Blog 652 - 25.10.2020 - Schritt für Schritt, keine Reise und Termine

Immer nur den nächsten Schritt sehen, das ist ein gutes Vorgehen, wenn große, anscheinend unüberwindbare Hindernisse vor einem stehen. Auf diese Weise habe ich ganz alleine und nur mit einem kleinen Auto einen tonnenschweren Berg aus Pflastersteinen bis vor das Haus transportiert. Wenn ich die Steine in Form eines Autos stapeln würde, wären sie größer als das Auto, das sie transportiert hat. Ich habe zwar schräge Ideen, werde die Steine jetzt aber ganz bestimmt nicht in Autoform umstapeln, um das zu zeigen.

Vom Bürgersteig müssen sie jetzt noch bis hoch in den Garten gelangen. Mein nächster Schritt-für-Schritt-Plan: Jeden Tag mindestens zweimal runtergehen und bei jedem Gang zwei Eimer mit jeweils fünf Steinen holen. Das sind an jeden Tag 20 Steine. Nach zehn Tagen werde ich schon 200 Steine oben haben, nach 100 Tagen 2000. Dumm ist, dass ich keine Ahnung habe, ob unten 2000, 3000 oder auch 5000 Steine liegen, aber wenn ich fertig bin, werde ich es schon merken. Gut ist, dass ich meistens nicht nur zweimal, sondern vier- oder fünfmal gehe, so dass es deutlich schneller geht. Schade ist, dass das bei der Masse von Steinen noch gar nicht auffällt. Prima ist, dass ich so unfassbar optimistisch bin.

Der rückenoperierte Gatte hat einen kurzen Termin im Kölner Krankenhaus und ich spaziere derweil über Bürgersteige mit buntem Laub und durch einen herbstlichen Park. Ich habe danach einen alten Baedeker's Reiseführer "England, Schottland, Irland" aus dem Jahr 1906, an dem ich bei einem Buchshop nicht vorbeigehen kann, und der Gatte hat ein "heilt sehr gut, braucht aber seine Zeit" und seine Reha-Unterlagen. Das ist alles prima.

Schon länger habe ich geplant, an diesem Donnerstag über Leipzig nach Chemnitz zu fahren und dort eine knappe Woche zu bleiben. Ich möchte in Chemnitz Museen besuchen und Ausflüge in die Umgebung und nach Dresden machen. Eine Eintrittskarte für Rainald Grebes "Weltmaschine" am Freitag in Halle habe ich auch schon an der Pinwand hängen. Das Stück habe ich vor einem Jahr bei der Premiere gesehen und große Lust, es nochmal anzusehen. Außerdem geht Rainald Grebe bei mir immer.

Doch dann gehen zu Beginn der Woche überall die Coronawerte unschön hoch, und weil die Fahrt auch von einem Mitfahrer abhängt, der bei Freunden übernachten will, weil nicht garantiert ist, dass wir uns bei wechselnden Kontakten nicht gegenseitig anstecken könnten, und weil es wenig Spaß macht, durch die Gegend zu laufen, wenn alles eingeschränkt ist, sagen wir die Fahrt am Mittwochmittag kurzfristig ab. Nicht schlimm, aber um die "Weltmaschine" ist es schon schade. Ich rufe im Theater an, um die Karte für den Freitagabend freizugeben. Da kann zumindest ein anderer noch den Platz in der ausverkauften Vorstellung haben.

Anstatt Sightseeing und Theaterbesuche im Osten zu machen, bleibe ich im Westen und nehme mir die Haustür vor. Die möchte ich unbedingt vor dem Winter neu streichen. Leicht anschmirgeln, dann Vorstreichfarbe drauf und in den Tagen danach zweimal Lack aufrollen. Denke ich. Schon beim Anschmirgeln, das viel mehr Kraft braucht, als ich erwarte und viel weniger Abrieb erreicht, als ich möchte, sehe ich einige Lücken und Spalten im Holz, die ich erst noch mit Spachtelmasse ausbessern muss. In einige Ecken komme ich kaum mit dem Schmirgelpapier und im unteren Teil der Tür lassen sich Restlackstücke auch mit einem kratzenden Schraubenzieher nicht abschaben. Es ist echt anstrengend. Dann fängt es auch noch an zu regnen. Puh, geht doch nicht "mal schnell".

Am nächsten Morgen fahre ich früh zum Baumarkt und hole gröberes Schmirgelpapier. Damit klappt es deutlich besser. Ich mache letzte Ausbesserungen, lasse alles trocknen, schmirgel nochmal drüber, klebe mühsam die vier kleinen Fensterchen ab und pinsel die Tür mit Vorstreich-Lack. Die Farbe tropft, das Wetter hält. Na, geht doch!

In dieser Woche werden endlich die schon länger geblockten Termine für das TV-Projekt im November und Dezember festgemacht. Der erste Termin ist sogar noch im Oktober. Es geht dabei ums Puppenspielen, und ich habe keine spektakuläre Solo-Aufgabe, aber es werden konzentrierte, anstrengende, aber hoffentlich auch lustige Probe- und Drehtage werden. Beim Blick auf den Kalender sehe ich, dass es mit der vielen Zeit, die ich den ganzen Coronasommer über hatte, erstmal vorbei ist. Bis kurz vor Weihnachten läuft das TV-Projekt, der Januar und der Februar sind für ein Puppenbauprojekt reserviert, und den April und Mai blocke ich für meinen Garten. Das ist mir inzwischen wichtig. Im Frühjahr brauche ich Zeit, um fröhlich und ungestört im Garten zu werkeln und Wind, Wetter, Sonne und frisches Grün zu genießen. In diesem Jahr vermutlich auch, um Wege aus Pflastersteinen zu legen.

         
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