Blog 630 - 24.05.2020 - Tomaten, Turnschuhe und Rosenbogen

Es regnet immer noch nicht. Weil meine zwei Tomatenpflanzen in der sonnig trockenen Erde etwas vor sich hin mickern, entschließe ich mich, sie in Eimer umzusetzen. Da kann ich sie wirksamer gießen und vermutlich gefällt ihnen das. Weil die Idee so toll ist, kaufe ich gleich noch drei weitere Tomatenpflänzchen. Als ich die fünf Eimer mit eingetopften Tomatenpflanzen vor mir stehen habe, fällt mir auf, dass ich keinen passenden Ort für sie habe. Da, wo Platz ist, haben sie den halben Tag lang Schatten - je nach Standort vormittags oder nachmittags -, da, wo es viele Stunden Sonne gibt, sind Durchgangsstellen, die ich nicht mit Tomaten zubauen kann. Na, prima. Ich bin echt die Tomaten-Queen.

Da die Tomaten jetzt praktischerweise in Eimern sind, könnte ich sie jeden Tag zweimal umstellen und damit der Sonne hinterhertragen, aber ich bin ja nicht blöd. Suchend laufe ich im Garten herum und finde schließlich einen Platz, wo sie sich elegant am Wegesrand aufhalten und relativ viel Sonne abbekommen können. Wenn sie gut wachsen, kann ich demnächst im Vorbeilaufen ernten und Tomaten essen. Wenn sie supergut wachsen, werden sie zu breit und ich komme ich nicht mehr vorbei.

Von meinen minikleinen Kohlrabi beißt jede Nacht jemand ein oder zwei Blätter ab, frisst sie aber nicht, sondern lässt sie im Beet liegen. Wer macht so was? Und warum? Auffressen wäre OK, aber abknabbern und liegenlassen? Irgendeine Hooligan-Ratte? Schnecken mit Sinn für Humor? Auf diese Art können meine Kohlrabi niemals groß werden.

Meine Kleidung ist überhaupt nicht altersgemäß, fällt mir mittendrin auf. Wann habe ich verpasst, den ordnungsgemäßen Weg für erwachsene Leute einzuschlagen? Muss ich mir Sorgen machen? Also nicht Sorgen, dass ich nicht in die Norm passe, sondern dass ich irgendwann doch das Bedürfnis nach Eleganz, Dauerwelle und Handtasche habe. Heißt es später im Altersheim: "Mit Turnschuhen kommen Sie hier aber nicht rein!"? Oder wie bei meiner Hochzeit, als ich in Jeans, Turnschuhen und Mickey-Mouse-Bluse im Kölner Rathaus nach dem Weg zum Trauzimmer fragte, und der Herr an der Information mich anblökte: "Sind Sie die Trauzeugin, oder was?" und ich süß zurückflötete: "Nein, die Braut."

Für den Garten gibt es einen neuen Rosenbogen, der bei mir allerdings zum Brombeerbogen wird. Reine Brombeerbögen scheint es nicht zu geben, aber ich will da auch im Gartencenter keine Diskussion beginnen. Der neue verzinkte Bogen ersetzt das alte Billigteil, das inzwischen mehr von den Ranken der Brombeere gestützt wird, als dass es die Brombeere stützt. Den Zusammenbau und das Aufstellen des stabilen Stahlgestells mache ich alleine, was wegen der Höhe des Bogens und der schweren Bauteile etwas mühsam ist, dann aber doch klappt.

Langsam merke ich, dass die Kreativzellen in meinem Hirn aus ihrer ungewohnten Ruhe erwachen. Nach der intensiven Arbeit für das Theaterstück und der Neuaufnahme des Puppenstücks kam ihnen der Corona-Stopp wohl genau richtig, um mal die Füße hochzulegen und vor sich hin zu dösen. Jetzt zucken sie immerhin schon hin und wieder, dürfen aber noch Pause machen. Die Coronazeit bringt mich dazu, lang wartende Abreiß-, Aufräum- und Bau-Projekte endlich mal umzusetzen, und ich bin mehr als gut beschäftigt. Das passt gerade alles gut.

In der Warteschleife steht immer noch das kurze Videoprojekt, bei dem es nach meiner Vorarbeit nicht weitergeht, weil ich das Grundmaterial noch nicht bekomme. Bis es soweit ist, mache ich einfach an anderen Ecken weiter.

          
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