Blog 658 - 06.12.2020 - Showbühnentonne, Palmen und Kartoffelacker

Am Sonntag ist Wandertag. Mit dem Gatten und bekleidet mit Handschuhen und Mütze - es ist gerade mal 2 Grad kühl -, geht es durch den herbstlichen Wald bis zu einem Aussichtsturm und zurück. Muskeln lockern, tief durchatmen und einfach mal geradeaus laufen. Das tut wirklich gut.

In der Wochenmitte geht es mit den Vorbereitungen und Proben zur nächsten "Pretty in Plüsch"-Show weiter. Mir macht das alles viel Spaß. Ich mag das Arbeiten hinter den Kulissen und auch die Atmosphäre bei Vorbereitungen zu Konzerten und Shows. In den Proberäumen wird gesungen, getanzt und geprobt, auf der Bühne probiert, geändert und geschraubt.

Damit bei der Liveshow die knappen Umbaupausen klappen, muss vorher der Ablauf der Show mit der Uhr in der Hand durchgegangen werden. Dann heißt es am Ende einer Nummer: "Wir haben für den Umbau 2 Minuten, 50 Sekunden", und zwanzig Leute eilen auf die Bühne, nehmen das alte Bühnenbild blitzschnell auseinander und tragen es weg, während schon der Boden gefegt und das nächste Bühnenbild aufgebaut wird. Kaum ist alles fertig, eilen die Helfer aus dem Bild und die Zeit wird gestoppt. Wenn dann der Ruf kommt: "Wir haben es in 2:30 geschafft!!", sind alle erleichtert. Es bleibt trotzdem knapp. Wenn in der Liveshow etwas schiefgeht, kann nicht einfach die Sendung angehalten werden.

Auch der Teleprompter wird eingerichtet, was bei manchen Liedtexten erstaunliche Zeilen zum Vorschein kommen lässt. Die werden dann auch tatsächlich in diesem Wortlaut gesungen. Welthits können einfach sein.

Dass das Leben als Puppenspielerin kein Ponyhof ist, merke ich spätestens, als wir in der Show zu zweit in einer sehr engen Tonne stecken. Eigentlich zu dritt, denn der Lauch "Kevin" ist auch dabei. Die ganze Showeröffnung, bei der wir kurz spielen, und die anschließende Anmoderation, Juryvorstellung und die ersten Einspieler müssen wir eng ineinander gefaltet in der auf geschätzt 120 Grad erhitzten Tonne verbringen. Ein zwischenzeitlicher Ausstieg wäre zu zeitaufwändig, denn wir sind gleich danach die erste Shownummer. Unten schlafen uns die eingeklemmten Beine ein, oben halte ich den Kopf in permanenter Schräglage, damit er nicht aus der Tonne herausragt. Das Leben in der Mitte der Showbühne hatte ich mir anders vorgestellt. Trotzdem würde ich gerade nicht tauschen wollen. Nur die Tonne könnte größer sein.

Nach 20 Minuten starten wir unsere Nummer, die schön klappt, was uns sehr freut. Danach gibt es noch die Jurybewertung und einen Talk, und in der anschließenden Umbaupause werden wir endlich befreit, entwirren uns und wanken mit steifen Muskeln von der Bühne. Hach! Frische Luft und ein merkbarer Blutkreislauf bis in die Füße - wie schön! Das Leben kann spannende Erlebnisse bieten.

Auch diesmal wird am Ende der Sendung ein Duo rausgewählt und das ist für die Puppenspielergruppe erstaunlich traurig. Einerseits freuen sich die anderen, dass sie noch bleiben können, aber die Freude ist gleichzeitig gedämpft, weil einer bei den weiteren Proben fehlen wird. Das zeigt, wie gerne wir zusammen arbeiten und wie gut wir miteinander umgehen. Als wechselnde Handspielerin werde ich bis zum Schluss dabei sein, aber ich bedauere es bei jedem, der gehen muss.

Es gibt aber auch ein Leben außerhalb der Show. Beim Werkeln im Garten beginne ich mit dem Heraushacken der Wurzeln des zweiten Essigbaums. Die verteilen sich genauso ineinander verschlungen und unfassbar weit wie die des ersten. Da werde ich noch viele Wochen Beschäftigung haben. Vielleicht sollte ich mir bald Frost im Boden wünschen, dann muss ich erstmal nicht weiterhacken.

Schöner ist das Ernten von vier großen, rosafarbenen Süßkartoffeln, die in einem großen Blumentopf gewachsen sind, einem Eimer voll kleiner Hörnli-Kartoffeln und meinem letzten Hokaidokürbis, der etwa 7 cm im Durchmesser misst und anscheinend nicht mehr weiterwächst. Wie sehr ich mich über ein paar Kartoffeln freue, die ich aus der Gartenerde ausgrabe, ist kaum zu vermitteln. Wenn ich einen ganzen Acker voller Kartoffeln hätte, käme ich aus dem Freuen wohl kaum noch raus. Sollte ich mir einen richtig großen Kartoffelacker kaufen? Andererseits bin ich auch schon sehr glücklich, wenn ich in eine Tonne gequetscht werde. 

Weihnachten naht und ich finde die neue Sorte Weihnachtsbäume, die ich unterwegs entdecke, sehr interessant. Es heißt ja ständig, dass Weihnachten in diesem Jahr anders werden wird, jetzt kann ich es tatsächlich sehen.

In drei Wochen ist Weihnachten schon vorbei. Ich habe noch kein Geschenk besorgt und nicht mal überlegt, was ich holen könnte. Blöderweise möchte ich möglichst nicht im Internet kaufen, in Coronazeiten aber auch nicht lässig in Geschäften herumlaufen. Außerdem habe ich gerade wenig Lust, darüber überhaupt nachzudenken. Es ist zu befürchten, dass mich der 24. Dezember in diesem Jahr mal wieder völlig überraschen wird. Zum Glück brauche ich nicht viele Geschenke und das wird - wie immer - schon irgendwie klappen. Vielleicht lässt sich Weihnachten auch bis in den Februar schieben, dann hätte ich etwas mehr Muße, mir Gedanken zu machen. Auch eine Palme würde dann besser passen.

         
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