Blog 617 - 23.02.2020 - Muskelkater, Pflastersteine und Show-Medley

Aua, aua, aua! Muskelkater. So ziemlich überall. Nach einer recht langen Ruhephase probe ich jetzt nicht nur aktiv für das Handpuppenstück, sondern hacke zwischendurch auch mit einer Spitzhacke in der Erde herum, jäte kniend Unkraut und schneide Büsche klein. Da sind alle Muskelgruppen gefordert. Mal die oberen, mal die unteren, mal die seitlichen, mal die, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie habe. Einige von ihnen sind ziemlich empört, dass ich sie ohne Vorwarnung wieder nutze, und moppern rum. Ich verstehe sie. Es ist wirklich viel auf einmal. 

Im Rheinland bricht der Karneval aus und ich werde zur Taucherin. Nicht äußerlich mit Kostüm, sondern innerlich - ich tauche ab. Auch in anderen Jahren bin ich karnevalsmäßig nicht sehr aktiv, bei kleineren Sachen und einer großen, privaten Party aber durchaus gerne dabei. In diesem Jahr ist mir das alles zu viel. Ich brauche gerade keinen Input und keine Kommunikation, ich möchte Ruhe haben und alleine vor mich hin werkeln. Anstatt bei lauter Musik mit vielen Menschen fröhlich im Kreis zu hüpfen, probe ich ganz alleine sehr zufrieden mit den Handpuppen und werkel zwischendurch im Garten. Ich finde es gut, meine diversen Muskelgruppen sind weniger begeistert.

Beim Puppenstück habe ich einige Gänge und ein wenig Text geändert, was ich noch üben muss, damit ich beim Spielen nicht in die alte Version komme. Manchmal geht eine Figur noch reflexartig zur Seite ab, und während ich ihr hinterher gucke, denke ich: "Ach, nee, sie muss ja jetzt nach HINTEN!", wohin ich den Ausgang verlegt habe. Übrigens einer der Tipps meines Puppenspiellehrers Bodo Schulte, um mehr Abwechslung ins Bild zu bringen und die Tiefe der Bühne schöner auszunutzen. Mich selber hat das sofort überzeugt, meine Schulter, die sich jetzt bei jedem Auf- und Abgang weit nach hinten strecken muss, wundert sich noch. Momentan merke ich meine Arme sehr, vor allem, wenn ich mich intensiv um das Spielen kümmere und sie nicht zwischendurch entlaste. Manchmal tut auch der Rücken weh, weil ich so viel hochgucke und dabei ins Hohlkreuz gehe. Körperlich ist es wirklich fordernd, eine halbe Stunde lang mit zumeist zwei hochgestreckten Armen zu agieren. Beruhigend ist, dass ich eine Vorstellung jetzt schon gut durchspielen könnte. Noch beruhigender, dass der erste Auftritt - nach einem halben Jahr Spielpause - erst in zehn Tagen sein wird.

Im Garten zu werkeln mag ich, denn es bringt mir viel innere Ruhe. Meinen Häcksler mag ich auch, obwohl er - trotz des Prädikats "Leise-Häcksler" - recht laut ist. Die Arbeit ist anstrengend, denn ich muss erst alle abgeschnittenen Äste und Zweige zusammenschleppen und die vielen Seitenäste abschneiden, damit alles in die Häcksler-Öffnung passt. Aber dann freue ich mich, dass aus einem großen Berg abgeschnittener Äste ein erstaunlich kleines Häuflein Mulch wird. Ein Baumpuzzle sozusagen, das ich aber nicht wieder zusammenfüge, sondern im Garten verteile.

Dass ich während des Unkrautentfernens spontan auf die Idee komme, im Garten eine kleine Fläche pflastern zu wollen, lässt meinen Rücken große Augen machen. Er hat zwar keine, aber ich spüre es beinahe, wie er sie fassungslos aufreißt. Den Boden zu hacken und Pflastersteine zu schleppen, trainiert meiner Ansicht nach aber die Rückenmuskulatur, auch wenn die sich gerade sowieso überfordert fühlt.

Die Steine habe ich mal gebraucht gekauft und seitdem stehen sie gestapelt in einer Ecke. Es wird Zeit, dass ich sie verwende. Na ja, ich muss dann auch noch Split in Säcken kaufen und bis in den Garten schleppen und alles wird ganz schön anstrengend sein, aber gerade wenn ich mal Zeit für mich brauche und den Kopf frei bekommen möchte, ist Pflastern eine entspannende, fast meditative Arbeit. In den nächsten Wochen komme ich also öfter mal an die frische Luft, trainiere schleppend, hackend und Steine klopfend Rücken- und Armmuskulatur, und mache aus einer verunkrauteten Rasenfläche eine gepflasterte Sitzecke. Das sind ja wohl nur Vorteile. 

Eine weitere Aufgabe passt ebenfalls wunderbar in die freien Karnevalstage: Die Entwicklung einer kleinen Klappmaulpuppen-Nummer. Ein Geburtstagskind wünscht sich für Mitte März einen Auftritt, und ich stelle ein buntes Musik-Medley zusammen für viele Puppen, zwei Puppenspieler und zwei Nicht-Puppenspieler. Die Choreografie muss gut überlegt sein, damit die kleine Show mit den vielen Puppenwechseln locker funktioniert und nicht die kompliziertesten Stellen von den Nicht-Spielern übernommen werden müssen. Das hat im Vorfeld mehr mit Mathematik und Logik als mit glitzernder Show zu tun.

Es gibt Solo-Puppen und Chorsänger-Puppen, die von vier Personen mit insgesamt acht Händen gespielt werden. Vier der Hände können mit den Klappmaulpuppen gut synchrone Mundbewegungen machen, die andern vier sollten eher die einfacheren Parts übernehmen. Matheaufgabe: Verteile die Solo-Parts und die Chorpuppen so, dass immer eine bis acht Puppen auf der Bühne sind, gut gewechselt werden kann, die richtigen Puppen auf den richtigen Händen landen und eine flüssige, rasante Show rauskommt. Viel Zeit für gemeinsame Proben haben wir nämlich nicht, darum müssen der Ablauf und die Choreografie schon vorher bis ins Detail überlegt sein.

Zwölf Puppen übernehmen Hauptrollen, acht weitere sind Backgroundsänger. Beim Casting sind so viele Puppen, dass sogar gut geeignete auf dem Regal bleiben müssen, weil ich nicht alle einsetzen kann. Was für ein Luxus! Auch wenn ich mich gerade zurückziehe und vorwiegend allein bin - langweilig wird es mir nicht.

          
Blogübersicht
 nächstervorheriger