Blog 653 - 01.11.2020 - Feuerwehrtür, Puppenshow und deutscher Akzent

Damit die Haustüre nicht knalligrot wird, hole ich im Baumarkt den Lack "Rubinrot", der auf der Farbkarte deutlich dunkler als das normale "Rot" aussieht. Beim Öffnen der Farbdose finde ich allerdings, dass der Inhalt doch ziemlich knallig wirkt. Aber nasse Farbe sieht meistens anders als die Musterfarbe auf dem Dosendeckel und das trockene Endergebnis aus. Als ich mit dem Streichen, das wegen der Fensterchen, Streben und Kanten etwas aufwändig ist, fertig bin, strahlt die Tür in Feuerwehrrot. Das macht sie auch Stunden später noch, als der hochglänzende Lack trocken ist.

Da ich befürchte, dass demnächst Leute mit qualmenden Kochtöpfen oder brennenden Rasenmähern hilfesuchend an meine Feuerwehrtür klopfen, und weil ich sowieso eine zweite Schicht Farbe auf die Tür streichen will, rühre ich etwas schwarzen Lack in das restliche Rubinrot. Kleines Risiko, denn der Lack ist von einer anderen Firma und vermutlich anders zusammengesetzt, aber immerhin versuche ich hier nicht Epoxidharzlack mit Acrylfarbe zu mischen. Das hat beim Kellerboden, wo es mir versehentlich passierte, allerdings überraschend gut funktioniert.

Anstatt dünn und flüchtig eine zweite Schicht drüberzustreichen, muss ich wegen des anderen Farbtones nochmal gründlich und genau streichen. Aber dann hat die Tür ein dunkles Rot, das meinem Farbwunsch  entspricht. Bei uns heißt sie auch die "englische" Tür, denn glänzende, dick mit Lack gestrichene Haustüren sind typisch für Großbritannien. Und für uns.

Der Herbst hat lustige Bilder. Im Vorüberfahren sehe ich jemanden, der mit einem Laubbläser Blätter vom Bürgersteig pustet, während von oben ständig weitere Blätter von den Bäumen wehen. Abgesehen von der Sinnlosigkeit, mit so viel Lärm Blätter wegzupusten, die kurz danach vom Wind auf den Bürgersteig zurückgeweht werden, macht der Anblick der weiterhin von oben fallenden Blätter klar, dass die Arbeit komplett überflüssig ist. So ein Idiot, denke ich lachend. Ich bin immer noch sehr amüsiert über das Bild, als ich auf dem Friedhof das Grab meiner Großeltern von Laub befreie und währenddessen immer wieder Blätter von oben auf das frisch geräumte Grün fallen. Na super. Können die nicht warten, bis ich weg bin und es nicht mehr merke? Eine Stunde später wird es aussehen wie vorher. Ich weiß nicht mal, ob die Gräber drumherum wirklich alle ungepflegt sind, oder am Morgen erst gemacht wurden.

Bei einem TV-Sender in Köln findet ein Workshop zur bald startenden Show mit Puppen statt. Ich bin als eine "Handspielerin" dabei, die die zweite Hand der Puppen spielt. Die extra für die Show gebauten Puppen werden von den Puppenspielern improvisierend ausprobiert und dabei festgestellt, was sie können, was im Spiel schön aussieht und wofür sie nicht geeignet sind. Da hat jede Puppe, je nach Größe und Typ, Schwerpunkte und bauliche Hindernisse.

Nach den ersten Probestunden versuchen sich die Puppenspieler auf der einen Seite und die Macher und Produzenten auf der anderen Seite bei der Planung der Liveshows in einer realistischen Mitte zu treffen. Die liegt zwischen "der Puppenspieler wird eng in eine schmale Kiste gesteckt und spielt die Puppe unsichtbar durch ein kleines Loch" und "der Puppenspieler braucht Platz, die richtige Höhe, einen zweiten Handspieler, eine Bühnenleiste, einen Rollwagen, einen Monitor und einen Betreuer des Monitors". Gemeinsam für beide Seiten ist, dass sie eine tolle, professionelle Sendung machen wollen.

Es ist ein langer Tag, der auch durch das durchgehende Tragen von Mund-Nasen-Masken und das ständige Achten auf Abstand anstrengend ist, aber sehr viel bringt. Durch gegenseitiges Zuhören, Erklären, Ausprobieren und Zeigen wird eine gute Basis zum Entwickeln der Dekorationen und Nummern erreicht. Schon Ende November wird es die erste Liveshow geben. Bis dahin muss noch sehr viel vorbereitet, gebaut, entwickelt und geprobt werden. Ich freue mich, dass ich dabei bin. 

Das Wochenende verbringe ich sprachlich in Holland. Nachdem der der zweitägige Kurs "Niederländisch für unterwegs" im September so viel Spaß gemacht hat, haben die Teilnehmer ein Folgewochenende zum erneuten Üben und Festigen ausgemacht. Jetzt stolpern wir schon wieder in unbekannten Texten über das "g", das wie "ch", das "oe", das wie "u" und das "ui", das wie "öi" ausgesprochen wird. Ich brauche bei neuen Sätzen die volle Konzentration, um nicht zu oft in deutsche oder englische Aussprache zu rutschen. Trotzdem ist der deutsche Akzent und der typisch gerade Tonfall deutlich zu hören.

Aber alles geht nicht. Entweder die passende Aussprache der Buchstaben, oder der weiche, wellige Klang der Niederländer. Leichte Sätze, wie beim Kaffee bestellen: "Ik wil graag een kopje koffie", kann ich immerhin schon weich, flüssig und mit lässigem Rachen-ch. Und: "Sollen wir zusammen was essen gehen?" ("Zullen we samen een hapje gaan eten?") klappt auch locker. Damit komme ich schon durch.

Wenn man beim Vorlesen neuer Texte gut durch die manchmal hakeligen Sätze kommt, ist das große Lob von Kursleiter John Bekmann: "Das war prima! Ein Niederländer hätte dich komplett verstanden!" Aber auch wenn die neuen Texte wieder ganz schön fordern, sind wir alle deutlich besser als im ersten Kurs und nehmen vieles als selbstverständlich, was davor noch komplett neu war. Wenn ich sehe, was ich schon alles lesen und verstehen kann, ist kaum zu glauben, dass ich das in nur drei Tagen Niederländischkurs gelernt habe. Toll!

         
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