Blog 666 - 31.01.2021 - Stream-Theater und Online-Termine

Am Sonntag gibt es schon wieder Schnee. Nicht wirklich viel, aber er reicht, um alles für einen Tag ungefähr wie Winter aussehen zu lassen. Richtig kalt ist es nicht, so dass ich mich weiterhin sehr auf den grünen Frühling freue.

Am Sonntagnachmittag sitze ich vor meinem Rechner und gucke per Stream Puppentheater. "Bei Vollmond spricht man nicht", gespielt von Anna Rampe und Daniel Wagner vom Theater Zitadelle. Das wollte ich sowieso gerne mal ansehen, was nicht so einfach ist, weil es vorwiegend in Berlin gespielt wird. Die "Notlösung Stream" kann dann doch eine schöne Sache sein und bringt mich mal eben vor eine entfernte Bühne.

Wie ich es erwarte, ist es ein sehr schönes Stück, das ganz wunderbar gespielt ist. Es ist intelligent und witzig gemacht, so dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene viel Spaß haben. So muss es sein. Es funktioniert sogar im Livestream, was auch daran liegt, dass Bild und Ton sehr gut sind. Ich sitze ganz alleine vor dem Rechner, gucke verzückt zu, lache oft auf und bin natürlich auch mit dem Puppenspielerblick dabei. Hach! Ich will sofort ein Stück entwickeln und spielen und sofort einen Partner beim Puppenspielen haben, um auf der Bühne zu zweit Szenen zu spielen, die alleine nicht gut zu machen sind!

Das mit dem Spielpartner ist nicht so einfach, denn da muss viel passen, angefangen von der Spielart, über den Humor, bis hin zu sehr viel gemeinsamer Zeit für Proben, was fast am schwierigsten ist, wenn man nicht nah beieinander wohnt. Aber das Solo-Spielen ist nur eine Frage des Wollens. Im Kopf hüpfen die Kreativzellen los und rufen durcheinander, welches Stück sie gerne mit dem Puppentheater spielen möchten. Sehr motiviert bin ich kurz danach auf der Autobahn unterwegs und überlege währenddessen, wie ich bei einer Neuinszenierung des Froschstücks die Handpuppen beim Tischtheater einsetzen könnte. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel die Ausfahrt, an der ich eigentlich hätte rausfahren müssen, an mir vorbeifliegen. "Ups", sagt die leicht erhobene Hand neben mir mit der Stimme des Königs und informiert mich: "Da hättest du rausgemusst." "Mist!", sage ich mit meiner Stimme, muss lachen und nehme kurz danach, immer noch grinsend, die nächste Ausfahrt.

Es sieht ganz so aus, als ob demnächst ein Puppentheaterstück bearbeitet werden möchte. Im Hirn geht es schon wild mit den Überlegungen los. Ist erst das große Froschstück als Umbau zu einem kleineren dran oder möchte ich davor lieber das neue Stück entwickeln? Wie ich das neben dem baldmöglichsten Bau der Klappmaulpuppe - der Schaumstoff ist immer noch nicht geliefert -, neben dem Kleinmachen der vielen abgesägten und jetzt im Garten herumliegenden Äste und Stämme, dem Tragen der vielen Pflastersteine nach oben in den Garten, dem Auskoffern und Pflastern von Wegen, dem Raushacken der zweiten Essigbaumwurzel, einem neuen Kinderbuch und dem Frühling und Sommer allgemein, bei dem ich am liebsten dauerhaft im Garten wohnen möchte, machen soll, weiß ich nicht. Ich bin aber guten Mutes.  

