Blog 637 - 12.07.2020 - Nasenkarten, Retro und Filmpremiere

Ausmisten, Kisten öffnen, Teil für Teil rausholen und entzückt aufseufzen ("Ach, jaaa!") oder verwirrt gucken ("Häh?") oder nachdenklich anstarren ("Woher ist das denn?") und dann schnell entscheiden, ob es weggeworfen wird oder in eine der neuen themenbezogenen Kisten umzieht oder in die "Ich kann so schnell nicht entscheiden, was ich damit machen soll"-Kiste kommt. Hört sich kompliziert an, ist es auch. Aber immerhin wächst der Müllberg, was Ziel der Aktion ist und mich entlastet.

Allerdings bleibe ich eine Aufbewahrerin und werfe nichts weg, was noch in Ordnung ist und ideellen Wert hat. Dazu gehören die meisten Sachen, die aus früherer Zeit sind. Wie könnte ich eine der "Nasenkarten" wegwerfen, bei der das Profil einer Person aus einer Kette gebildet wird, die mit einem kurzen Schwung ihre Lage verändert und neue Persönlichkeiten bildet, was ich als Kind lustig fand.

Oder die alte Broschüre zur Verkehrserziehung, die ganz nach den Sechziger Jahren aussieht und noch mit Schreibschrift untertitelt ist.

Oder den Etikettenbeschrifter aus den Achtziger Jahren, bei dem ich sogar überlege, ob ich ihn wieder verwende, weil seine Etiketten so schön "retro" sind. Es ist eine Art früher, handbetriebener 3D-Drucker, denn die gedruckten Buchstaben sind leicht erhöht. Da kann man ihn ja wohl 3D-Drucker nennen ... na ja, was eben 3D früher mal war.

Ganz besonders freue ich mich, als ich einen alten Filmstreifen finde, nach dem ich seit Jahren in Schränken und Schubladen gesucht habe. Er liegt unerwartet in einer Kiste zwischen vielen Fotos und Negativstreifen, staubsicher in einem alten Zigarrenkistchen verpackt. Auf dem kurzen Film sind meine Großeltern bei ihrer Hochzeit zu sehen, was für mich schon aus persönlichen Gründen großartig ist. Dass der 16-mm-Filmstreifen aus dem Jahr 1939 und dazu in Farbe ist, macht ihn auch filmgeschichtlich interessant.  

Früher war das Umkopieren aufwendig und teuer. Inzwischen können alte Filme gut digitalisiert werden, und das habe ich damit vor. Vielleicht ist der kurze Streifen nur 30 Sekunden lang, aber 30 Sekunden lang Oma und Opa bewegt und in Farbe zu sehen, viele Jahre vor meiner eigenen Geburt, das finde ich schon klasse. Außerdem glaube ich, dass die Aufnahme noch niemand in meiner Familie gesehen hat, vermutlich nicht mal meine Großeltern. Das ruft nach einer Filmpremiere mit Sekt und Schnittchen.

         
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