Blog 641 - 09.08.2020 - Sommerhitze, Maybebopkonzert und kein Meer

Es ist wieder heiß. Bei bis zu 38 Grad steht die Hitze und ich bin froh, dass es sich nur um einige Tage mit hohen Temperaturen handelt und nicht um einen so langen Zeitraum wie im letzten Jahr. Dabei wundert mich immer wieder, dass der Lavendel, der gerüchteweise ja wunderbar im heißen Südfrankreich lebt und Spaß hat, in meinem Garten auch schon bei mittleren Temperaturen ständig gegossen werden muss, um nicht zu vertrocknen.

Ebenso sensibel ist die angeblich anspruchslose Felsenbirne, die an kargen Autobahnrändern grünt, Ödland bewächst und bei mir nach zwei Wochen Sommer mit fast täglichem Gießen schon Herbst spielt und demonstrativ ihre Blätter verliert.

Der weggehauene Essigbaum schiebt weiterhin über sein unterirdisches Rest-Wurzelstrangsystem viele kleine Essigbäume ans Licht. Momentan reiße ich die Ableger nur aus. Im Herbst, wenn ich auch den zweiten Essigbaum absäge und damit ein zweites Wurzelsystem zum Durchdrehen animiere, werde ich mich durch einige Beete und eine Grasfläche hacken müssen, um möglichst viele Wurzeln zu entfernen. Das wird harte Arbeit werden, fürchte ich.

Auch wenn ich mich ständig beschäftige und bewege, roste ich langsam ein. Mir fehlen lange Schritte am Stück. Als es nicht so heiß ist, mache ich kurzentschlossen einen kleinen Spaziergang, bei dem ich reizenden Schafen begegne, die mich vermutlich ebenfalls fotografieren würden, hätten sie ein Smartphone.

Im Kellerraum ist der Boden inzwischen komplett gestrichen und die Farbe getrocknet. Ein Wasserhahn an der Wand muss noch ausgetauscht werden, und ich hoffe, der etwa 40, wenn nicht sogar 60 Jahre alte Anschluss lässt sich ohne größere Probleme austauschen und führt nicht zu einer zwingend notwendigen Neuinstallation der Wasserleitungen.

Am Freitagabend macht "Maybebop" ein Onlinekonzert. Abgesehen von der coronabedingten Übertragung per Internet ist das Besondere, dass an diesem Abend der frühere Bass Sebastian bei einigen Liedern dabei ist. "Bässer wird's nicht" ist darum der gelungene Titel der Show. Ich bin rechtzeitig eingeloggt, aber erst läuft der mitgebuchte Chat nicht, dann verzögert sich der Konzertbeginn, weil der Server nicht mitmacht. Die allermeisten Zuschauer nehmen es mit Humor und geben bei Youtube und im dann doch laufenden Chat nette Kommentare ab. Von Maybebop gibt es kurze Infos, dass am Problem gearbeitet wird, dann einen neuen Link, dann die Meldung, dass das Konzert gleich über Youtube laufen wird - und dann klappt die ursprünglich geplante Verbindung auf einmal. 

Mit 45 Minuten Verspätung geht es los, und auch wenn ein "richtiges" Konzert damit nicht zu ersetzen ist, ist die Liveatmosphäre erstaunlicherweise gut zu spüren. Es fühlt sich nah, authentisch und sehr "live" an. Eine DVD ist in Ton, Bild und Schnitt durchdachter und perfekter, aber ich finde das Gefühl, in diesem Moment mit dabei zu sein, unerwartet besser. Maybebop vor der Kamera, die Zuschauer in ihren Wohnzimmern, zum Teil mit Chips und Partystimmung - prima! Besonders die alten Lieder mit der Stimme von Sebastian, sowie die Lieder mit beiden Bässen, finde ich sehr berührend. Wenn die Maybebopper in engen Harmonien oder leicht jazzig singen, finde ich sie sowieso großartig.

Im Anschluss gibt es den Livechat mit Zuschauern und fünf Maybebops, die in der Garderobe sitzen. Der Videochat hat eine eigene Komik, weil bei einigen der zugeschalteten Zuschauer der Ton nicht funktioniert, so dass sie verzweifelt in die Kamera gucken, hilflos lächeln und pantomimisch mit den Händen wedeln. Trotzdem ist es gut, denn die Maybebopper sind aktiv, fragen gezielt, erzählen und singen sogar noch Wunschlieder an. Technisch muss sich bei Onlinekonzerten noch einiges verbessern, aber wenn es so persönlich rüberkommt, ist es - zumindest in Coronazeiten - eine Alternative zu vor-Ort-Konzerten.

Meine immer noch nicht ganz fertige Klappmaulkatze steht im Arbeitszimmer, das unter dem Dach liegt und in dem es viel zu heiß ist, um momentan zu arbeiten, und am Videorechner sitze ich momentan auch nicht, weil ich so viel anderes mache. Ich würde so gerne ans Meer fahren oder in einem See schwimmen. Andererseits habe ich keine Lust, in dichtem Menschengedränge zu sein. Da bleib ich dann doch lieber Zuhause, gieße den Garten, bringe den alten 16mm-Film zum Umkopieren, wechsel endlich den Fahrradschlauch und hoffe, dass sich im nächsten Jahr einiges normalisiert und einpendelt.

         
Blogübersicht
 nächstervorheriger