Blog 604 - 24.11.2019 - Premiere mit zwölf Geschworenen

Bei den letzten Proben der "12 Geschworenen" werden die Texthänger zunehmend weniger und die Abläufe schneller. Meine Sorge der letzten Wochen, dass das Stück unverhältnismäßig lange dauern könnte, erweist sich als unbegründet, denn wir liegen knapp unter der Zweistunden-Marke, was genau richtig ist. Dass die erste Hälfte davon etwa 80 Minuten und die zweite nur 40 braucht, ist etwas ungewöhnlich, aber trotzdem passend.

Der schon erarbeitete Videovorspann wird zwei Tage vor der Premiere gestrichen. Wie schade! Aber die wenigen möglichen Beamerpositionen haben alle Nachteile. Mal müsste ein Bauteil in den jetzt so schön freien Bühnenteil ragen, mal kann der Beamer nicht gut ausgeschaltet werden, mal sehen die Zuschauer am Ende der Projektion den Satz: "Beamer ausschalten? Nochmal drücken!" Das ist alles unprofessionell.

Ich ärgere mich, dass ich nicht sofort nach dem Abbau des vorherigen Bühnenbildes alles durchgetestet habe, aber irgendwie dachte ich, dass wir uns nur für eine der Stellmöglichkeiten entscheiden müssen und es klappt. Die Möglichkeit, dass der unmittelbar vor dem Beamer sitzende Zuschauer sich nach Ablauf des Videos umdrehen und eine schwarze Klappe vor den Beamer schieben muss, ist zwar denkbar, aber ebenfalls unprofessionell.

Die Generalprobe am Vorabend der Premiere klappt gut. Es gibt einige kleine und einen größeren Texthänger, die alle in Teamarbeit gut gelöst werden und kaum auffallen. Die Spieler können sich aufeinander verlassen, niemand wird hängen gelassen. Dass die Generalprobe schief gehen muss, damit die Premiere klappt, halte ich für ein Gerücht. Im Gegenteil: Eine gut laufende Generalprobe gibt viel Sicherheit und motiviert. Die Premiere mit echten Zuschauern ist dann trotzdem eine andere Nummer.    

Am Premierentag muss noch vorbereitet, geputzt, gesaugt und bestuhlt werden. Weil das alles in überschaubarem Rahmen bleibt, mache ich es alleine. Die Bühnenspieler müssen am Abend funktionieren, da gönne ich ihnen gerne die freie Zeit. Wenn sie ausgeruht ankommen, ist mir das lieber.

Und dann: 23.11.2019, 20 Uhr, Premiere! Pünktlich geht das Bühnenlicht an und das Stück los. Nach einer Stunde, zwanzig Minuten ist planmäßig die Pause erreicht, nach einer kurzen Pause geht es 40 Minuten weiter. Es gibt einige kleinere Textaussetzer - sehr kleine - und einen vergessenen Textabschnitt, um den gekreist und improvisiert wird, bis der Anschluss wieder erreicht ist. Das Team funktioniert. Das Stück auch. Ich bin so stolz auf die zwölf Geschworenen auf der Bühne.

Bei der Premierenfeier danach gibt es begeisterte Kommentare. Besonders oft wird betont, wie gut und natürlich die Charaktere dargestellt wurden und wie kurz sich die Spiellänge anfühlte. "Ich hätte noch eine Stunde länger zugucken können!", sagt eine Zuschauerin und ein Zuschauer: "Das war die ganze Zeit über spannend. Da stimmte jeder Charakter." Ich freue mich, dass es so gut ankommt. Das liegt ja nicht alleine an mir. Es sind tolle Spieler, das Stück ist großartig und gemeinsam ergeben wir ein gutes Team. Heute geht es mit der zweiten Vorstellung weiter.

Fotos von der Premiere oder der anschließenden Feier habe ich gar nicht. Völlig vergessen. Und nur für zwei Januar-Vorstellungen gibt es noch wenige Restkarten. Vielleicht auch nicht mehr, denn zwei Zuschauer sagten mir schon während der Premierenfeier, dass sie sich sofort eintragen lassen, um im Januar nochmal zu gucken. Alles ist prima und wunderbar! 

            
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