Blog 642 - 16.08.2020 - Tätigkeitsfelder, Poenichen und Paul

Immer öfter habe ich Lust, mal wieder zu illustrieren, am liebsten eine eigene Geschichte. Ich finde aber nicht die innere Ruhe, um einfach anzufangen. Die Abwart-Stimmung der Coronazeit scheint mich noch zu bremsen. Andererseits suche ich mir momentan genug Tätigkeitsfelder, beziehungsweise ich suche sie nicht, sie sind da.  

Im Keller streiche ich den "schon immer" dunkelbraun gestrichenen Schrank taubenblau, was ihm und dem silbergrauen Boden gut steht.

Der festsitzende alte Wasserhahn, über dessen Auswechslung ich mir vorher große Sorgen machte, lässt sich nach einer Nacht mit Kalklösertränkung einfach rausdrehen und der neue Wasserhahn problemlos eindrehen. An der Wand verputze ich die letzten Stellen, dann streiche ich alles, was noch gestrichen werden muss - und meine Original-Fünfzigerjahre-Dusche, der Original-Fünfzigerjahre-Trog, mein taubenblau gestrichener alter Schrank und das neue Fenster strahlen in der frisch renovierten Waschküche und "laden zum Verweilen ein", wie es in TV-Renoviersendungen immer so schön blöd heißt. Bei mir laden sie immerhin zum Duschen ein. Oder zum Verweilen unter der Dusche. Hach, ich liebe die Dusche mit ihrem bunten Kachelmix, die wir beim Einzug so übernommen und unverändert gelassen haben.

Meine immer noch im Bauzustand befindliche Katze bekommt niedliche Reißzähnchen und betonte Augen. Ein Unterlid gefällt mir aber nicht und ich muss in Ruhe überlegen, wie ich das ausgleichen kann. Da wird mir aber etwas einfallen. Zeit zum Weiterbauen finde ich gerade nicht, denn abends bin ich nach dem ganzen Renovieren oft zu müde, um noch ein Stündchen dranzuhängen. Macht ja nichts, ich baue zum Spaß und nicht für einen Termin.

 

Wenn es möglich ist, schauen der Gatte und ich seit einigen Wochen täglich in einer gemeinsamen Kaffeepause eine DVD-Folge einer Serie. Nachdem wir "Lukas" mit Dirk Bach sehr genossen haben und Dirk Bach seitdem noch mehr vermissen, sehen wir uns jetzt durch "Jauche und Levkojen" und "Nirgendwo ist Poenichen". Der Mehrteiler mit Ulrike Bliefert in der Hauptrolle lief in den Achtzigerjahren und hat uns damals schon sehr gefallen. Bis heute können wir die Titelmelodie summen, die sich damals tief in unsere Erinnerung gebrannt hat. Jeden Tag freuen wir uns darauf, wie es weitergeht. Im letzten Jahr war ich bei einer Lesung von Ulrike Bliefert und ich finde sowohl ihre jüngere als auch ihre ältere Ausgabe klasse.

Bei den Kaninchen gibt es Tragödien und Neuigkeiten. Nachdem nach vielen gemeinsamen Jahren mit seiner "Mausi" der Senior "Toni" im letzten Jahr als Witwer zurückblieb, bekam er zwei junge Kaninchenmädel aus dem Tierschutz als neue Begleiterinnen. Er fand das prima, die beiden Damen aber hatten Probleme miteinander. "Hanni" jagte "Mona" immer wieder herum und machte auf großen Boss. Es gab keine Beißereien, aber Unruhe und die beiden Damen lagen selten friedlich nebeneinander.

Toni kriegte von allem nicht viel mit, freute sich, dass mal die eine, mal die andere junge Dame bei ihm saß und er nicht mehr alleine war. Er war schon alt und ein bisschen klapprig, darum war es nicht verwunderlich, dass er an einem Tag plötzlich kaum noch fressen wollte und am nächsten Tag friedlich starb. Drei Tage später aber lag unerwartet auch Mona tot im Gehege, was mit Schrecken vermuten ließ, dass der gerade massiv umlaufende Kaninchenvirus RHD2 der Auslöser gewesen sein könnte. Dann wäre wahrscheinlich auch Hanni betroffen. In der Zeit danach blieb Hanni fit und munter, was bedeuten kann, dass Toni doch altersgemäß gestorben ist und Mona unerwartet und plötzlich, zufällig kurz danach - wie das bei Kaninchen vorkommen kann.

An diesem Mittwoch hat Hanni endlich ihren Impftermin und ist danach bereit für einen neuen Partner. Schon am nächsten Nachmittag gibt es überraschend ein passendes Kaninchen beim Tierschutz, das ich am Freitagabend abholen kann. Ui, das bedeutet unerwartete Arbeit. Den ganzen Freitag verbringe ich mit dem eiligen und arbeitsintensiven Ausbau des Innengeheges - was eigentlich erst für den Herbst vorgesehen war -, damit die dominante Hanni in einer ungewohnten Umgebung etwas schüchterner wird und es genug Platz zum Aus-dem-Weg-gehen gibt. Kreissäge, Stichsäge, Akkuschrauber - ich messe, säge, trage, schwitze, schraube fast ohne Pause ... dusche abends kurz in meiner Dusche-zum-Verweilen und fahre das neue Kaninchen "Paul" holen. Es verbringt die Nacht in einem Käfig im Gehege, so dass sich beide Tiere schon riechen, aber noch nicht nähern können.

Am nächsten Morgen ermahne ich Hanni eindringlich, dass sie nett sein soll und setze die Kaninchen zusammen. Sie sind hochaufgeregt, aber doch sehr aneinander interessiert.

Nach einigen Stunden Aufregung, Umeinanderkreisen, Weglaufen und Zurückkommen benehmen sie sich plötzlich wie ein schon lange zusammenlebendes Paar, lecken sich die Ohren und liegen entspannt nebeneinander. Da scheinen sich zwei gefunden zu haben.

Auch wenn die beiden noch ihre persönliche Rangordnung finden müssen, was temperamentvoll werden wird, weil sich beide nicht die Butter vom Brot, oder besser die Möhre vom Kohlrabiblatt nehmen lassen, gehe ich davon aus, dass sie ein harmonisches Paar werden. Hoffentlich für viele Jahre.

         
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