Blog 616 - 16.02.2020 - Brunch im Nachtclub, Hagel und Handpuppen

Am Sonntag startet zur Brunchzeit ein Krimidinner im Nachtclub-Milieu. Das sollte passender am Abend gespielt werden, vermutlich ist gerade in Nachtclubs am Tag nicht viel los, aber da wir mit acht Leuten kaum noch gemeinsame Abendtermine finden, treffen wir uns eben tagsüber zum Brunch. Das funktioniert gut und ist für das Essen - das ein wichtiger Bestandteil unserer Krimis ist - recht unkompliziert.

Da im Rheinland schon die üblichen Karnevalssitzungen dran sind, falle ich nicht weiter auf, als ich am Vormittag für den Nachtclub passend knapp bekleidet und dick geschminkt herumlaufe. Meinen Weg kann man allerdings gut verfolgen, denn meine Boa ist in der Mauser und ich hinterlasse eine Spur von roten Federn. Da hätten sich Hänsel und Gretel mal ein Beispiel dran nehmen und anstelle der Brotkrumen eine Federboa mit in den Wald nehmen sollen.

Am Abend gehe ich, deutlich bekleideter und mit weniger Farbe im Gesicht, zur Vorstellung "Glücklicher Türke aus Bodenhaltung" mit Serhat Dogan. Der steht genau auf der Bühne, auf der wir vor zwei Wochen die große Dernière der "12 Geschworenen" hatten. Ich sehe die rote Rückwand, habe sofort das Bild mit den Tischen und Stühlen im Kopf und ein wohliges Gefühl, weil es so schöne Erinnerungen sind. Serhat Dogan erklärt sehr treffend Unterschiede zwischen der deutschen und der türkischen Mentalität. Türkische Freude ist laut und überschwänglich, erklärt er, und sagt dann mit ruhiger Stimme: "Wenn Deutsche sich sehr freuen, dann sagen sie: 'Ich habe Pippi in den Augen'". Er holt tief Luft, schweigt und guckt anklagend den Raum. Ich kicher los, denn den blöden Satz höre ich oft, auch wenn ich ihn nie selber sage. Jetzt sitze ich allerdings im Kollektiv der "Deutschen" und bin mitgemeint. Egal, ich habe Spaß.

Der Winter ist bisher ausgeblieben und das Wetter ist nach dem sehr windigen Sturm "Sabine" wie im April. Sonne, Wind, viel Wind, Regen, Sonne, Hagel - ständig wechselnd.

Im Garten blühen die ersten Frühlingsblumen und heben sich farblich schön von den Hagelkörnern ab.

Bei Sonnenschein sind auch schon die ersten Bienen unterwegs. Es ist Mitte Februar!

Meine endlich wiederaufgenommenen Proben für das Handpuppentheater laufen unerwartet gut. Schultern und Nacken finden es etwas ungewohnt, aber die Muskulatur scheint sich noch an das Spielen vor einigen Monaten zu erinnern und macht alles mit. Ich hatte ein bis zwei anstrengende Probewochen mit überanstrengten Armen erwartet, aber ich kann fast schon durchspielen und mich dabei gut auf das Stück konzentrieren.

Jetzt habe ich auch den Kopf frei und Zeit genug, um noch einige Änderungen anzubringen. Bei den Taschentüchern zum Beispiel. Trotz vieler Proben ist es nie sicher, ob die Königin das Taschentuch sofort richtig greifen und dann passend halten kann. Wenn nicht, lässt es sich nicht korrigieren und sieht dann blöd aus. Das macht mir beim Spielen Stress und ich bin bei jeder Taschentuch-Szene angespannt. Angespannt zu spielen macht keinen Spaß.

Ich probiere einige Varianten mit anderen Taschentüchern, anderen Halterungen, größeren Taschentüchern, dünneren Taschentüchern, doch das Grundproblem bleibt. Ich möchte aber unbedingt, dass sich die Königin zwischendurch die Nase putzt. Die Lösung kommt plötzlich und ist ganz einfach: Sie nutzt dafür den Vorhang. Als rücksichtslose Königin macht sie so was. Die Kinder werden Spaß haben.

          
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