Blog 600 - 27.10.2019 - Muskelkater, Mini-Körperteile und Masterplan

Mit leichtem Muskelkater, aber sehr gut gelaunt, starte ich in die Woche. Beides Ergebnisse des Puppendrehs, bei dem ich einen Figurenarm bewege und am letzten Drehtag ein flauschiges, überdimensioniertes Monster hoch über meinem Kopf halte. Es ist dabei völlig egal, wie schwer und unhandlich die Puppe ist, wie sehr sich die Puppenspielerin unter dem Tisch und halb im Puppenkörper verrenken muss und wie weit sie das Schultergelenk schmerzhaft überstreckt. Hauptsache, die Puppe sieht in ihrer Bewegung natürlich aus. Aber wollte ich das nicht immer: verdreht unter einem Tisch hocken und über mir eine Puppe bewegen?

Zwischen den einzelnen Takes kann ich hin und wieder einen Blick durch einen Spalt im Zottelfell werfen und dabei einen Schwung kühlere Frischluft reinlassen. Manchmal wusel ich auch meinen Arm aus dem Puppenkopf und entspanne kurz die Muskeln. Das hört sich alles anstrengend an - und das ist es auch. Aber ich gucke glücklich, bin konzentriert dabei und mache es mit großer Freude. 

Gleich am nächsten Tag arbeite ich zuhause an Händen und Füßen für weitere Puppen. Vor drei Wochen habe ich schon mal bei der Entwicklung und dem Bau mitgeholfen, jetzt ist die damals entstandene Figur von der Fernsehproduktion angenommen und es müssen die endgültigen Exemplare gebaut werden. Weil ich noch in der Körperteile-Arbeit drin bin, übernehme ich Hände, Arme, Füße und Beine, die mit Gelenken und Drähten versehen und mit Stoff umnäht werden müssen. 

Das Fertigmachen der ziemlich kleinen Teile braucht erstaunlich viel Zeit. Vor allem deswegen, weil sie so klein sind. Da fällt schon auf, wenn ein Finger ein Millimeter breiter als der andere ist, darum muss ich sehr konzentriert arbeiten. In der Zeit, die ich für eine Minihand brauche, könnte ich lässig vier dicke, haarige Monsterpfoten fertig machen. Aber Monsterpfoten sind gerade nicht gefragt.

Langsam rückt die Premiere der "12 Geschworenen" näher. Ich merke es daran, dass ich innerlich unruhiger werde, nachts aufwache und schnell Notizen auf kleine Zettel kritzel. Zur Sicherheit mache ich mir einen großen Zeitplan. Der hilft mir, den Überblick zu bewahren, über das, was ich noch bauen, besorgen, erledigen muss und was schon abgehakt werden kann. Auch wenn ich davon ausgehe, dass er vollständig ist, erwarte ich, dass mir noch weitere fehlende Positionen einfallen.

In der Nacht wache ich auf. "Tonaufnahme: Stühlerücken und Gemurmel" fehlt. Ich notiere es auf einen Zettel. Etwas später komme ich nochmal müde hoch. "Zweite Stimme" und "kleiner Wand-Lautsprecher". Das zeigt mal wieder, dass meine Hirnzellen gut ohne mich arbeiten können.

Am Ende der Woche sind die Hände mit den zugehörigen Armen und die Füße mit den passenden Beinen fertig genäht. Ich suche alle verlorenen Nähnadeln auf dem Boden zusammen, sortiere mein Garn ein und packe die fertigen Teile in eine Kiste. Fertig. Prima.

Die Unruhe im Kaninchengehege wegen der beiden neuen Damen hat sich zu einer momentan geklärten Rangfolge entwickelt. Seltsamerweise ist die sanfte Kleine der "Boss" und die eigentlich aggressive Machodame das eingeschüchterte Schlusslicht. Dazwischen sitzt der alte, taube Toni, kriegt nicht viel mit und freut sich, dass er nicht mehr alleine ist. Auch wenn es auf dem Bild so aussieht als würden die beiden Damen laut reden können, sie kauen nur synchron mit offenem Mund.   

Dies ist der 600. Blogeintrag. Dazu kann ich nur sagen: Ich bin ja wahnsinnig! Allerdings: Ich habe auch ein schlechtes Gedächtnis für Zahlen und Daten. Von daher ist es praktisch, dass ich zwischendurch schnell in den eigenen Blogberichten nachsehen kann, ob irgendetwas vor fünf oder doch schon vor sechs Jahren stattgefunden hat. Meistens vor neun. Oder zehn. Aber egal.

            
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