Blog 620 - 15.03.2020 - Vorbereitungen, Tätigkeiten, Absagen

So richtig Zeit habe ich momentan nicht zum Pflastersteinpuzzeln, denn ich stecke zwischen den Vorbereitungen einer Geburtstagsfeier und recht viel Aufräumpotential in Haus und Garten. Immerhin kann ich zwischendrin mal etwas Split aufschütten und einen ersten Probekreis legen. Daran kann ich sehen, wie breit die Fugen werden und wo ich mit dem Mittelstein beginnen muss, damit ich ganz genau bis zum seitlichen Mauerrand komme. Hach, das macht schon Spaß!

Auf meiner To-do-Liste stehen aber auch andere Sachen. Zum Beispiel muss ich losfahren und einige Meter schwarzen Stoff kaufen. Den brauche ich für die improvisierte Bühnenleiste, hinter der wir bei der anstehenden Geburtstagsfeier die Klappmaulpuppennummer spielen werden. Einige meiner Puppen brauchen dafür noch Spielstäbe und in den Händen Metalleinsätze. Da werde ich in der nächsten Woche sägen, schleifen und kleben. Üben muss ich auch noch, damit ich die Texte auswendig kann und weiß, wann ich mit welcher Puppe von wo kommen muss. 

Auch die Katze beschäftigt mich unerwartet. Sie macht es spannend und schleppt sich, nachdem sie eine Nacht und einen ganzen Tag nicht auftaucht, mühsam mit einem lahmen Bein nach Hause. Katzenkampf? Im Drahtzaun hängengeblieben? Vom Baum gefallen? Sie rollt sich auf einer Decke ein und schläft viele Stunden. Wasser, Futter und die Katzentoilette werden gereicht. Wenn ich zwischendurch neben ihr sitze, maunzt sie jämmerlich. Was will sie mir sagen? "Mein Bein tut so furchtbar weh, bitte hilf mir doch!" oder "Jetzt lass mich doch einfach mal in Ruhe und hau ab!" Am nächsten Tag steht sie auf, humpelt nur noch leicht und geht mit mir raus in den Garten. Sie bewegt sich etwas vorsichtig, aber es geht erstaunlich gut. Na, prima!

Am nächsten Tag macht sie einen ausgiebigen Mittagsschlaf, kann danach aber plötzlich ihr Bein wieder nicht belasten und schleppt sich auf ihre Decke. Da werden wir morgen als Notfall zur Tierärztin fahren müssen. In der Nacht steht die Katze auf, läuft plötzlich fast normal und will sofort raus. Also doch kein Notfall. Am nächsten Morgen kommt sie kurz rein und ist danach verschwunden. Den ganzen Tag lang kommt sie nicht mehr, was sehr ungewöhnlich ist. Normalerweise ist sie fünf oder sechs Stunden weg und kommt dann erstmal wieder. Auch am Abend ist nichts von ihr zu sehen. In der Nacht regnet es. Ich gehe mehrfach im Dunkeln mit der Taschenlampe herum und rufe nach ihr. Was ist, wenn sie inzwischen wieder nicht mehr laufen kann und irgendwo im Regen liegt? Oder ein Hund sie in diesem Zustand erwischt hat? Vor achteinhalb Jahren ist sie uns zugelaufen und zu einem geschätzten, schnurrenden Mitbewohner geworden. Da mache ich mir schon Sorgen. 

Am nächsten Morgen bin ich unausgeschlafen und die Katze ist seit 24 Stunden verschwunden. Ach menno! Mit ihrem lahmen Bein. Und bei dem Regen. Das sieht gar nicht gut aus. Kurz darauf geht der Gatte in den Keller und hört ein leises Maunzen. Ich öffne eine Tür und die Katze kommt schnell aus einem Kellerraum und wirkt sehr froh, dass wir endlich die Tür aufgemacht haben. Sie ist warm, trocken, ausgeschlafen und läuft fast normal. In den Raum habe ich gestern sehr früh etwas gestellt und dann die Tür hinter mir zugemacht. Dass die Katze mit reingeschlüpft ist, habe ich nicht gemerkt. Hach! Gute Laune bei allen.

