Blog 605 - 01.12.2019 - Presse, Ortswechsel und Schrecksekunden

Nach dem erfolgreichen Premierenwochenende kann ich gelassen und entspannt in die neue Woche gehen. Meine zwölf Geschworenen haben konzentriert und eindringlich gespielt, und die Zuschauer waren von der ersten bis zur letzten Minute aufmerksam dabei. An manchen Stellen so gebannt, dass sie bewegungslos zur Bühne guckten und nichts von ihnen zu hören war. Kein Hüsteln, kein Rascheln, kein Atmen.

Die ganze Probezeit über war ich optimistisch, dass wir das, trotz der relativ wenigen Probetermine, bis zur Premiere hinbekommen. Auch wenn ich mich zwischendurch durchaus mal fragte, ob mein Optimismus überhaupt weiß, was alles schief gehen kann. Der blieb aber weiterhin sicher optimistisch, wie sich das für einen Optimismus gehört. Auch meinen Vorsatz keine einzige Zusatzprobe anzusetzen, konnte ich einhalten. Natürlich hätten wir mehr proben und uns noch intensiver mit uns als Gruppe beschäftigen können, aber vermutlich hätten einige Leute wegen der dann deutlich mehr aufzuwendenden Zeit gar nicht erst mitgemacht oder mitmachen können. War schon alles gut so.

Die Artikel in der örtlichen "Werbepost" und dem "Kölner Stadt-Anzeiger" über die Premiere sind ausführlich und sehr positiv. Acht Vorstellungen waren schon vor der Premiere ausverkauft, und die wenigen Karten, die es noch für zwei Januar-Vorstellungen gab, sind daraufhin auch sofort weg. Wir sind komplett ausverkauft. Jetzt häufen sich die Nachfragen nach Karten: "Ich wollte auch kommen und dachte, ich kann mir mit den Karten Zeit lassen ..." Wir könnten wohl problemlos noch mehrere Vorstellungen voll machen, aber terminlich sieht es schwierig aus, denn es sind insgesamt 14 Leute, die für eine Zusatzvorstellung am selben Abend frei haben müssten.

An meinem ersten probefreien Mittwochabend ist sofort ein Treffen für die nächste Erftstadt-Lesewoche im April 2020. Ich gehe hin, stelle aber ganz vernünftig die Weichen für das nächste Jahr, indem ich sage, dass ich nicht dabei sein werde. Im Jahr 2020 möchte ich gezielt an Puppenstücken arbeiten, vielleicht ein neues Kinderbuch beginnen und sehr viel in Garten und Haus sortieren, renovieren und Mengen von angesammelten Kram entfernen. Dazu brauche ich Zeit, die nicht ständig von Projekten unterbrochen sein darf.

Für das unmittelbar anstehendes Projekt "Buch für die Stadt" habe ich jetzt erst Zeit. In diesem Jahr wird "Lügnerin" von Ayelet Gundar-Goshen vorgelesen, und ich habe meine Vorbereitung dafür konsequent hinter das Premierenwochenende geschoben. Jetzt freue ich mich, dass ich mit Tee am Tisch sitzen und ein schönes Buch lesen kann, was als "wichtige Arbeitsvorbereitung" gilt. In der nächsten Woche lese ich an einem Abend zwar nur fünf Kapitel öffentlich vor, aber dazu sollte ich ja die ganze Geschichte und einige Hintergrundinformationen kennen. Zum Glück gefällt mir der Schreibstil gut, so dass es leicht sein wird, vorher noch mehrfach das Vorlesen "meiner Seiten" zu üben. Passend zur Lesezeit bekomme ich von einer Schweizer Freundin von ihr handgemachte Teebecher geschickt. Das passt.

Für das Problem der Kartennachfrage und der fehlenden Termine bei den "Geschworenen" findet sich spontan eine überraschende Lösung. Die letzte Vorstellung am 19. Januar wird von der "Kleinen Bühne" in das Anneliese-Geske-Haus verlegt, wo es einen schönen Konzert- und Kulturraum gibt, in den mehr als 200 Zuschauer passen. Unsere Dernière wird ein großes Finale auf großer Bühne werden. Als Abschluss der zehn Vorstellungen und Höhepunkt unserer Arbeit finde ich das großartig.

Am Samstag startet das zweite Spielwochenende. Die erste Vorstellung überrascht mit Änderungen im Textbereich. Ein Einsatz kommt nicht, der nächste kann nicht starten und schon schwebt das Team durch leeren Raum, überspielt die Lücke und landet nach Schrecksekunden, die gefühlt zu Schreckminuten werden, eine Seite später wieder im Ablauf. Zum Glück fehlt nichts Wesentliches, und nach der Adrenalinausschüttung sind alle wieder äußerst konzentriert dabei. 

Heute ist wieder eine Vorstellung und ich habe im Gefühl, dass sie grandios werden wird. Mal sehen, ob mein grundvertrauender Optimismus da wieder mitmischt.

            
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