Baukurs Klappmaulpuppe - Grundkurs - 2013

"Figurenbau aus Schaumstoff", Grundkurs, Seminarleiter: Bodo Schulte,
Figurentheater-Kolleg Bochum, Juli 2013


Sechs Tage Bochum. Aktiv- und Abenteuerurlaub mit Schaumstoffschnipseln und Pattexduft. Hört sich für Außenstehende vielleicht nicht wirklich prickelnd an, ist für mich aber ein Urlaubsziel, gegen das andere Angebote kaum eine Chance haben. Der Puppenspieler und Puppenbauer Bodo Schulte gibt im Bochumer Figurentheater-Kolleg ein Seminar "Figurenbau aus Schaumstoff" und nachdem ich im letzten Jahr schon dabei und sehr begeistert war, fahre ich jetzt wieder hin. Meine ersten Grundkenntnisse im Bau von Klappmaulpuppen habe ich schon, aber auf diesem Gebiet kann man immer dazu lernen.

Im Auto habe ich einige Stoffe dabei, um den passenden Überzug für meine Puppe zu haben. Aber was für eine Figur will ich bauen? Auf der Liste der Möglichkeiten stehen 1. ein Frosch, 2. eine phlegmatische, ältere Frau, 3. eine Katze, 4. wer weiß, was mir spontan einfällt. Die Katze fällt sofort raus, als ich höre, dass auch Bodo gerade an einer Katze baut und die sogar dabei hat. Seine ist zwar ein Kater und um Klassen besser gebaut als es meine je sein wird, aber ich möchte nichts abgucken und lieber ganz unabhängig an einer Figur arbeiten. Meine Katze baue ich später zuhause, wo ich selber überlegen muss, wie ich kniffelige Stellen gestalte, ohne mit einen schnellen Blick zur Seite zu sehen, wie Bodo das gelöst hat. Der Frosch dagegen ist so problemlos zu bauen, dass ich den ohne Unterstützung schaffe.

Spontan entscheide ich mich für die Frau, die hängende Wangen über dem beweglichen Unterkiefer bekommen soll. Keine Ahnung, wie ich das zusammensetzen soll, aber da wird es schon eine Möglichkeit geben. Bisher habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Ich starte mit einer aufwändigen technischen Bauzeichnung ... ähm, ... in diesem Fall reicht mir eine grobe Überlegung und dann sehe ich zu, was beim Bauen raus kommt.

Es folgen sechs Tage in einer bunt gemischten Gruppe mit Puppenspielerinnen, Puppenspielern, (ehemaligen) Lehrerinnen, einem Studenten, der zwischendurch noch zur Schauspielprüfung geht und einem Bauchredner, der auch mit dem Mund reden kann. Kurze Theorieeinlagen wechseln mit langen Arbeitsphasen ab, die immer wieder von Gelächter unterbrochen werden, manchmal gehen lustige Bemerkungen hin und her. Alle wollen etwas schaffen, wollen kreativ arbeiten, und die gemeinsame Werkstatt gibt Energie und der eigenen Kreativität Schwung. Es ist anregend, gemeinsam und trotzdem individuell zu arbeiten, schnell mal den Nachbarn fragen zu können, ob die Schaumstoff-Nase nicht zu groß ist oder wie das nochmal ging, dass sich das Armgelenk in die vorgesehene Richtung knicken lässt.

Mittelpunkt der Werkstatt ist der nicht nur kompetente, sondern auch freundliche und humorvolle Bodo Schulte, der immer locker und entspannt bleibt, geduldig berät, erklärt und für jedes individuelle Problem eine Lösung findet. Durch seine ausgeprägten ornithologischen Kenntnisse lernen alle Teilnehmer auch noch Interessantes über die Trottellumme, das Trottellummen-Ei und den Trottellummen-Schrei kennen. Ein Teilnehmer erklärt anhand eines Youtube-Videos den großartigen "Henson-Stitch" zum Schließen der Nähte, der sozusagen der Stich der aller Stiche ist, bringt selber zur großen Freude des Dozenten aber keine gerade Naht hin. Meine Puppe erhält langsam ihre Hängebäckchen und ich muss aufpassen, dass sich nicht die Fröhlichkeit und Energie des Kurses in ihre Mimik schleichen.

Scheren, Styroporkugeln und alles Mögliche und Unmögliche gibt es bei Rossmann, Kodi und Zeemann in der Nebenstraße (so kommt es uns jedenfalls vor), Kaffee bei Petra und Rolf im "Cheese am Stern" und Mittagessen beim Türken oder Chinesen. Die Zeit ist geprägt von Käse, Schokolade, wenig Schlaf und viel Gelächter. Morgens um zwei Uhr sitzen die Letzten immer noch vergnügt in der Werkstatt und nähen an ihren Puppen. Was für eine intensive Zeit!

Am Ende sind die meisten Puppen weitgehend fertig oder zumindest in einem Zustand, in dem sie zuhause fertig gestellt werden können. Die Kenntnisse dafür sind bei jedem da und letzte Fragen werden noch ausführlich beantwortet. Bodo geht durch die Werkstatt, nimmt die Puppen nacheinander auf und sofort leben sie, haben einen eigenen Charakter, reden mit eigener Stimme und lassen bei den fasziniert zuschauenden Teilnehmern die Lachtränen fließen.

Und nein, ich habe nicht Frau Merkel gebaut! Aber mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und glücklich. Die phlegmatische, ältere Frau ist so geworden, wie ich sie mir ganz vage vorgestellt hatte. Klappmaulpuppen zu bauen ist einfach großartig. Und es ist toll, was ich bei Bodo mit viel Spaß in den beiden Kursen schon gelernt habe. Der große Nachteil solch einer Woche ist für mich, dass ich mit unglaublich vielen neuen Ideen für weitere Puppen nach Hause komme, die ich gar nicht alle umsetzen kann. Aber ich bleibe dran. Und der Plan, was ich mit den Puppen mache, wenn ich mal mehrere fertig habe, wird auch immer konkreter. Liebe Grüße an Daniela, Anja, Sascha, Kirsten, Lukas, Ansgar, Traute, Gertrude, Annette mit zwei N und natürlich an Bodo. Es war toll mit euch!