Blog 668 - 14.02.2021 - Schnee, Abschied, Inder, Impfung

Am Samstag sind wir in Chemnitz angekommen, als wir am Sonntagmorgen aus dem Fenster sehen, ist der Winter da. Wie gut, dass wir nicht - wie ursprünglich geplant - da erst aus dem Rheinland losgefahren sind.

Anstatt vielleicht im Stau auf der Autobahn zu stecken, spazieren wir über den Städtischen Friedhof. Der ist auch sonst wie ein großer Park, mit Schnee wird er stellenweise zum österreichischen Wandergebiet. Also gefühlt und optisch. Langlaufloipen würden auch ins Bild passen.

Am Montag gibt der Sohn seine Arbeit zum Kopieren und Binden. Das bedeutet für mich viel freie Zeit, in der ich nichts tun kann außer abwarten, spazieren gehen, lesen, Tee trinken und vor dem Computer sitzen. Ziemlich gut. Da es weiterhin schneit, ist ungewiss, ob wir am Dienstag, Mittwoch oder erst in drei Wochen zurückfahren. Einen Koffer voll ausgeliehener Bücher in die Uni-Bibliothek zurückzubringen, verschieben wir aufgrund der verschneiten und stellenweise sehr rutschigen Straßen erstmal. Alles andere können wir zu Fuß machen.

Als die gebundene Arbeit am nächsten Tag im Prüfungsamt abgegeben ist, wird uns bewusst, dass das der Abschied von der Uni Chemnitz ist, an der der Sohn damit sein Studium beendet hat. Noch behält er seine Wohnung, die immer ein verlässlicher, gemütlicher Ort war, aber plötzlich schon ein wenig Abschied und Auszug spüren lässt. Fast so als wäre er schon halb ausgezogen. Ich wollte im letzten Jahr eine Woche dort wohnen und viele Ausflüge in die Umgebung machen, aber da wegen Corona fast alles geschlossen war, habe ich es aufgeschoben. Ich fürchte, bis die Museen und Theater wieder offen sind und Corona keine Gefahr mehr ist, ist der Mietvertrag beendet.

Zwei Bücher lese ich in meiner freien Zeit, beginne ein drittes, trinke viel Tee und entdecke, dass es in der kleinen Holzbude in der Wartburgstraße/Ecke Bernsdorfer Straße, die wie ein einfacher Wurststand aussieht, nicht nur ein überraschend großes Essensangebot von Pizza über Döner bis zu Schnitzel gibt (was normalerweise nicht unbedingt eine Empfehlung ist), sondern dass es dort sehr leckeres Dürum und hervorragendes indisches Essen gibt. Frisch gekocht, mit selbst gebackenem Naanbrot und so was von indisch lecker! Diese kleine Holzbude mit diesem Angebot hätte ich gerne Zuhause in der Nähe.

Zum Schnee kommt noch die Sonne, es gibt einen letzten Spaziergang durch knirschenden Schnee, dann graben wir das Auto aus, bringen die vielen Bücher zur Uni-Bibliothek und fahren weiter über freie Autobahnen und durch verschneite Landschaften einmal quer aus dem Osten Deutschlands zurück in den Westen.

Alles klappt problemlos und am Freitag bin ich pünktlich mit meiner Mutter im Impfzentrum zu ihrer Covid-19-Impfung. Dort ist alles sehr gut organisiert, es gibt viele freundliche, aufmerksame Helfer, viel Abstand und eine zügige, durchdachte Abwicklung. Nach 15 Minuten sind wir durch die "Aufnahme", die "Aufklärung" und die "Impfstraße" und sitzen im Wartebereich unsere 15 Minuten "Nach-der Impfung-unter-Beobachtung-bleiben" ab.

Weil es zu wenig Impfstoff gibt, finden die Impfungen dort momentan nur an den Nachmittagen statt, aber wenn es in allen Impfzentren so gut läuft, kann das mal alles sehr effektiv gehen. Und erst wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, wird das "normale" Leben wieder stattfinden können. Von alleine geht Corona nicht weg. Von Abwarten auch nicht. Ohne Impfungen wären auch Pocken, Kinderlähmung, Diphterie und Wundstarrkrampf immer noch ständige Gefahren. Wer an der Gefährlichkeit von Covid noch zweifelt oder meint, es beträfe nur die Alten, sollte sich mal in Krankenhäusern umhören. Oder bei denen, die es gut überstanden haben und immer noch an Spätfolgen leiden.

Nicht nur im verschneiten Sachsen und Thüringen ist es schön, auch fußläufig bei mir um die Ecke gibt es zugefrorene Seen im Wald und jede Menge Platz in der Natur. Wenn dort dann die Vögel laut zwitschern, spüre ich schon den Frühling. Auf den freue ich mich jetzt sehr.

         
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