Blog 645 - 06.09.2020 - Streichwahn, Raupenfrisur und Steineklopfen

Die Kellertreppe und den Gang muss einen zweiten Anstrich bekommen. Das klappt gut, alles hält und es sieht aus, als ob der riskante Vorstrich mit dem unpassenden Farbenmix keine Auswirkungen hat. Glück gehabt! Eine weitere Woche Trocknungszeit mit nur vorsichtigem Begehen des Bodens auf Strümpfen liegt vor uns, dann können die Regale wieder aufgestellt und eingeräumt werden. Das ist vor allem gut, weil dann die in anderen Räumen abgestellten Tüten, in denen die Sachen liegen, die in die Regale gehören, wieder weggeräumt werden können.

Kaum habe ich im Keller gestrichen, betrachte ich die fleckige Eingangstreppe vor dem Haus mit kritischem Blick. "Soll ich die nicht auch mit Betonfarbe streichen?", frage ich den Gatten. Ohne langes Überlegen entscheiden wir uns für "Ja" und völlig spontan für die Farbe "Anthrazit". Häh? Nie vorher haben wir darüber nachgedacht, die Eingangstreppe zu streichen und niemals kam nur die Andeutung eines Gedanken, dass sie fast schwarz sein könnte. Gibt es so einen dunklen Farbton überhaupt bei den Zementbodenbeschichtungen? Eine Stunde später blättern wir absichtslos in einem Baumarktprospekt und sehen, dass es "Betonlasur" im Angebot gibt. Ich habe noch nie von Betonlasur gehört. Aber es gibt sie in "anthrazit" und ich fahre sofort los und hole sie. Das nenne ich mal eine schnelle, unüberlegte Entscheidung. 

Ich beginne zu streichen und denke noch: "Na, hoffentlich gefällt mir das nachher auch!", aber schon bei der zweiten Stufe bin ich vom neuen Farbton überzeugt. Vermutlich hatten wir die ganzen Jahre eine verwunschene Treppe, die äußerlich hell war, aber eigentlich einen dunklen Farbton haben sollte. Ping - nach zweimaligem Lasieren ist sie erlöst und sieht so aus, wie sie sein soll.

Gerade habe ich fertig gestrichen, da wird die Treppe schon betreten. Die Testerin, die plötzlich - woher auch immer - auf einer Stufe entlang läuft, ist eine wunderliche Raupe. Oben ist sie knallgelb, an den Seiten hat sie feuerrote Punkte, ein schwarzes Horn steht auf dem Rücken und den Kopf bedeckt eine wilde Haarmähne. Ich bin sehr fasziniert, vor allem, wenn sie anhält und sich mit ihrem wilden Haarschopf umsieht. Im Internet lerne ich, dass es die Raupe der Pfeileule ist, die später ein grauer, völlig unscheinbarer Nachtfalter wird.

An die letzten Efeureste an einer Hauswand, die schon lange auf ihre Behandlung warten, inzwischen aber auch komplett durchgetrocknet sind, gehe ich endlich mit einem Mini-Flammenwerfer. Es britzelt und kokelt, danach kann ich die festgeklammerten Efeufasern mit einer Drahtbürste weitgehend entfernen. Ich habe nicht nur Respekt vor der Gasdose und der Gasflamme, sondern passe auch auf, der Dachdämmung nicht nahe zu kommen. So ein kleiner Schwelbrand unterm Dach würde weitreichende Renovierungsarbeiten nach sich ziehen - falls es danach noch etwas zum Renovieren gäbe. 

Als das Efeu weg ist, verputze ich kleine Bohrlöcher in der Hauswand, entferne am Boden Zweige und kleine Gewächse, damit die Leiter überall hingestellt werden kann und säge die letzten Reste des morschen Apfelbaumes um. Zwei Seiten des Hauses sind schon seit zwei Jahren mit Fassadenfarbe gestrichen, in der nächsten Woche ist die dritte dran. So blöd die Coronazeit auch ist, ich nutze sie.

Vor dem Hauswandstreichen mache ich aber ein Wochenende lang Urlaub. Es geht zwei Tage in die Eifel, wo ich beim Steinhauverein Weibern aus einem dicken Stein durch geschicktes Wegklopfen einen kleineren Stein in Figurenform bekommen kann. Ich möchte einen Affen machen. Zuerst denke ich, dass ich schon mal einen sehr kleinen Affen auf einem großen Stein sitzend gemacht habe und darum nicht nochmal einen Affen machen sollte. Aber dann finde ich, wenn ich mehrere Steine mit Affen in meinem Garten haben möchte, sollte ich das einfach machen. Nach den ersten zwei Stunden mit Hammer, Meißel und Muskeleinsatz ist der Affe schon zu sehen. Zumindest von mir. Und ich bin ziemlich glücklich. Das macht schon gewaltigen Spaß.

         
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