Puppen spielen

Meine frühesten Puppenerfahrungen waren im schwarzweißen Fernseh-Kinderprogramm der 60er Jahre der "Hase Cäsar", "Kasper und René" und "Kater Mikesch". Mir war damals schon klar, dass Puppenspielen zu meinem Leben gehört. Ich spielte mit Kasperlepuppen, bastelte Puppen und Marionetten und wusste nicht WIE, aber ich fühlte, dass ich Puppenspielern oder Puppenbauerin werden würde. In der Schulzeit irritierte ich einen Berufsberater mit der Frage nach dem Berufsfeld des Puppenspielers. Er musste in einem Aktenordner nachblättern und erklärte dann merklich überfordert: "Tja. Da musst du mal bei der Augsburger Puppenkiste fragen, ob du dort eine Ausbildung machen kannst. Oder du fährst mit einem Kasperletheater übers Land ..." So ganz prickelnd fand ich das nicht, darum wurde es erstmal nichts mit dem Puppenspielen. Die Liebe aber blieb. Und die zeigte sich immer wieder, ob ich nun für meine Kinder Kasperlestücke im selbst gestalteten Handpuppentheater spielte oder später die Wise Guys als Marionetten baute.

Um 2007 herum unterhielt ich mich mit Rainald Grebe, der an der Ernst-Busch-Hochschule Puppenspiel studiert hatte. Dipl. pup. - Diplom-Puppenspieler. Wie großartig! "Wenn es den Studiengang damals schon gegeben hätte, hätte ich das auch studiert", dachte ich seufzend. Auf einmal war bei mir der Gedanke ans Puppenspielen wieder da. 2010 filmte ich für Dirk Bachs "Cover me" den Puppenspieler Martin Reinl mit seinem alten Zirkuspferd und dachte die ganze Zeit über, dass ich das doch auch immer machen wollte. Der kleine Funke, der schon gezündelt hatte, brannte wieder los. In mein neues Theaterstück, das ich gerade schrieb, baute ich sofort einen kleinen, grünen Drachen ein, der natürlich eine Klappmaulpuppe wurde.

2012 machte ich meinen ersten Klappmaulpuppen-Baukurs im Figurentheater-Kolleg Bochum bei Bodo Schulte. Damit ging es richtig los. Es folgten weitere Bau-, Spiel-, Dramaturgie- und endlich ein Inszenierungskurs bei ihm. Noch während ich bei der abschließenden Werkschau mein kurzes Stück spielte, wusste ich, dass ich jetzt loslegen, auftreten und Stücke machen wollte.

Inzwischen spiele ich ein eigenes Solo-Klappmaulstück, ein kleineres Handpuppenstück, arbeite am nächsten Puppentheaterstück, spiele hin und wieder bei TV-Produktionen Statistenpuppen, trete als Puppenmoderatorin bei Veranstaltungen auf, baue eigene Puppen und assistiere beim Bau von Film- und TV-Puppen. Endlich bin ich da, wo ich seit Kindertagen hin wollte: Ich baue Puppen, spiele und filme mit Puppen und bin Puppenspielerin.