Blog 659 - 13.12.2020 - Kein Specht und dreihändiges Gitarrespielen

Der Wald, der vor wenigen Wochen noch voll mit herbstbuntem Laub und dazu sonnig war, ist inzwischen deutlich blattloser. Aber auch die herbstlich nebelige Variante ist schön. Eichhörnchen laufen die Stämme hoch, ein kleiner Vogel, den ich nicht kenne, der aber kein Specht ist, denn Spechte erkenne ich, hängt seitlich an einem Baum und klopft laut an die Rinde, ansonsten ist es so still, dass man die Blätter fallen hören könnte. Wenn sie nicht schon unten wären.

Ganz unerwartet entdecke ich mitten in Bad Ems eine Gedenktafel an Max Jacob, den Puppenspieler, der die Hohensteiner Puppenspiele mit den bekannten "Kasperle"-Handfiguren gegründet hat und einen ganz neuen Stil ins Puppenspiel brachte. Ich habe die Autobiographie von ihm gelesen, aber nicht mehr gewusst, dass er in Bad Ems geboren wurde. Im Oktober wollte ich ein paar Tage in Sachsen verbringen und dabei auch nach Hohenstein fahren, habe das wegen der Coronalage aber verschoben. Jetzt begegnet mir Max Jacob hier. Ich finde es schön, denn mit Puppenspielen bin ich gerade beschäftigt und er hat die Entwicklung des heutigen Puppenspiel sehr beeinflusst.

Die Quoten für "Pretty in Plüsch" liegen auch nach der zweiten Sendung weit unter den Erwartungen des Senders und so wird der Vierteiler kurzentschlossen zum Dreiteiler gekürzt und das Finale eine Woche vorgezogen. Das ist schade, aber nachvollziehbar. Vielleicht hätte man bei der Konzeption der Sendung mehr der Stärke der Puppen vertrauen und sie zusammen mit den singenden Promis in den Mittelpunkt rücken sollen, anstatt alles Mögliche drumherum einzusetzen, damit auch wirklich genug los ist. Dass Puppen eine Sendung auch alleine tragen können, ohne dass es seichte Kinderunterhaltung wird, sieht man an den Muppets. Aber vielleicht können mit den Erfahrungen dieses Projektes, das gerade für die Puppennummern die meiste Zustimmung bekommt, andere entstehen.

Egal wie es ist, ich bin auch in der Finalshow noch mit viel Freude im Puppenspielerteam. Ich mag die Kollegen total gerne, wir arbeiten sehr gut zusammen und vor allem daran, dass die Puppen und ihre Duettpartner eine schöne Shownummer zeigen. Auch in der Betreuung, bei den Kostümen, der Choreografie und beim Bühnenbau lerne ich viele nette Leute kennen, die alle intensiv arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Es ist schon schön, wenn man von Leuten umgeben ist, die bei der Arbeit viel lachen können.

Die Finalshow startet mit einem Opening, bei dem alle Puppen und Promis zusammen mit der Moderatorin Michelle Hunziker auf der Bühne sind. Bei der Generalprobe am Nachmittag zeigt der Blick aus meinem verdeckten Platz hinter einem Schlagzeug zwar nur Papp-Publikum - coronabedingt gibt es immer noch keine Zuschauer im Studio -, aber am Abend wird alles live gesendet und das Publikum sitzt dann eben Zuhause vor dem Fernseher, anstatt auch vor der Showbühne.

Die jetzt nur noch vier Duette teile ich mit dem anderen Handspieler, so dass jeder von uns zwei übernimmt. Im Einsatzplan bedeutet das für mich, dass ich beim Opening dabei bin, danach beim ersten Lied von Duett 1, beim ersten Lied von Duett 3, beim zweiten Lied von Duett 1, beim zweiten Lied von Duett 3 und beim Schlussbild. Kurz gesagt: Ich eile zum Auftritt, bin beim Auftritt oder warte auf den Auftritt, immer darauf konzentriert, welches Lied, welcher Promi und welche Aktionen jetzt dran sind.

Bei den jeweils zweiten Liedern treten die versteckten Sängerinnen und Sänger auf und sind gemeinsam mit den singenden Promis und ihren Puppen-Coaches auf der Bühne. Ich bin bei allen meinen Handspiel-Einsätzen mit Freude dabei, aber besonders schön ist es, als der Grummel gleichzeitig mit Milow Gitarre spielt, der sich dabei sichtbar über das gemeinsame Spielen freut. Als Milow später zu uns erstaunt sagt, dass er nicht dachte, dass zwei Puppenspieler beteiligt sind, erklären wir ihm, dass ein Puppenspieler nur zwei Hände hat, für solche Aktionen aber unbedingt drei braucht. Ich freue mich über seine Aussage, denn sie zeigt, dass der Grummel für ihn so selbstverständlich Gitarre gespielt hat, dass er überhaupt nicht darüber nachdachte, wie das funktionieren kann. Milow ist sehr interessiert und fasziniert, findet Puppenspiel sowieso klasse und greift beim Show-Schlussbild, als er hinter uns steht, zum Ersatzdrumstick und trommelt ein bisschen mit.    

Am Ende der Show gibt es ein Siegerpaar - mein Lieblingslauch mit Jessica -, Massen von Konfettischnipseln und gute Laune, weil es schöne Shownummern gab, die gut funktioniert haben. Die gut gespielten Puppen waren dafür ganz wichtig. Trotz aller Kritiken am Sendungskonzept werden bei mir viele schöne, herzerwärmende Erinnerungen bleiben und ich bin auch im Nachhinein froh, dass ich dabei sein konnte.

Jetzt wird es erstmal wieder ruhig, was auch schön ist. Kühles, regnerisches Wetter, kaum Termine und wegen Corona keine Möglichkeiten viel zu unternehmen und keine Lust Einkaufsbummel zu machen. So blöd das alles mit der Pandemie ist, ich kann die Zurückgezogenheit und die Ruhe auch sehr genießen.

         
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