Blog 656 - 22.11.2020 - Postkartenidylle, Katzenbabys und Ein-Drittel-Plan

Am Sonntag mache ich einen Ausflug nach Bad Ems, wo der Blick auf die Lahn und der herbstlich sonnige Wald wie Postkarten aussehen. So schön! Ich liebe ja am meisten den Frühling und den Frühsommer, aber wenn der Herbst nicht durchgehend nass und kalt ist, kommt er auf der Beliebtheitsskala gleich danach.

Bei den dortigen Heinzelmännchenhöhlen - wieso eigentlich da und nicht in Köln? - ist niemand zu sehen. Wer weiß, wo die gerade aushelfen. Bei mir im Haushalt leider nicht. Auch ansonsten ist in der kleinen Stadt nicht viel los. Wegen des Lockdowns haben nicht mal Cafés geöffnet und die Eisdielen sind verfrüht in den Winterschlaf gegangen. Sogar der Brunnen mit dem Heilwasser ist leer und abgesperrt. Bleibt nur der Wald, und der haut es raus.

Im Fernsehen laufen schon die Trailer zur neuen Show, die in der nächsten Woche bei SAT1 startet. Menschliche Prominente singen mit Puppen im Duett, und das an vier Freitagen. Live! Umbauten, Ortswechsel, Puppen, Puppenspieler, Handspieler, singende Menschen, Moderatorin und Jury müssen sekundengenau an ihrem Platz sein. Dass bei Pannen nicht unterbrochen und neu begonnen werden kann, macht es ziemlich spannend. Die simple Lösung, die mir einfällt: Keine Pannen.

Bei den Proben und dem Filmen kleiner Einspieler, die im Vorfeld gemacht werden, sieht es noch unglamourös aus. Hier: Abgelegte Sachen der Puppenspieler in der gemeinsamen Garderobe.

Was macht Mariah Carey anders? Die verlangt gerüchteweise für ihre Garderobe Champagner, Katzenbabys, einen Assistenten, der ihren Kaugummi wegräumt und einen, der ihr bein Treppensteigen hilft. Vermutlich hat keiner der Puppenspieler im Vorfeld etwas von Champagner und Katzenbabys erwähnt. Vielleicht befürchtet die Produktion auch, dass wir die Garderobe ansonsten nicht verlassen möchten und angeheitert Katzen kraulen.

Zum Ausgleich gibt es Coronatests. Mit dem Stäbchen durch die Nase bis ins Hirn. Es ist kurz unangenehm, lässt sich aber aushalten. Dass das ganze Team regelmäßig getestet wird und auch am Set mit Maske und möglichst viel Abstand arbeitet, ist allen wichtig. Ein einziger Coronafall könnte die ganze Produktion kippen. Ich passe sowieso schon sehr auf, dass ich mich in meinem privaten Leben nicht anstecke, für die nächsten Wochen bin ich noch vorsichtiger.

Mit Puppen zu arbeiten, ist etwas Besonderes. Die haben ihre eigenen Charaktere, dürfen zwischendurch blöde Bemerkungen machen und berühren emotional. Wir arbeiten konzentriert, lachen aber auch viel. In der nächsten Woche wird für die Liveshow geprobt, am Freitagabend treten die Puppen mit ihren Gesangspartnern im Fernsehen an. Ich bin gespannt auf das vermutlich herausfordernd knappe Timing.

Zuhause trage ich immer noch täglich Steine vom Bürgersteig bis in den Hof und bin vom Gewicht vermutlich schon zwei Zentimeter zusammengestaucht. Aber ich habe auch mehr Kondition, stärkere Muskeln und bin in meinem Zeitplan deutlich früher als gedacht. Von "im März ist alles oben" konnte ich schon auf "Ende des Jahres" verkürzen und bin jetzt bei "nächster Woche". Die letzten Steinhäufchen sind fast schon lächerlich gegen die Stapel, die dort vorher standen. Allerdings stehen die Stapel jetzt unmotiviert im Hof, wo sie nicht auf Dauer bleiben können. Aber darüber mache ich mir im nächsten Jahr Gedanken.

Außerdem gehe ich an die Bücher. Ich habe nämlich zu viele. Sie stehen in Zweierreihen in den Regalen, liegen darauf, davor und in hohen, wackeligen Stapeln daneben. Mein wunderbarer Plan ist staubig und heißt: "Alle Bücher durchsehen und ein Drittel von ihnen aussortieren". Ha, ha, ha! Ein Drittel! Hi, hi. Ich scheitere grandios. Bei vielen Büchern ist es einfach unvorstellbar, dass ich sie weggebe. "Das lese ich auf jeden Fall nochmal!" - "Hallo? Meine Lieblingsautorin!!" - "Hey, das ist ja die Erstausgabe von 1952!" - "Nee, das ist eines meiner Lieblingsbücher!" - "Und das auch!" -  "Das sowieso!" - "Luis Trenker? Brauch ich eigentlich nicht. Oh, mit Signatur. Dann doch!" ...

Nach Durchführung des "Ein-Drittel-Plans", der mit Mühe zur "Ein-Achtel-Tat" wird, habe ich immerhin drei große Kisten mit aussortierten Büchern, die ich zu Tauschbücherregalen bringen werde, und zwei weitere Kisten mit Büchern, die ich noch lesen muss, ehe ich entscheiden kann. Entweder weiß ich nicht mehr, wie sie waren oder ich habe sie schon seit Jahren ungelesen im Regal stehen. Am Ende ist das Bücherregal immer noch voll, hat aber wieder einige freie zweite Reihen, keine Stapel mehr davor und sieht viel besser aus. Also das Bücherregal im Wohnzimmer. An die überfüllten Regale im Flur muss ich auch noch mit dem optimistischen "Ein-Drittel-Plan" gehen.

         
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