Blog 667 - 07.02.2021- Theaterzettel, Doppelback und Schneeflocken

Wenn ich einkaufen gehe, habe ich gerade große Freude an meinen Einkaufszetteln. Es sind die restlichen Zettel von denen, die für die Abstimmungsszene im Theaterstück "Die 12 Geschworenen" gebraucht wurden. Während der Proben und der Vorstellungen wurden viele von ihnen benötigt, aber ich hatte sicherheitshalber mehr als genug aus großen Bögen geschnitten. Nach den Vorstellungen wurden die unbeschriebenen Zettel immer wieder eingesammelt - seit der Dernière nutze ich sie als kleine Notizzettel.

Zu meiner Überraschung tauchen jetzt im Reststapel einige in den Vorstellungen benutzte Zettel auf, die damals nicht weggeworfen, sondern versehentlich wieder zu den Zetteln sortiert wurden. Vorne steht jetzt "Kaffee, Katzenfutter, Kartoffeln" drauf, oder was ich eben so brauche, und hinten der Abstimmungskommentar eines Geschworenen, der meistens "schuldig" lautet. Manchmal auch kreativ anders. Was für eine schöne Erinnerung!

Im Garten steckt der Frühling im Boden und drängt die ersten Zwiebeltriebe nach oben. Auch das Unkraut wächst in frischem Grün und zeigt die ersten bunten Blüten. Ich freue mich über alles, was neu kommt, auch wenn ich nicht alles behalten möchte.

Beim Brotbacken sind wir in der Ausprobierphase. Leckeres Brot klappt, da können wir auch mal rezeptfrei testen, was sonst noch möglich ist. Wir kochen Dinkelkörner weich und kneten sie in den Dinkelvollkornteig. Ziemlich viele Dinkelkörner. Geschätzt sind es ein Drittel Körner auf zwei Drittel Teig. Warum mit kleinen Mengen beginnen und langsam steigern, wenn wir sofort mit einer eher schwierigen Zusammenstellung starten können? 

 

Das fertige Brot sieht gut aus, haftet wegen der vielen Körner aber nicht ganz so gut aneinander und bröckelt etwas, sobald Scheiben geschnitten werden. Es ist aber trotzdem sehr lecker. Außerdem so saftig, dass es in der Mitte einen nicht ganz ausgebackenen Streifen hat. Kein Wunder, wenn ein Großteil des Teiges aus feuchten, gequollenen Körnern besteht. Demnächst also nur ein Viertel Teil Körner und etwas länger backen.

Beim nächsten Brot probieren wir ganz aus Versehen ein neues Rezept. Weil es praktisch ist, stellen wir den Ofen beim Vorheizen immer auf die höchste Stufe, die etwa 270 Grad beträgt. Sobald die Temperatur erreicht ist, öffnen wir die Klappe, schieben das Blech mit dem Brot vorsichtig rein, gießen einen Schwall kaltes Wasser auf den Ofenboden und schließen den Ofen. Die Temperatur ist in dieser Zeit wegen der geöffneten Klappe schon deutlich runtergegangen, so dass wir nur auf 220 Grad drehen und mit dieser Hitze die ersten 20 Minuten lang backen.

Diesmal schieben wir das Brot ein, schließen die Klappe, vergessen aber, die Temperatur runterzudrehen. Zwanzig Minuten lang grillt das Brot bei 270 Grad. Als ich kurz in der Küche bin, wundere ich mich, dass sich jemand anscheinend eine Scheibe Brot im Toaster gemacht hat, denn es riecht leicht nach angebranntem Brot. "Mmh, lecker, könnte ich auch mal wieder machen", denke ich und gehe wieder raus.

Nach 20 Minuten entdecken wir das dunkelbraune Brot, das schon die ersten schwarzen Flecken hat und inzwischen intensiv nach schwarz verbranntem Toastbrot riecht. Und nun? Weil es ein sehr großes Brot ist, muss es noch mindestens weitere 60 Minuten in den Ofen. Wir entscheiden, es erstmal fertig zu backen, decken die Oberfläche ab und lassen es bei 180 Grad weiterbacken. Als Ergebnis erwarten wir verbrannt schmeckendes Betonbrot.

Zu unserem großen Erstaunen ist das Brot innen weich und perfekt gebacken und hat außen einen sehr würzigen Krustengeschmack, der wie bei einem Doppelback-Brot schmeckt. Sehr lecker! Ich weiß sofort, wie es damals gewesen sein muss, als einem Bäcker versehentlich das Brot anbrannte und er seinen Kunden gegenüber behauptete: "Das muss so sein. Das ist ... äh ... zweimal gebacken. Ein Doppelback." Weil die Kunden so begeistert waren, ist es seitdem im Programm. Auch wir werden so ähnliches Brot - bis auf die schwarzen Stellen - nochmal machen. Wie so oft im Leben: Erst sieht es übel aus, dann kommt unerwartes etwas Gutes raus.

Weil für den Sonntag ein Kälteeinbruch mit Schnee und Eis angesagt ist, fahre ich mit dem Sohn nicht erst am Sonntagabend die 500 km bis nach Chemnitz, sondern schon am frühen Samstag. Am sehr frühen - um 2 Uhr 30. Wir haben nächtlich freie Straßen, zwischendurch Nebel, aber kein Winter-Stau-Chaos. Im nebeligen Morgenlicht zeigen sich malerisch-düstere Anblicke an einsamen Straßen.

Kaum sind wir in der Wohnung, beginnt es in feinen Flocken zu schneien. Erstmal bleibt nichts liegen, weil es zu warm ist, aber am Abend wird es doch zunehmend weißer. Mal sehen, wie schnell unsere Termine erledigt sind und wann wir wieder zurückfahren. Vielleicht schon am Dienstag, vielleicht aber nicht.

         
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