Blog 623 - 05.04.2020 - Mundschutz, Ab- und Aufbauen und Ideenbuch

Die Coronakrise geht mir an die Nerven. Nicht die Krise selber, sondern die Auswirkungen. Zuhause bleiben, Kontaktsperre - alles gut auszuhalten. Aber warum werde ich im Internet zugeballert mit Massen von gesungenen Liedern und schnell produzierten Videos? Ich habe gar nicht genug Zeit die alle anzusehen. Sie füllen die Internetseiten und ich scrolle und scrolle. Außerdem hätte aus Qualitätsgründen mindestens die Hälfte von ihnen lieber gar nicht erst gemacht werden sollen. Wenn ich noch einen dödeligen Kasperle sehe, der den Kindern bedächtig und superlangweilig den Coronavirus erklärt, haue ich vermutlich meinen Kopf fest gegen den Bildschirm. Wie schade, dass ich wohl viele richtig gute Sachen nicht sehe, weil ich inzwischen im Überangebot kaum noch gucke.

Weil es passieren könnte, dass im Supermarkt ein Mundschutz getragen werden sollte, setze mich an die Nähmaschine und nähe los. Ist ja nicht schlecht, wenn ich bei Bedarf sofort genügend Exemplare habe, um auch die Familie und Freunde zu versorgen. Mal sehen, wie lange die schon in die Jahre gekommene Nähmaschine durchhält. Damit ich mich langweilig vor mich hin nähe, lässt sie zwischendurch gerne mal den Faden reißen oder transportiert kurzzeitig den Stoff nicht mehr weiter. Am besten würde ich sie wohl mal auseinander nehmen, säubern und ölen. Ich habe allerdings die Vermutung, dass ich sie danach nicht mehr ordnungsgemäß zusammengebaut bekomme. Also lieber nicht.

Mein Abholtermin bei Ikea für die bestellten Regalteile ist da. Ich fahre hin, stelle mich auf einen der ausgeschilderten Parkplätze, erreiche beim zehnten Versuch jemanden an der angegebenen Telefonnummer, gebe meine Bestellnummer und die Parkplatznummer an und warte im Auto. 15 Minuten später werden zwei Rollwagen neben mein Auto geschoben und ich kann einladen. Kontaktloses Einkaufen. Selber einkaufen im Möbelhaus macht mir mehr Spaß, aber ich bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt.   

Zuhause baue ich das Regalsystem im früheren Kaninchenstall auf und räume die ersten Sachen ein. Coole Sache! Endlich kann ich den Raum wieder sinnvoll nutzen. 

Im Garten ist der Frühling ausgebrochen, und es ist so viel zu tun, dass ich mir keine Gedanken über anderweitige Spaziergänge machen muss. Ich laufe an der frischen Luft herum, schleppe Äste mit mir, hacke, grabe und habe mehr Bewegung als ich brauche. Andere Spaziergänger gibt es in meinem Garten nicht, es ist die perfekte Isolier-Umgebung.

Zwischen Regalbauen, Nähen und Gartenwerkeln beginne ich mit dem Ideensammeln für das nächste Kinderbuch. Die Grundidee habe ich schon länger im Kopf, aber ich weiß noch nicht, ob es sehr lustig oder doch spannend wird, ob ich mich kurz halte oder einen Kinderroman schreibe, viele oder wenig Bilder haben möchte. Gibt es einen oder mehrere Hauptdarsteller, ist eine der geplanten Nebenpersonen die Oma, die Tante oder die Nachbarin? Das Heft wird viele ungeordnete Ideen aufnehmen können und mir den Kopf frei halten, weil ich alles sofort notieren und dann vergessen kann. Da ich in den nächsten Wochen gar keine Zeit und Muße zum Schreiben habe, kann ich ohne Druck einfach mal sammeln. Die ersten drei Seiten mit der Grundidee sind schon mal voll.

Nach einem Umzug ins Pflegeheim muss 100 km entfernt eine Wohnung ausgeräumt werden. Die meisten Sachen sind schon verpackt, aber Schränke und eine große Schrankwand müssen auseinandergenommen werden. Nur wenig wird wiederverwendet. Wer stellt sich heute schon eine alte Schrankwand ins Wohnzimmer? Viel Kleinkram kann in ein Sozialkaufhaus, aber der Rest muss demnächst zum Sperrmülltermin raus. Wir hoffen, dass der Sperrmüll dann auch noch abgeholt wird. Sicher ist das momentan nicht.

Am Ende der Woche habe ich viele Stoffmasken genäht. Einige davon haben eine Lücke zum Einschub von Filtern, eine Verbesserung, die mir als Idee mitten im Nähen kam. Die ersten Masken sind schon weg und ich vermute, ich brauche noch mehr. Darum nähe ich erstmal weiter. So lange die Nähmaschine hält. Oder so lange ich noch Faden auf der Spule habe. Der wird nämlich auch weniger.

          
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