Erstmal steht ein weiteres Korrekturlesen der Abschlussarbeit des Sohnes an. Inhaltlich kann ich nichts beitragen, aber ich kann anmerken, wo mir noch eine Information fehlt, wo ich die Formulierung umständlich finde und wo ich mir Absätze für die Lesefreundlichkeit wünschen würde. Und ich kann 200 Zahlen in einer Tabelle auf eventuelle Zahlendreher überprüfen. Als Kinderbuchautorin bin ich natürlich perfekt für das Durchsehen wissenschaftlicher Arbeiten geeignet, finde ich. Schade ist nur, dass ich keine bunten Illustrationen machen darf. Es ist nicht so, dass mir keine Motive einfallen würden, aber der Sohn glaubt nicht, dass eine durch Illus aufgelockerte Arbeit den prüfenden Dozenten grundsätzlich eine große Freude machen würde. (Die roten Markierungen sind nicht von mir, sondern von Word, dass weder Fachbegriffe, noch englische Zitate versteht.)

Corona-Impftermine für meine Eltern zu bekommen, ist ein zeit- und kopfschüttelintensives Abenteuer. Natürlich brechen am Startmorgen der Terminvergabe die Leitungen zusammen, so wie das auch beim Ticketverkauf für große Konzerte immer passiert. In diesem Fall ist zum Glück nicht nach sieben Minuten ausverkauft, nur die ersten Termine werden irgendwann weg sein und die nächsten erst freigegeben, wenn es die nächste Ladung Impfserum gibt. Telefonisch ist gar nichts zu erreichen. Nach sehr vielen vergeblichen Versuchen am Computer können wir erst für meine Mutter, etwas später für meinen Vater zumindest schon die Registrierungsseite erreichen. Ich komme mit dem Augenrollen allerdings gar nicht hinterher, als ich plötzlich das Eingabefenster für die Nummer der Versichertenkarte vor mir habe. Fünf Seiten Info per Post zugeschickt, aber nirgendwo steht, dass man die Nummer griffbereit haben muss. Hektischer Anruf: "Papa, ich brauche mal ganz, ganz schnell die Nummern von euren Krankenversicherungskärtchen." "Moment. Ich guck mal wo die sind ...." Wie viel Stress man in zwei Minuten Wartezeit haben kann, dass die Bildschirmseite plötzlich wieder weg ist!

Nach der Registrierung und dem personenbezogenen Einloggen geht es erstmal nicht bis zur Terminvergabe durch, dann doch, dann bricht es ab, dann heißt es, dass alle Termine vergeben sind, dann bricht es ab, dann sind doch wieder Termine da, dann bricht die Verbindung zusammen, .... Am Nachmittag haben wir dann tatsächlich zwei Termine an verschiedenen Tagen. Ich schüttel immer noch den Kopf. Was ist das für eine schrottige Organisation, die in der ersten Impfgruppe genau die Über-Achtzigjährigen trifft. Helden der Verwaltung am Werk. Glückwunsch und die doppelt dicke Goldene Himbeere! Wenn doch die Infos zur Terminvergabe schon mit der Post kommen, hätte man doch gleich eine mit der Post mögliche Rückantwort "Ja, ich möchte geimpft werden, schicken Sie mir bitte einen Termin und die Unterlagen zu" mitschicken können. Wie viele Über-Achtzigjährige gibt es, die mit der Online-Terminvergabe völlig überfordert sind und keine Leute haben, die das für sie übernehmen. Auch telefonisch - wenn man in den nächsten Wochen mal durchkommen sollte - ist das für viele zu anstrengend.  

Zum Glück gibt es selbstgebackenes Brot. Diesmal ein Mischbrot aus den Resten angebrochener Mehltüten, was ein Dinkel-, Dinkelvollkorn-, Weizenvollkorn, Roggen-, Roggenvollkorn und Emmer-Vollkornbrot gibt. Mit schwarzen Oliven. Es ist sehr lecker, mit feinem und erstaunlich dezentem Olivengeschmack und niemals wieder in dieser zusammengeschütteten Kombination zu reproduzieren.

Einige Tage später ein Roggenbrot mit Walnüssen in Kranzform. Außen knusprig, innen weich und saftig. So langsam füllt sich der Gefrierschrank mit eingefrorenen halben Brotlaiben. Da ist demnächst wohl mal eine Backpause angesagt, um die Vorräte aufzuessen.

         
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