Blog 622 - 29.03.2020 - Gartenquarantäne, Pläne und Rauputz

Coronakrise und strahlender Frühling - das passt nicht wirklich gut zusammen. Es ist alles unrealistisch, und obwohl ich keine Angst oder gar Panik habe, mag ich doch nicht sehen, dass Leute mit Atemschutzmasken und Handschuhen durch den Supermarkt gehen und die Kassengänge mit Plastikplanen abgehängt sind. Andererseits fühle ich mich sofort unangenehm bedrängt, als die Frau hinter mir beim Auflegen aufs Kassenband bis fast an mich heranrückt. Den Abstand möchte ich jetzt schon gerne haben. Nur wenn wir uns alle sozial verhalten, wozu jetzt auch sozialer Abstand gehört, kommen wir möglichst gut durch die Krise. Aktueller Stand in Deutschland: 57.695 Infizierte, 433 Tote. Weltweit: 664.695 Infizierte, 30.847 Tote.

Dabei kann ich gar nicht meckern, denn ich lebe weitgehend so, wie ich sowieso im April und Mai leben wollte: Ich bin wenig unterwegs und habe wenig Sozialkontakte. Das brauche ich zwischendurch, um den Kopf frei zu bekommen. Der Gatte macht Homeoffice, was gut klappt und nicht nervt, und die Söhne machen ihre eigene Quarantäne in ihren eigenen Wohnungen. Alle sind gesund und bis jetzt auch finanziell nicht von Coronaauswirkungen bedroht. Schade ist, dass mein Puppenstück gerade lief und jetzt schon wieder ruhen muss, aber das ist im Vergleich zu vielen richtigen Problemen, die andere haben, völlig egal.

In meiner Gartenquarantäne trage ich weiter Steine den Hang hoch und klopfe sie dort fest. Irgendwann komme ich am Ende der kleinen Terrasse an, baue eine erste Treppenstufe, lege die Randsteine und kehre Split in die Fugen. Blumentöpfe, Bank und Tisch drauf - fertig. Die Katze setzt sich sofort auf die Bank und findet es prima.

Vergleichsfotos mag ich. Darum hier: Vorher - Nachher. 

Durch die Coronakrise wird auch der schon länger geplante Umzug meiner Schwiegermutter in ein Pflegeheim unerwartet komplizierter. Es könnte passieren, dass die Pflegeheime, die schon ein Besuchsverbot haben, vor dem Umzugstermin komplett geschlossen werden und keine Aufnahme mehr möglich ist. Die polnischen Pflegekräfte, die sie bisher betreut haben, können aber demnächst wegen der Reisebeschränkungen nicht mehr zuverlässig kommen. Der Termin kommt näher, und zum Glück dürfen wir, ausgerüstet mit Mundschutzmasken, sogar noch einige Kleinmöbel und Wäsche ins Zimmer bringen und dort einräumen. Auch der Umzug am nächsten Tag klappt gut. Dass sie jetzt aber gar nicht besucht werden darf, ist schon heftig. Zum Glück gibt es das Telefon, das aber in dieser Situation nur ein notdürftiger Ersatz ist. Trotzdem sind wir froh, dass es geklappt hat. Für viele Familien werden die fehlenden polnischen Pflegekräfte in den nächsten Wochen zum großen Problem.

Kaum ist der Umzug abgeschlossen, gehe ich an meinen nächsten Plan. Wobei ich Pläne immer nur als ungefähre Richtungsangabe mache, denn es kommt ja meistens anders. In diesem Fall möchte ich aus dem früheren Kaninchen-Innenstall die verdrahteten Türen entfernen, zwei durchgerostete Metallböden herausschrauben und durch neue ersetzen und das Regal danach selber nutzen. So der Plan.   

Das Metallregal habe ich vor mehr als zwanzig Jahren selber zusammengeschraubt und mit Kaninchendrahttüren versehen, und ich bin stolz, wie stabil das alles immer noch ist. Leider so stabil, dass ich es nicht mehr auseinander kriege. Die Schrauben sind eingerostet, und beim Versuch sie rauszudrehen, bewegen sie sich entweder gar nicht oder brechen ab. Außerdem sehe ich, dass nicht nur zwei der Metallböden defekt sind, sondern fast alle und überhaupt das ganze Regal nicht mehr gut aussieht. Planänderung: Das Regal muss komplett raus.

