Blog 646 - 13.09.2020 - Affenklopfen, Leitershop und Goededag

Den Sonntag verbringe ich in der Eifel, wo ich staubend, schmutzend und sehr glücklich an meinem Stein herumklopfe. Puh, was für eine Menge Steinmaterial einfach weggehauen werden muss! Wieso vergesse ich immer, wie anstrengend das ist? Und wieso gehen die Wochenenden beim Steinhauerverein Weibern immer so schnell vorbei?

Auch diesmal werde ich mit meiner Figur nicht fertig. Das liegt aber nicht an meinem Arbeitstempo, sondern weil ich mehr machen will, als an einem Wochenende zu schaffen ist. Als eine Teilnehmerin sich ein Schleifgerät wünscht, mit dem schnell und effektiv alles überflüssige Steinmaterial entfernt werden könnte und ohne große Mühe das Ergebnis da wäre, denke ich, dass ein großer Teil des glücklichen Gefühls und der inneren Zufriedenheit doch daher kommt, dass die Figur langsam, mühsam und mit jedem entfernten Steinbröckchen mehr aus dem Stein herauskommt. Wenn ich mithilfe einer Maschine drei Figuren am Tag schaffe, geht deren Wert verloren. Nein, ich klopfe lieber.

Als ich einpacke, ist der Affe schon gut zu sehen, aber es sind noch viele Feinheiten und Details auszuarbeiten. Ich nehme ich mir vor, ihn entweder zuhause in den nächsten Monaten fertig zu machen, oder ihn im nächsten Jahr wieder zum Steinhautermin mitzuschleppen und dort zu Ende zu klopfen. Schöner fände ich, wenn er zuhause fertig würde, denn er ist ziemlich schwer und es wäre echt blöd, ihn wieder in die Eifel zu bringen.

Vom stundenlangen, gleichmäßigen Klopfen am Stein geht es sofort am nächsten Tag zum stundenlangen, gleichmäßigen Streichen der Hauswand. Der alte Gelbton wird mit hellem Grau überstrichen und der zweite Anstrich folgt am nächsten Tag. Es ist nicht nur ein Auf und Ab mit der Farbrolle, sondern auch von mir. Wie oft ich die Leiter hoch und runter muss, um sie in der Höhe zu verstellen oder den Standort zu wechseln, zähle ich lieber nicht mit.

Am Ende der Hauswand schließt sich noch ein kleiner Anbau an, der vorerst gelb bleibt. Den muss ich demnächst erst von nah wachsenden Büschen und trockenen Efeureste befreien, ehe ich ihn streichen kann. Der ist aber ein Klacks im Vergleich zur deutlich höheren Hauswand.

Endlich bearbeite ich auch die seit Jahren von außen abgeblätterten Holzrolladen, die ich selten von außen und von innen nur gut erhalten sehe. Ich schmirgel die losen Farbteilchen ab und streiche die Holzlamellen. Zur Freude der Nachbarn, die immer von außen auf die Rolladen blicken. Danach streiche ich die Fensterumrandung in einem dunklen Grauton und staune selber, wie neuwertig alles aussieht.  

Bei einer Arbeit an der anderen Hausseite müssen wir wechselnde Bereiche über den Treppenstufen erreichen können. Im Lauf der Zeit haben sich bei uns verschiedenste Arten von Leitern für unterschiedliche Zwecke angesammelt. Mal brauchen wir eine kleine Klappleiter, mal eine hohe Anstellleiter. Oder eine hohe Klappleiter und eine kleine Anstellleiter. Auf einmal lache ich los, denn vor der Haustür sieht es plötzlich aus wie bei einer Leiter-Verkaufsausstellung. Zum Glück kommen keine Passanten vorbei, die sich interessiert umsehen und nach den Preisen erkundigen.

Am Samstagmorgen beginnt mein nächster Wochenendkurs. Diesmal: "Niederländisch für unterwegs". Ich brauche gar kein Niederländisch. Ich habe nicht mal vor, demnächst in den Niederlanden unterwegs zu sein. Versteh einer meine Logik. Trotzdem möchte ich gerne Grundbegriffe und vor allem die Aussprache lernen. Meine hoffnungsvolle Vorstellung, dass ich hauptsächlich die "g" als "ch" und alle Kombinationen mit "ji" irgendwie als "ei" aussprechen und dabei wie Rudi Carrell klingen muss, zerfällt schon in der ersten halben Stunde in sehr unterschiedlich ausgesprochene ai, ei, eei, eiii, ü, und öi. Um nur einige zu nennen. 

Niederländisch zu lesen ist recht gut machbar, aber es gesprochen zu verstehen und selber richtig zu sprechen ist tricky. Nach sechs Stunden Kurs wirbeln die jij und ü durch mein Hirn und ich kenne schon den "Stofzuigen", den "Staubsauger". Das Wort werde ich, sobald ich unterwegs in den Niederlanden sein werde, sicher häufig anbringen können. Ansonsten gilt: "Het gaat goed met mij, bedankt" (Danke, es geht mir gut.) Aber auch: "Ik heb een vraag ..." Heute findet der zweite Teil des Kurses statt. Nach Angabe des Dozenten wird der einfacher. Ich mag, dass er so viel Humor hat.

         
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