Blog 657 - 29.11.2020 - Steinstapel, Federpuschel und singender Lauch

Die Pflastersteine sind alle vom Bürgersteig weg! Hurra, hurra, hurra! Das ging viel schneller als geplant und nur, weil ich täglich mehr als meine selbst verordnete Mindestmenge getragen habe. Anstatt 20 Steine am Tag wurden es meistens über 200. Jetzt stehen die Pflastersteine in hohen Stapeln im Hof herum und damit blöd im Weg. Aber egal. Im Frühjahr werde ich damit beginnen, sie weiter nach oben in den Garten zu tragen, um irgendwelche Wege zu pflastern. Ich weiß noch nicht mal, wo genau Wege entstehen sollen, aber die Masse an Steinen lässt viele wunderbare Möglichkeiten zu.

Kaum habe ich die Steine oben, beginnt die heiße Zeit bei "Pretty in Plüsch", der TV-Show, in der prominente Menschen, die normalerweise nur unter der Dusche trällern, Duette mit Puppencharakteren singen. Das ist viel Arbeit für alle und bedeutet: Erste Proben, weitere Proben, Gesamtprobe und Liveshow. Vier Wochen lang, in jeder Woche mit neuen Liedern, neuen Dekorationen und neuen Choreografien. Und da die Kulissenteile für jede Gesangnummer gebaut werden müssen, bedeutet das für die Puppenspieler und ihre Duettpartner manchmal auch improvisiertes Proben im freien Raum ohne genaue Kenntnis der späteren Bühnenbauten.

Und selbst wenn die Kulissen stehen, bleibt es spannend. Da die Promis in ihrer ungewohnten Rolle als Live-Show-Sänger ganz schön nervös sein können, kann es passieren, dass sie während der Nummer plötzlich links neben der Puppe oder schräg davor auftauchen, auch wenn rechts abgesprochen ist. Das finde ich aber nicht schlimm, sondern eher herausfordernd und das spontane Eingehen auf die Situationen macht mir Spaß. Bei drei der sechs Nummern bin ich als Handspielerin dabei, hocke neben dem Puppenspieler und reagiere auf ihn und seine Bewegungen, damit sich die zweite Puppenhand möglichst natürlich mitbewegt. Eine der Duettpartnerinnen ist bei den ersten Proben sehr aufgeregt und unsicher, empfindet sich durch unser flexibles Reagieren aber plötzlich aufgefangen. "Ich fühl mich gar nicht mehr so alleine", sagt sie erleichtert. "Wir machen das ja auch zu dritt", sage ich lächelnd, und sie nickt bestätigend: "Ja, das Gefühl habe ich gerade." Schön, so soll es sein.

Am Vorabend der Show gibt es eine Durchlaufprobe zur kompletten Show mit ungefähren Moderationen und allen Einzelnummern bis hin zum Finale. Das ist wichtig, um zu sehen, ob der zeitliche Ablauf mit Umbauten und Laufwegen überhaupt klappen kann. Im Hintergrund wird noch gesägt. Das ist normal. Michelle Hunziker, die Moderatorin der Show, verliert ständig kleine rosafarbene Federpuschel aus ihrem puscheligen Federkleid, das sie übungshalber schon trägt. Ich überlege kurz, ob ich sie hinter ihr aufsammeln soll, weil ich sie super beim Puppenbau verwenden könnte, lasse es aber lieber. Das wäre umständlich zu erklären. Es wird spät, bis ich zuhause bin.

Am nächsten Mittag starten die letzten Proben und Vorbereitungen, und pünktlich um 20:15 Uhr beginnt die Liveshow. Wenige Minuten davor steigt die allgemeine Spannung deutlich, alle warten auf ihren Plätzen und mein Adrenalinpegel geht kurz etwas hoch. Aber noch in der Eröffnungsmusik bin ich wieder runtergefahren und freudig auf den Zeitplan und das Spielen der Nummern fokussiert.

Ob ich vor zehn Kindern in einer Schulklasse oder vor Kameras einer Livesendung spiele, ich bin nicht aufgeregt und hibbelig, sondern motiviert und konzentriert. Das freut mich sehr, denn früher war ich bei Auftritten gerne mal nervös und hatte dementsprechend viel Stress damit. Meine deutlich ruhigere Haltung hat mit Gewöhnung zu tun, mehr aber noch mit der Erfahrung, dass selten alles perfekt läuft, kleine Pannen aber meistens gut überspielt werden können.

In der Show laufen die Duettnummern mit den live singenden Promis und ihren plüschigen Coaches nicht ganz improvisationsfrei, aber sehr gut und die Puppen agieren schön und lebendig. Mit den geheimen Live-Singstimmen gibt es einige Abstimmungsprobleme, die über die Improvisationsgrenze hinaus gehen, aber OK, es ist die erste Show dieser Art, daraus kann man noch lernen. Ich persönlich würde ja lieber eine kürzere Show mit einer liebenswerten Geschichte um die singenden Promis und ihre plüschigen Coaches haben, die mit allen sechs Paaren, aber ohne geheime Supersänger über vier Wochen läuft, bis es am Ende einen umjubelten Sieger mit den meisten Punkten gibt. Ich glaube nämlich, dass die intensive Emotionalität der Duettpaare und die nicht perfekten, aber mit Freude und Energie vorgetragenen Nummern eine Show tragen können. Aber ich bin ja Puppenspielerin mit einer subjektiven Sicht auf die Dinge und nicht professionelle Showkonzepterfinderin.

Auch wenn mein Konzept kleiner wäre, freue ich mich sehr, in der Puppenspielergruppe der Show dabei zu sein und gemeinsam nicht nur an den Auftrittsnummern zu arbeiten, sondern auch die Solidarität und das gute Teamgefühl zu erleben. Es ist ganz traurig, dass am Ende jeder Show ein Paar rausfällt und damit auch der Puppencoach keinen weiteren Auftritt mehr hat. Das reißt unsere Gruppe empfindlich auseinander. Umso mehr genieße ich die Zeit, in der noch für die nächsten drei Shows gearbeitet wird. Wo sonst könnte ich einfach mal so Massimo Sinato eine Hand an den Bauch legen und danach mit einem singenden Lauch im Auto unterwegs sein? 

Sollte ich später mal im Altenheim von Michelles Federpuscheln, der Hand am Bauch und dem singenden Lauch erzählen, wird mir das sowieso keiner glauben und ich werde wohl einen "Ist nicht mehr klar im Kopf"-Vermerk in meine Akte bekommen. Das ist es wert.

         
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