Blog 664 - 17.01.2021 - Energieschub, Bäumeschubsen und Kurzwinter

Der vor fünf Wochen bestellte Schaumstoff ist immer noch nicht da. Ich überlege, ob das an der außergewöhnlichen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr oder an Lockdown-Problemen liegt. Vielleicht ist es auch englischer Schaumstoff, der wegen der Brexit-Verordnungen nicht ausreisen darf. Oder habe ich meine Online-Bestellung nicht richtig abgeschickt. Doch, habe ich, denn ich habe ja am Ende des Vorgangs sofort mit Paypal bezahlen können. Na, ehe ich nervig nachfrage, warte ich noch ein wenig ab. In der nächsten Woche kann ich wegen anderer Termine sowieso noch nicht mit der neuen Figur anfangen und vielleicht kommt die Sendung von ganz alleine rechtzeitig an.

Nach der langen Feiertagspause beginnen die Kreativzellen im Hirn wieder merklich zu springen und in den Fingern zuckt es. Weil der Vorrat an Cutterklingen und Klebstoff sehr dürftig geworden ist, bestelle ich sicherheitshalber Nachschub. Nichts wäre schlimmer, als mitten im Bauprozess nicht mehr schneiden oder kleben zu können.

Mein Energieschub zeigt sich auch im Garten, wo ich Bäume schubse. Einige Haselnusssträucher sind dank fleißiger Eichhörnchen irgendwann mal losgewachsen, aus dem Blick geraten und in den letzten Jahren mehrere Meter hoch geworden. Das ist sehr hübsch und bringt ein Waldgefühl. Weil sie aber unmittelbar an den Grundstücksgrenzen wachsen, beschatten sie unerwünscht die Nachbargärten und lassen außerdem ihre Äste schräg darüber wachsen. Schon jetzt ist das Absägen der vielen nicht dicken, aber hohen Stämme etwas heikel, in einigen Jahren wird es wohl nur noch mit Expertenhilfe möglich sein.

Mit der Motorsäge zu sägen und gleichzeitig die Stämme mit einem Seil in die richtige Fallrichtung zu lenken, erscheint mir für Solo-Baumfäller schwierig. Zum Glück ist der Sohn immer noch da und als Duo arbeiten wir eingespielt. Nach vielen Ästen und mehreren hohen Einzelstämmen fallen am Ende mit lautem Knacken auch fünf lange, quer ineinander verwachsene Stämme, die sich durch viele Einzelzweige unentwirrbar miteinander verflochten haben, perfekt in die Fallschneise. Wir klatschen uns freudig ab und gucken begeistert in den völlig verwüsteten Gartenteil. Der hieß bei uns mal "der Wald", und ich werde einige Zeit brauchen, um den jetzt baumlosen Wald wieder weitgehend begehbar zu machen.

Die Haselnussbüsche und weiteres Grün möchte ich dort weiterhin haben, aber in bearbeitbarer Höhe von zwei bis drei Metern, nicht als waldähnliche Bäume. Ich muss ja auch mal an die Seniorenzeit denken. Ob ich mit 90 noch mit Kettensäge unterwegs bin und auf Bäume kletter, um hohe Äste zu kürzen, weiß ich nicht. Vermutlich schon. Es ist natürlich blöd, jetzt die Bäume zu kappen, auf die ich mit 90 noch klettern würde, was ich dann aber nicht mehr kann, weil sie weg sind. Naja, vielleicht haben die Nachbarn dann Bäume.

Nachmittägliche Spaziergänge in der Umgebung sind auch bei kaltem Wetter schön. Wobei Temperaturen um 0 Grad zwar kalt, aber nicht besonders winterlich sind.

In der Sauerteigbäckerei gibt es Dinkelbrötchen, die Roggenbrötchen werden sollten, das wegen einer versehentlich falsch gegriffenen Mehltüte aber nicht werden können, was erst nach dem Backen auffällt, weil sie unerwartet hell sind. Egal. Lecker.

Drei Tage später gibt es ein Emmer-Vollkorn-Brot. Emmer ist ein altes Getreide, das inzwischen wieder verstärkt angebaut wird, aber lange nicht so ertragreich wie unsere "üblichen" Getreide ist. Um den Geschmack nicht zu verfälschen, geben wir keine Nuss- oder Kernezutaten hinzu, so dass das Brot nur aus Emmermehl, Wasser und Salz und dem Sauerteig aus Mehl und Wasser besteht. Aus so wenig Zutaten so viel Geschmack! Das Brot schmeckt kräftig und doch zart, fein nussig, ist total lecker und wird sofort zu einem "Lieblingsbrot" deklariert.

Am Ende der Woche gibt es Roggenbrötchen mit sehr vielen Sonnenblumenkernen, die sich im Teig und auf der Unterseite befinden. Lecker. 

Am Samstagabend beginnt es zu schneien. Stundenlang rieseln kleine Flocken. Wir machen einen nächtlichen Spaziergang durch den zwei Zentimeter hohen, pappigen Schnee, der unten schon wieder wegschmilzt, während er von oben noch munter weiterrieselt. Schnell raus, kurz in den Wald und eine Runde durch die Felder machen, den Schnee unter den Schuhen knirschen hören, ehe der Winter im Rheinland vorbei ist. Für Montag sind schon wieder 6 Grad angesagt.  

         
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