Blog 628 - 10.05.2020 - Cabriogänge, Videoschnipsel und Abstandsregeln

Die erste Anschaffung nach der Fertigstellung des Daches sind zwei 500-Liter-Wassertonnen zum Regenwassersammeln. Die vorher große 200-Liter-Tonne sieht daneben plötzlich niedlich aus. Jetzt fehlt nur noch Regen. Dass ich beim Reinbeugen in die großen Tonnen nicht mal bis zum Grund komme, lässt die Frage aufkommen, wie ich dann die letzten Wasserreste rausholen will. Aber erstmal muss es genug regnen, damit ich das beantworten kann. Vielleicht wird es lustig.

Im neuen Gehege buddeln sich die Kaninchen mit viel Energie ein verzweigtes Gängesystem. Weil ich den Boden nach unten mit Drahtgitter abgesichert habe, kommen sie nicht tief. Das scheint sie nicht zu stören. Munter laufen sie gut sichtbar durch ihre nach oben offenen Cabriogänge. So ganz sinnvoll ist das nicht, denke ich, aber immerhin sind sie beschäftigt und gut gelaunt. Vermutlich denken sie ähnlich über mich, wenn ich Gras mähe oder Äste häcksel.

Das kleine Videoprodukt, an dem ich gerade sitze, erfordert weiterhin viele Stunden Vorarbeit. Nachdem ich noch weitere alte Videos auf passende Szenen durchsucht habe, bearbeite ich alle ausgewählten Einzelszenen genauer und passe sie schon ungefähr an ihre spätere Größe an. Das werde ich alles noch genauer machen müssen, wenn ich demnächst mit dem eigentlichen Video loslegen kann, aber das Material zum Gestalten ist jetzt vorbereitet. Später wird man den etwa drei Minuten Endprodukt nicht mehr ansehen, wie viel Arbeit darin steckt. Aber nicht nur Arbeit - auch erinnern, lächeln, grinsen und lachen.

Im Garten stelle ich fest, dass ich von der oberen Terrasse aus nicht mehr in die Eifel sehen kann. Nicht die Eifel ist weg, sondern der freie Blick zum Horizont. Die Büsche und Bäume sind so groß geworden, dass sie dicht und grün im Blickfeld stehen. Einerseits schade, aber wenn die Sommer weiterhin so heiß werden, ist mir der Schatten, den die Bäume werfen, lieber, als der weite Blick. Ich kann mich ja immer noch in Lücken quetschen und mal eben in die Ferne schauen. Nur eben nicht mehr sitzend am Tisch.

Inzwischen ist mir klar, warum mich die Corona-Einschränkungen nicht sehr treffen. Für mich ist es ganz normal, viel zuhause zu sein, am Schreibtisch zu sitzen, kreativ zu arbeiten oder im Garten zu werkeln. Dass keine Termine im Kalender stehen, bringt mir nur noch mehr Ruhe, die ich gerade genieße. Was mich nervt, sind jammernde Menschen. Ich verstehe, wer Sorgen hat, weil die ganze Existenz auf dem Spiel steht. Aber Leute, die nach diesen wenigen Wochen schon jammern, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt, dass die Kinder nerven, dass sie in Urlaub fahren wollen, mit Freunden in den Biergarten gehen, in den Freizeitpark .... Hey! Was wir hier gerade privat aushalten müssen, ist NICHTS. Weichei-Jammern im Luxus.

"Ich will Freiheit!" Ja, toll. Ich auch. Aber ich will momentan nicht, dass mir andere Menschen zu nah kommen, dass sie vielleicht keine Masken tragen, dass sie mich anatmen oder anhusten oder anfassen. Ich will den Abstand haben, um mich vor Idioten zu schützen, die selber nicht auf Abstands- und Hygieneregeln achten. In diesem Frühjahr gibt es kaum Grippe- und Magen-Darm-Infekte, was zeigt, wie gut Abstandhalten und Händewaschen vor Ansteckung schützen. Ich vertraue da gerne auf Wissenschaft, Virologen und gesunden Menschenverstand. Wenn man die momentanen Maßnahmen schon nicht aushält, wie belastbar ist man dann im Notfall? Die ersten Lockerungen zeigen sofort wieder einen Anstieg der Infektionen. Ein bisschen Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenreißen wird doch wohl gehen.

          
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