Blog 638 - 19.07.2020 - Frickelige Handarbeit und ungeplantes Essen

Am Freitagmorgen fällt mir auf, dass ich überhaupt noch nichts gemacht habe, über das ich am Sonntag im Blogbericht schreiben könnte. Was habe ich denn nur die ganze Woche lang gemacht? Ich überlege eine Weile, da fällt mir ein, dass es erst Dienstagmorgen ist. Mein Zeitgefühl verrutscht, weil ich fast immer zuhause bin und die Tage sehr ähnlich sind. Alle beginnen morgens - ich räume um, auf und weg, hacke, grabe, gieße -, und enden abends. Im Kalender stehen nur selten Termine, die mich an einen anderen Ort bringen. Zum Glück fällt mir dabei nicht die Decke auf den Kopf. Ich fühle mich ein bisschen wie in Ferien auf einer kleinen, wenig bewohnten Insel.

Im Arbeitszimmer wartet seit Monaten der halbfertige Kater. Es ist noch einiges an ihm zu tun, und ich beschließe, zwischendurch immer mal ein Stückchen weiterzumachen. Steter Tropfen höhlt den Stein, stetes Werkeln macht den Kater. Außerdem ist es schön, an einer Figur zu arbeiten und dabei eine kleine Persönlichkeit kennenzulernen.

Die Katerhände gehören zu den wenigen Teilen, die schon fertig vernäht sind. Blöderweise habe ich mir vor einigen Monaten - nach Beginn des Katerbauens - vorgenommen, dass ich jetzt grundsätzlich in alle neugebauten Hände Drähte einsetze, damit sich die Finger biegen lassen, und dass alle Hände einen Einsatz für einen Spielstab bekommen. Die Puppen sind damit für vielfältige Spieleinsätze vorbereitet, auch wenn ich selten Finger biegen muss und meistens ohne Spielstäbe spiele.

Mein Einwand, dass die Hände doch schon vernäht sind und ich sie einfach so lassen könnte, weil der Kater ja auch früher angefangen wurde als ich meine Entscheidung getroffen habe und überhaupt ... lasse ich nicht gelten. Bequemlichkeit ist kein Grund. Seufzend begebe ich mich an das Sägen und Schleifen der Metalleinsätze, eine Tätigkeit, die ich nicht gerne mache, biege Drähte, öffne die Hände, schneide den Schaumstoff, stopfe und klebe. Nachträglich in fertige Hände Drähte und Einsätze einzubauen, ist blöd und eine frickelige Arbeit. Ich würde gerne motzend über mich und meine blöden Grundsätze herziehen, könnte mich dabei aber hören und sag darum lieber nichts. Nun ja, später werde ich mal froh sein, dass alles eingebaut ist. Und spätestens wenn die letzte Naht geschlossen ist, werde ich die Entscheidung genau richtig finden.

Meine acht Traubenstöcke sind unterschiedliche Sorten von Tafeltrauben. Sie sind hell, rosé, dunkelrot, klein, groß, rund, länglich - je nachdem. Das hat den Vorteil, dass ich im Idealfall acht verschiedene Geschmacksrichtungen habe, im Normalfall, dass zumindest einige Sorten im betreffenden Jahr toll wachsen. Sie reagieren im Frühling nämlich unterschiedlich auf Frost, Regen und Trockenheit.

In diesem Jahr gibt es drei Pflanzen ohne Trauben, zwei mit nettem Fruchtbehang und drei mit sensationellen Traubenmassen. In meinem Ratgeber steht, dass ich nur wenige Traubenbündel hängen lassen soll, damit diese dann umso süßer, dicker und besser werden. Aber hallo? Ich schneide doch keine Trauben ab! Vor allem nicht, wenn es so gigantisch aussieht! Außerdem gehe ich selbstverständlich davon aus, dass die alle süß, dick und lecker werden. Und wenn nicht: Lieber mittelsaure Trauben, als diesen Anblick zu verpassen.

Auch sonst beginnt jetzt der Garten den Speiseplan mitzubestimmen. Lust auf ein bestimmtes Essen? Nix da! Ich mache eine Runde durch den Garten und komme mit dem Mittagessen wieder rein. Es gibt zwei Salatgurken, eine Handvoll Stangenbohnen, vier Erbsenschoten, ein Kürbis und zweieinhalb Tomaten. Von jedem zu wenig für ein eigenständiges Gericht, aber wie wär's mit Gemüsepfanne? Und morgen wieder "was mit Zucchini"?

Auch die Kartoffeln werden bald fertig sein. Vor kurzem hatte ich im Vorgarten ein freies Stück Erde, das noch nicht fest bepflanzt werden soll und im Keller einige wild keimende Kartoffeln. Es war eigentlich schon zu spät für das Setzen von Kartoffeln, aber wo sie nun mal da waren und die zwei Quadratmeter Erde frei waren ... Jetzt habe ich einen Mini-Acker, über den ich mich freue. Demnächst gibt es Gemüse-Kartoffel-Pfanne. Vermutlich ziemlich oft.

Damit ich auch mal wieder richtig kreativ bin, beginne ich spontan zu malen und stelle auch gleich öffentlich aus. Das Werk heißt: "Geländer mit Neuanstrich", ist glänzend schwarz und stinkt nach Metalllack. Es ist unverkäuflich.

Meine vorherige Schätzung, dass ich etwa eine Stunde Streicharbeit für "die paar Meter Geländer" brauche, übertreffe ich locker. Drei Stunden dauert es und ein zweiter Anstrich wird auch noch verlangt. Aber egal. Das ist eine der Arbeiten, die ich seit mehreren Jahren - geschätzt zehn - vor mir her schiebe, weil es entweder regnet, zu kalt oder zu heiß ist, ich keine Lust oder Termine habe. Jetzt passt mal gerade alles. Bei allen Nachteilen, die Corona hat - die Zeit, die ich für mich habe und die vielen "Baustellen", die ich in aller Ruhe bearbeiten kann, sind unerwartet guttuend.

         
Blogübersicht
 nächstervorheriger