Auseinanderschrauben geht nicht. Kurzentschlossen greife ich zu Hammer, Trennschleifer und Gewalt. Dafür, dass das Regal in großen Teilen durchgerostet ist und einige Böden schon dicke Löcher haben, bewegt sich erstaunlich wenig. Der Gatte hilft schließlich mit und mit doppelter Gewalt und viel Mühe lässt sich das Regal nach einiger Zeit in größeren Teilstücken raustragen. Ich klopfe blätterige Reste der letzten Farbschicht von den Wänden, entferne ein lose hängendes Teilstück des Deckenputzes samt Dämmung und fege durch. Der Plan: Wände und Decke weiß streichen, das Stück mit der fehlenden Dämmung nicht verputzen, sondern ebenfalls schnell mit Farbe überstreichen.

Als ich Farbe auf die Wand rolle, löst sich sofort die restliche Farbschicht, die vorher noch fest wirkte und nicht blätterte. Immer mehr trockene Farbstückchen kleben an der Rolle und setzen sich beim Streichen erneut an die Wand, und schon nach zwei Metern Farbverteilung sieht es aus, als ob ich inzwischen Rauputz auftrage. Nur an der Decke, am Stück mit der fehlenden Dämmung bleibt die Farbe gar nicht haften, stattdessen setzen sich dort die Dämmfasern vom Rand an die nasse Rolle und werden in Massen rausgezogen. Planänderung: Das Deckenstück wird doch verputzt, die Wände kratze ich nochmal ab, damit wirklich alle losen Farbreste weg sind.

Mit einer dünnen Lage Putz fixiere ich die Fasern der Deckenverkleidung. Das klappt recht gut. Der Putz trocknet zwar nicht in der angegebenen Zeit, aber das könnte daran liegen, dass die Packung seit vielen Jahren angebrochen im Keller liegt. Wird schon. Die Wände schabe ich mit einem Spachtel ab, woraufhin an einigen Stellen nicht nur die letzte Farbschicht, sondern auch der Unterputz bröckelig rieselt. Ach, nö! Daraufhin muss ich den gesamten Raum erstmal mit Tiefengrund streichen und trocknen lassen. Der neue Plan: Am nächsten Tag alles weiß streichen, dann Regale kaufen, aufbauen, einräumen - äh, ... Moment, ... das Holzregal, das ich haben möchte, gibt es bei Ikea und Ikea hat wegen Corona geschlossen. Ich erfahre, dass ich bei Ikea per Internet bestellen kann und dann einen Termin bekomme, an dem ich die Sachen vor dem Möbelhaus mit dem Auto abholen kann. Ich bestelle und bekomme den Abholtermin: Am nächsten Dienstag.

Am nächsten Morgen rieselt kein loser Putz mehr. Nur die frisch verputzte Stelle an der Decke ist immer so feucht, dass ich mit dem Finger Muster reindrücken kann. Na, der Putz war ja schon etwas älter, da reagiert man nicht mehr so schnell. Immerhin sind die ersten Millimeter an den Rändern trocken, das gibt mir Hoffnung, dass irgendwann alles durchgetrocknet sein wird. Ich setze die Farbrolle an der Wand an, und sofort lösen sich durch die Nässe die Reste der letzten Farbschicht, die sich vorher nicht mal mit dem Spachtel abkratzen ließen. Na, super! Aber da muss ich jetzt durch. Frustriert streiche ich eine Wandseite. Um mich herum rieseln frisch angestrichene Wandfarbebröckchen, die Rolle setzt sich damit zu und nimmt keine Farbe mehr auf, und das Ergebnis sieht nach unprofessionell aufgetragenem Rauputz aus. Bei jedem neuen Darüberrollen lösen sich weitere Bröckchen und es ist gar nicht möglich, die Wand komplett weiß zu streichen, weil immer wieder alte Farbe abgelöst wird und den Untergrund freilegt. Das macht keinen Spaß! Überhaupt keinen! Fast zufällig greife ich zu einem Pinsel und stelle fest, dass ich damit Farbe auftragen kann, ohne die alte Farbschicht abzulösen. Mit der schnell drehenden Rolle geht das gar nicht, mit dem langsamen, sanften Pinsel ist es viel mühsamer, ergibt aber ein akzeptables Ergebnis. Wieder was gelernt.

Am Ende ist aus dem früheren Kaninchenstall ein zukünftiger Lagerraum geworden. Vor der seltsamen Rauputzwand werden demnächst Regale stehen, der Deckenputz ist schon halb trocken und alles sieht freundlich aus.

So viel zu Plänen und ihren Änderungen. Aus den geschätzten zwei bis drei Stunden des ersten Plans sind drei Tage geworden. Immerhin bleibt in der Corona-Ich-bleib-Zuhause-Quarantäne genügend Zeit für so etwas.

          
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