Erleichtert gönne ich mir in Gesellschaft der Katze eine kleine Pflasterrunde. Ich habe nicht wirklich Zeit, beziehungsweise, andere Sachen warten, aber zumindest kann ich den Mittelpunkt ausmessen und dann alle Steine des Probekreises zur Seite räumen ... Und dann kann ich eigentlich noch ein wenig weiteren Split aufschütten.... und glatt verstreichen ... und wenigstens den kleinen Mittelkreis legen ... und dann auch noch die zweite Reihe ... und die dritte beginnen .... Am Ende der Woche habe ich "zwischendurch" viel geschafft. Frische Luft ist außerdem total gesund!

Dann sagen wir die für das nächste Wochenende anstehende Geburtstagsfeier ab. In Zeiten der beginnenden Corona-Pandemie, in der jetzt jeder vermeidbare persönliche Kontakt gestrichen werden sollte, erscheint es riskant, eine Feier zu veranstalten, bei der das Geburtstagskind 80 wird und die meisten Gäste um die 80 sind. Bis jetzt habe ich überlegt, was wir für die Feier und das Essen wann brauchen und wo was bestellt werden muss, ab sofort geht es um Streichungen und Abbestellungen. Auch die für das Wochenende angesetzte Puppenprobe fällt weg.

Der Corona-Virus ändert viel. Schulen und Kitas schließen, das öffentliche Leben friert ein und der Gatte muss vorerst zuhause bleiben und Homeoffice machen. Lesungen an Schulen kann ich nicht machen und auch mein gerade frisch laufendes Handpuppenstück wird erstmal nicht zu Vorstellungen reisen. Es ist erst der Anfang der Pandemie und ich hoffe, es hilft bei der Entwicklung deutlich, wenn jeder darauf achtet, dass er sich und andere möglichst schützt. Aktueller Stand an diesem Samstag: In Deutschland mehr als 3000 Infizierte und 5 Todesfälle. Wobei es viele Erkrankte gibt, die nicht wissen, ob sie einen grippalen Infekt oder Corona haben, weil sie gar nicht getestet werden. Die Dunkelziffer wird viel höher liegen.

Auch wenn für mich persönlich die Gefahr gar nicht so hoch ist, ist es schon ein unheimliches Gefühl, dass in vielen Geschäften einige Produkte leergekauft sind. In unserem westlichen Luxusleben kommt das sonst nicht vor. In meinem privaten Luxusleben erhält der Gatte weiterhin Gehalt, auch wenn die Firma wegen Corona eingeschränkt arbeiten kann. Aber für viele Freiberufler, Künstler, Theater und Einzelhändler kann es eine Katastrophe werden. Ich denke auch an Studenten und Kleindienstleister, die ihre Miete nur durch ihre Jobs bezahlen können, und die jetzt erstmal kein Geld verdienen, weil ihre Arbeit nicht gebraucht wird. Da muss ein Gutschein-System eingeführt werden. Jetzt Gutscheine für Eintrittskarten/ Material/ Arbeitsleistung kaufen und die in den nächsten zwei Jahren nach und nach einlösen. Das würde JETZT unterstützen und den am stärksten Betroffenen mit Geld über die nächsten Wochen helfen.      

Was wäre erst los, wenn der Coronavirus nicht aus China kommend von Geschäftsreisenden, Touristen, Kreuzschifffahrern und Karnevalsfeierbesuchern weitergetragen worden wäre, sondern zuerst bei Flüchtlingen ausgebrochen wäre? Ich will es mir gar nicht vorstellen. Die rechten Hetzer würden geifernd auf allen Kanälen toben und dann wären die Atmosphäre und die Auswirkungen richtig katastrophal. Jetzt sind sie damit beschäftigt Klopapier und Nudeln zu bunkern, weil ein kleiner Virus viel gefährlicher für Bevölkerung, Leben und Wirtschaft sind als alle Flüchtlinge.

          
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