kommt noch ein Termin für meine Mutter dazu, und schon werden es wieder drei Vormittage sein, an denen ich weg sein werde. Ich spüre kurz Verzweiflung in mir hochsteigen. Dann hole ich tief Luft und entscheide, dass mein freier Nachmittag ab dem November beginnt. Sicher. Geblockt im Kalender. Ab dem Mittag gibt es an Mittwochen keine Termine, keine Kontakte, kein Telefon. Das klappt, das klappt, das klappt! Das muss klappen! Ach was, das wird klappen.

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