Blog 702 - 10.10.2021 - Geheimfach, Kürbismord und Herbstsonne

Noch habe ich gar keine Zeit, um mit meinem Fair-Isle-Pullover-Projekt zu beginnen. Außerdem möchte ich erst die dicken Socken fertig stricken, die ansonsten im Frühling immer noch halb fertig irgendwo herumliegen werden und an der Nadel hängen. Aber ich freue mich schon auf das Musterstricken, auch wenn gleichzeitiges Fernsehgucken dann schwieriger wird. Fünf blau, drei grün, zwei blau, drei grün ... ähm, was hat die Hauptverdächtige gerade ausgesagt? Spannend wird vor allem, ob mein "einfach anfangen, ohne Anleitung und ohne vorherige Musterzusammenstellung" ein tragbares Ergebnis gibt.

Plötzlich fällt mir ein, dass ich die Wolle als gewickelte Stränge gekauft habe. Mit denen kann ich nicht stricken, zuerst muss jeder Strang sauber zum Knäuel gewickelt werden. Dazu nimmt man gerne einen Menschen, der die Arme nach vorne strecken muss und den Wollstrang darüber gestreift bekommt, damit der Faden von dort gut abgewickelt werden kann. Das will ich dem Gatten nicht zumuten. Zwei Stuhllehnen können das auch, bleiben still stehen und meckern im Zweifelsfall nicht, wie lange das noch dauern soll. Als ich an zwei Abenden schöne Knäuel gewickelt habe, ist alles bereit, damit ich bald anfangen kann.

Beim Brotbacken gibt es ein Dinkelbrot mit einer Sesam-Leinsamen-Kruste. Das Brot geht im Ofen immer höher auf und wird ein großer Batzen. Wow! Beim Aufschneiden sehen wir den Grund: Eine große Luftblase zwischen Teig und Kruste. Wir nennen es das 007-Brot, denn in dem Hohlraum ließe sich viel verstecken. Es lässt ich schwer schneiden, ist im Teig aber sehr leicht und lecker und hat eine schön würzige Kruste. Teig und Kruste kann man nur getrennt voneinander essen, weil sie unrettbar auseinanderfallen. Wir loben aber den Hohlraum, weil er völlig kalorienfrei ist. Für uns ist das Scheinriesenbrot ein Grund zu lachen, in einer Bäckerei wäre das wohl eine Katastrophe. 

Am Ende der Woche gibt es das nächste Brot: Emmer-Vollkorn mit Leinsamen im Teig und Emmerflocken auf der Kruste. Es sieht wieder perfekt aus und schmeckt auch so.

Die Kürbiszeit beginnt. Im letzten Jahr habe ich den Spaghettikürbis kennengelernt und freue mich sehr, als ich ihn jetzt wieder zwischen Hokaido und Butternut im Gemüsefach liegen sehe. Hurra! Ein Spaghettikürbis schmeckt deutlich anders als andere Kürbisse - knackiger und frischer. Die Form ist immer oval, die äußere Farbe kann gelb, grün oder gelb-grün gestreift sein. Er kann schnell mit einer Melone verwechselt werden.

Die Zubereitung ist einfach - sobald die ziemlich harte Kürbisschale durchgeschnitten ist. Nachdem ich zweimal in meinem Leben fluchend an einen total harten, orangefarbenen Halloweenkürbis geschnitzt und um meine Finger gebangt habe, habe ich beschlossen, dass ich das nie wieder machen werde. Na ja - nie wieder. Der Spaghettikürbis ist ähnlich hart, aber er ist kleiner und so lecker, dass es sich dafür lohnt - auch wenn das Messer manchmal so fest drinsteckt, dass sich nichts mehr rührt. Der zuschauende Sohn macht lieber einen Schritt nach hinten, weil er um sein Leben fürchtet, wenn die Mutter am feststeckenden Messer hebelt und zieht und es dabei lösen und mit Schwung nach hinten in seinen Körper rammen könnte.

Als die Hälften endlich getrennt sind - vielleicht brauche ich ein anderes Messer? Oder eine Kreissäge?? - wird es einfach. Ich kratze die Kerne und inneren Fäden mit einem Löffel heraus, lege beide Kürbishälften mit der Schnittfläche nach unten auf ein Backblech mit Backpapier und schiebe sie in den Ofen. Ich gebe immer noch eine halbe Tasse Wasser auf das Blech, weiß aber nicht, ob das überhaupt notwendig ist.

Bei 180 Grad bleibt der ungewürzte Kürbis etwa 45 Minuten drin. Nach 40 Minuten gucke ich mal, ob er schon durch ist, oft braucht er auch 50 Minuten. Er ist fertig, sobald sich das Fruchtfleisch durch relativ leichtes Abkratzen mit Gabel oder Löffel lösen lässt. Wenn es sich noch nicht abstreifen lässt, muss der Kürbis noch für einige Minuten in den Ofen zurück. Das fertig gegarte Fruchtfleisch ist nicht cremig-weich wie bei anderen Kürbissen, sondern bleibt fester und leicht faserig - daher der Name "Spaghetti", auch wenn die Fasern kurz sind. Die Konsistenz erinnert im Aussehen an roh geriebene Kartoffeln. 

Das gegarte Fruchtfleisch kann bis zur Schale abgekratzt werden. Dann nur etwas Butter, kleingehackten Knoblauch und Salz unterrühren und heiß in der Kürbisschale servieren. Oder noch etwas Käse oder Feta oder Parmesan darauf und 5 weitere Minuten in der Kürbisschale überbacken. Mjammi - frisch, saftig und so lecker! Ich mag ihn schon auf diese einfache Art total gerne, aber es gibt auch Rezepte mit Spinat-Feta-Füllung, mit Hack, Tomaten und Pinienkernen ... die frische, knackige Konsistenz des Spaghettikürbis bleibt immer erhalten. 

Auch wenn morgens und abends schon ein kalter Herbsthauch zu spüren ist, wird es tagsüber oft noch warm. Goldener Oktober. Auch die Kraniche merken den Temperaturwechsel und starten im Formationsflug krächzend Richtung Süden. Sie haben gutes Flugwetter.

Ich hole mir meine Kettensäge und säge endlich den gefällten Stamm des Kirschbaums in Stücke, damit ich ihn überhaupt mal von der Stelle rücken und aus dem Blickfeld räumen kann. Dabei nehme ich mir vor, ein längeres Stück Stamm aus der Mitte übrig zu lassen, das ich dann aufstellen und als Hauklotz für mein Steinbildhauen nutzen kann. Zu meiner Überraschung klappt das. Die Schnittenden sind nicht perfekt waagerecht, aber das Holzstück ist stabil und die minimalen Schrägen kann ich mit kleinen Keilen ausgleichen. Damit ist der erste Schritt zum Bildhauen im Garten gemacht - ein Hauklotz, auf dem der Stein in Arbeitshöhe steht.

Die Katze ist immer gerne dabei, wenn ich im Garten werkel. Während die Kraniche über ihr Formation fliegen und ich neben ihr den schweren Baumstamm den Weg zum Grillplatz hochwuchte, genießt sie die warme Herbstsonne. Sie weiß, worauf es ankommt und was wirklich wichtig ist.

Blogübersicht nächstervorheriger