Blog 614 - 02.02.2020 - Bunte Farben, falsche Brillen und Alte Bekannte

Die Woche fängt ereignislos an. Das brauche ich jetzt aber auch mal, nachdem am Wochenende schon wieder eine Feier mit Buffet war. Alles ist gut geschafft, aber auch Vor- und Nacharbeit brauchen ihre Zeit. Ich spüle Geschirr, räume die Koch- und Backutensilien wieder in die Schränke und friere die Reste ein. Nach der konzentrierten Theaterspielzeit, die unterbrochen war durch eine etwas anstrengende Weihnachtszeit, ist meine Energie jetzt mal erholungsbedürftig. Am liebsten würde ich das Telefon ausstöpseln, die Klingel abstellen und nach Lust und Laune lesen, Tee trinken und rumhängen. Das ist aber noch nicht drin.

Spontan fällt mir eine Ergänzung unseres Ausflug-Programms für die "12 Geschworenen" ein. Anstelle des üblichen gemeinsamen Essens nach dem Abschluss einer Produktion, werden wir einen Ausflug in die Eifel machen. Mit einem weiteren Programmpunkt für den Tag wird der Zeitrahmen zwar etwas enger, aber ich kann mir vorstellen, dass der Vorschlag gut ankommt. Kommt er, wie die sofortigen Rückmeldungen auf meine Rundmail zeigen. Zu meiner Verwunderung lässt sich am zu besichtigenden Ort sogar der Wunschtermin für eine Führung buchen. Prima! Jetzt ist ein schönes Tagesprogramm organisiert. Der Ausflug selber wird erst im März sein.

An einem Spätnachmittag möchte ich "mal eben" nach Köln und dort auf die andere Rheinseite fahren, um einen Jupiter anzumalen. Das erweist sich als schwierig, was nicht am Jupiter liegt, sondern am Feierabendverkehr. Für die knapp 50 km brauche ich fast zwei Stunden und stehe weitgehend rum. Beziehungsweise sitze im Auto, während das rumsteht. "Du stehst nicht im Stau, du BIST der Stau", fällt mir in solchen Situationen immer sofort ein. Dass ich einen Jupiter anmale, hat mit Karneval und den Schull- und Veedelszöch zu tun, weniger mit mir. Zum Glück ist er nicht original groß und der Farbverbrauch überschaubar.

Am nächsten Tag setze ich mich an eine Einladungskarte. Meine Mutter feiert einen runden Geburtstag und die Gäste sollten langsam mal eingeladen werden. Dazu habe ich eine Karte versprochen. Das Geburtstagskind mag Hunde, Katzen, Vögel und Blumen, und darum bekommt sie eine Karte mit Hund, Katze, Vögeln und Blumen.

Mehrere Stunden sitze ich an der Illustration, dem anschließenden Aussuchen, Einscannen und Einfügen von Fotos, dem passenden Text und dem Zusammenstellen aller Einzelteile am Rechner. Wenn ich bei solchen Produkten einen Stundenlohn in Rechnung stellen würde, würden die Kunden glauben, die Karte sei zumindest mit Blattgold verziert. Dabei muss man nur mal die vielen Stunden zusammenzählen, bis gezeichnet, koloriert und alles druckfertig vorbereitet ist. Leute, die das nicht machen, oder die denken, alles sei mit wenigen Klicks am Computer gemacht, können das gar nicht einschätzen. Aber es ist ja auch schön, dass es von mir hin und wieder sehr exklusive Sonderanfertigungen gibt. Am Abend ist das Ergebnis in der Druckerei und ich kann "Einladungskarte Mama" abhaken.

Am nächsten Tag habe ich Kopfschmerzen. Zu lange mit falschen Brillenstärken auf den Bildschirm gestarrt und dabei zu schräg vor dem Computer gesessen, weil ich mit der falschen Brillenstärke ganz nah ranrücken und außerdem die Augen zusammenkneifen muss. Zwischendurch hatte ich auch mal die richtige Brille an, bin damit schnell die Treppe hoch gelaufen und habe sie oben liegengelassen, weil ich mit der Lesebrille beim normalen Gucken gar nichts sehen kann und fast auf der sehr unscharfen Treppe gestolpert wäre. Unten angekommen hatte ich dann keine Lust, wegen der vergessenen Brille nochmal nach oben zu gehen und habe "erstmal" mit der falschen weitergemacht. Das ungute Gefühl um die überanstrengten Augen herum versuchte ich lässig zu ignorieren oder mit Reiben über die Augen zu beenden.

Blöderweise sind die Kopfschmerzen hartnäckig und ich hänge den ganzen Tag daneben. Auch eine Kopfschmerztablette bringt keine Veränderung. Meine beste Idee ist, rauszugehen und vorsichtig im Garten zu werkeln. Dort scheint die Sonne frühlingshaft, die viel zu frühen Knospen fühlen sich wie im März und der Haselnussstrauch blüht. Ich bearbeite meinen Kräutergarten und schneide einige Büsche zurück. Danach ist die Biotonne halb voll, ich habe viel Sauerstoff geatmet und mir geht es etwas besser.

Am Abend habe ich leichte Restkopfschmerzen, werfe noch eine Tablette ein, fühle mich aber fit genug, um zum Konzert der "Alte Bekannte" im Bergheimer Medio zu gehen. Die sind mit ihrer "Das Leben ist schön"-Tour unterwegs, die ich wegen meiner Theaterproben und des selbst auferlegten Veranstaltungsstopps der letzten Monate bisher nicht besuchen konnte. Auch die CD habe ich noch nicht gehört, weil ich die Lieder zuerst unbefangen live hören möchte.

"Schön" ist nicht nur als Wort im Tournamen drin, schön ist auch, dass die Kopfschmerzen im Laufe des Abends fast verschwinden, dass mir das Konzert gefällt, dass ich mich entspanne und viel Spaß habe. Einige Lieder finde ich mit Text, Gesang und Arrangement sehr klasse, insgesamt ist es ein schönes, lustiges, abwechslungsreiches und durchgehend kurzweiliges Konzert, dem ich aufmerksam und gut gelaunt folge. Prima! Sogar die Wise Guys Lieder, auf die ich sonst lieber verzichten würde, weil sie mir mit anderen Stimmen wie von einer Coverband nachgesungen wirken, gefallen mir. Die Leichtigkeit und die Harmonie, die auf der Bühne zu spüren sind, kommen rüber. Hellwach und fröhlich komme ich in der Nacht zuhause an. Tagsüber leichtes Gartenwerkeln und am Abend "Alte Bekannte" als Mittel gegen Kopfschmerzen - von mir aus gerne!

          
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