Blog 339 - 26.10.2014 - Puppen, Hape, Gayle und Freiheit!

Was für eine Woche! Sie ist übervoll mit schönen Sachen und ich kann einfach nicht anders, als gut gelaunt dauerzulächeln. Das Glück beginnt mit einer improvisierten Spielleiste, die jetzt mitten im Wohnzimmer und damit ziemlich im Weg steht, und an der ich in perfekter Spielhöhe mit meiner bisher einzigen Handpuppe üben kann. Nicht nur, dass die Puppe nicht die ideale Größe hat, auch ohne Seminarleiter Bodo Schulte ist das nicht ganz so effektiv. Niemand ruft mir zu: "Achte auf die Schrittlänge! Jetzt fang nochmal an und mach eine kurze Zäsur, ehe du dich umdrehst!", aber ich habe seine Korrekturen noch im Ohr und achte verstärkt selber darauf. Ach, gäbe es doch einmal im Monat einen regelmäßigen Übungstermin für Puppenspieler, bei dem der scharfe Seminarleiterblick die eingeschlichenen Fehler entdeckt und neue Aufgaben für den nächsten Monat gibt!

Mein Glück geht weiter mit dem Basteln an der ersten Puppe für mein Probestück. Als der Kopf aus Schaumstoff fertig geschnippelt ist, finde ich, dass er nicht zum gewünschten Charakter passt. Ich möchte einen älteren, höchstens mittelschlauen König haben, der Kopf sieht aber plötzlich jung und viel zu feinsinnig aus. Völlig egal. Es macht Spaß, und ich mache den jungen Helden erstmal fertig und kann an ihm gleich das Nähen von Ober- und Unterkleid üben. Dafür habe ich nämlich nur eine ungefähre Größenangabe und muss mich an das Idealmaß heran schneidern. Wenn er fertig ist, kann ich mit ihm probieren, ob er gut spielbar ist, oder ob ich bei weiteren Puppen etwas ändern sollte. Ohne Farbton sieht er wie eine Künstlerpuppe in einem modernen Stück aus. Das wird sich ändern, ich will es bunt.

Für mich persönlich ganz großes Glück ist die Lesung von Hape Kerkeling. Als ich im Mai 2006 in seiner Lesung von "Ich bin dann mal weg" saß, und er ganz ruhig erzählte, dass er nach dieser Reise verändert war und andere Dinge wichtig wurden, traf mich wie ein Blitz die Erkenntnis, dass ich jetzt endlich mal mein Kinderbuch mache. Für das hatte ich seit vielen Jahren nie genug Zeit gefunden, aber die würde ich mir jetzt nehmen! Am gleichen Abend habe ich mit dem Buch angefangen, und trotz meiner Unkenntnis des Buch-machen-Ablaufes und meines Vorsatzes es ganz alleine und auf jeden Fall ohne Verlag zu machen, hatte ich nie den kleinsten Zweifel, dass ich es durchziehen würde. Hape hatte mich angestoßen und ich würde nicht stehen bleiben. Herausgekommen ist das Giraffenbuch und ein neuer Weg im Leben, der mit inzwischen fünf Kinderbüchern, vielen Lesungen und inzwischen auch Puppenspielen zu tun hat. Jetzt sitze ich in der Lesung seines neuen Buches, weiß, dass der Weg genau richtig war und denke glücklich: "Danke, Hape!"

Es ist schön, ihn mal wieder zu erleben, auch wenn die Veranstaltung eine straff organisierte Promotour ist. Aber ich mag ihn sehr, schon seit seinen ersten Fernsehauftritten, und schätze an ihm, dass er nicht nur eine umwerfend komische Seite hat, sondern auch ein nachdenklicher, empfindsamer Mensch mit Herz ist. Außerdem ist er seit 2006 das einzige "Ehrenmitglied für ganz besondere Verdienste, die zur Gründung des gurkentee-Verlages führten", was er allerdings nicht weiß. Wenn er irgendwann einmal für 20-jährige Ehrenmitgliedschaft eine Plakette bekommt, wird er sich wundern! Sein Buch "Der Junge muss an die frische Luft" ist übrigens auch klasse, wenn auch keine einfache und durchgehend lustige Lektüre. Aber eine liebevolle, warmherzige Beschreibung seiner nicht immer lustigen Kindheit.

Gleich nach der Lesung fahre ich noch bei Gayle Tufts vorbei, die ich nach ihrer Vorstellung in der Kölner Comedia wenigstens noch kurz begrüßen möchte. Ihre Show "Love" habe ich Anfang des Jahres in Berlin schon besucht, hätte es aber an diesem Abend sehr gerne noch einmal gemacht, wenn nicht Hape aus seinem Buch gelesen hätte. Sie freut sich, dass ich extra vorbei komme, auch wenn es ohne Showbesuch und nur kurz ist. Momentan habe ich sie zuhause ständig auf dem Computerbildschirm, weil sie das letzte Cover me Konzert moderiert hat, aber es ist noch schöner, sie in echt zu sehen. Auch das Cover me Konzert ist im allerletzten Durchgang und wird bald fertig zum Berechnen sein, ein Zustand, der mich glücklich macht. Nicht so sehr, weil die Arbeit dann beendet ist, sondern vor allem, weil es dann eine bleibende Erinnerung an diesen Abend gibt, der so traurig, schön und wichtig war.

Noch ein persönliches Glück ist ein Abend im neuen Programm "Freiheit!" von Lars Reichow. Den finde ich klasse, und das neue Programm ist toll. Es geht um Freiheit, die ein ersehnter freier Tag sein kann, der Urlaub im Wohnmobil, das Ziel von Flüchtlingen im Boot auf dem Mittelmeer oder das zu tun, was man tun möchte. Lars Reichow nimmt das Publikum in alle Richtungen mit, ich lache viel, werde nachdenklich, und wenn er sanft singt, schmelze ich dahin und atme kaum noch. Auf dem Heimweg fällt mir auf, wie viel persönliche Freiheit ich mir in den letzten Jahren verschafft habe, so dass ich jetzt sehr unabhängig entscheiden kann, was ich gerade machen möchte. Wie zum Beispiel all das in dieser schönen Woche.