Blog 639 - 26.07.2020 - Siebter Stock im Keller und keine Sommerferientage

"Ich muss dringend mal Ferien machen!", denke ich, als ich im Garten nach einem Mittagsschlaf aufwache und in flirrendes Grün, blauen Himmel und blitzende Sonne gucke. Das hört sich zunächst verwirrend an, ist aber ernsthaft gedacht, denn ich mache den Mittagsschlaf nicht aus reinem Vergnügen, sondern weil ich nach den Arbeitsstunden am Vormittag müde bin und am Nachmittag weiterarbeiten möchte. Das viele Aufräumen und Renovieren ist zwar gut und richtig, aber ich muss darauf achten, dass der Sommer nicht vorbei geht, ohne dass ich ihn auch mal in Ferienlaune genossen habe. Einfach mal rumsitzen und stundenlang lesen, schreiben oder illustrieren. Sommerferien eben.

Immerhin bauen der Gatte und ich in dieser Woche ein uraltes Kellerfenster aus und ein neues ein. Das ist auch eine der Arbeiten, die wir seit sehr vielen Jahren vor uns her schieben und jetzt endlich angehen. Das alte Fenster ist seit mehr als zwanzig Jahren undicht und das neue Fenster wartet schon seit zwei Jahren im Nebenraum auf seinen Einsatz. Der kommt jetzt - auch für das Fenster - überraschend. 

Beton wegklopfen, altes Fenster ausbauen, neues Fenster einsetzen, ausschäumen, verputzen, nochmal verputzen, streichen, nochmal streichen, Vorhänge nähen - fertig. Also nicht ganz so schnell, es dauert dann doch ein bisschen, aber wenn ich mal dranbleiben kann, läuft es.

Den Blick aus unserem Kellerfenster finde ich schon immer großartig. Weil wir am Hang wohnen, schaue ich von dort an meinen Weinpflanzen vorbei weit über tief unten liegende Pferdeweiden bis hin zum Horizont, wo die ersten Eifelhügel zu sehen sind. Ein Ausblick wie aus dem siebten Stock eines Hochhauses. Dabei stehe ich in meinem Keller. Verrückt. 

Draußen streiche ich das lange Geländer zum zweiten Mal mit schwarzem Metalllack und freue mich, dass es jetzt fertig ist und fast wie neu aussieht. Das hat sich gelohnt! Und anstatt mich dann mit einem Buch in den Liegestuhl zu legen, kaufe ich noch mehr Farbe und streiche den halben Boden des Kellerraumes mit Betonfarbe. Die andere Hälfte des Bodens folgt, wenn die erste Hälfte zweimal gestrichen und durchgetrocknet ist und die Schränke von der einen Seite auf die andere geschoben werden können. Wenn das mal nicht Herbst wird, ehe ich draußen im Garten im Liegestuhl sitze! Vermutlich in warmer Jacke und mit Glühwein, dem verpassten Sommer hinterherjammernd.

Zumindest eine entspannte Freizeitbeschäftigung habe ich. Spät abends, wenn ich eigentlich ins Bett gehen sollte, mache ich "nur mal kurz" einen Zwischenstopp am Arbeitstisch, stelle Licht und Musik an und werkel ein bisschen an meiner Katze weiter. Draußen ist es dunkel und ruhig, das einzige Licht leuchtet über meiner Arbeitsfläche, ich höre WDR4, "Musik zum Träumen", eine abendliche, eher altmodische Sendung, bei der ich seltsamerweise sofort hellwach und gut gelaunt bin, und aus dem "kurz" wird meistens eine Stunde.

Kein Wunder, dass ich am nächsten Morgen, wenn ich früh aufstehe, etwas müde bin. Und logisch, dass ich mich mittags hinlege. Gerne im Garten. Mal sehen, ob ich da noch eine vernünftige Mitte finde, damit ich nicht nur erledige und arbeite, sondern auch Ferien mache.

Vermutlich fällt mir das in diesem Jahr nicht so leicht, weil der Gatte Homeoffice macht und ich es als unfair empfinde, wenn er im Wohnzimmer sitzend Telefonkonferenzen machen muss, während ich lesend im Garten sitze. Wenn er in einigen Wochen Urlaub hat, wird er vermutlich viel Freizeit haben, während ich Kisten sortiere und die linke Hauswand streiche - was ich in diesem Jahr wirklich noch schaffen möchte. Wenn ich vorher die Efeureste entfernt habe. Oh je.

         
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