Blog 599 - 20.10.2019 - Wahnsinnsprojekte, Designs und Blaubären

Mit etwas Risiko wird die gurkentee-Homepage upgedatet und funktioniert wunderbarerweise fast genau wie vorher. Das hätte auch anders ausgehen können. Sogar die speziell gebauten Blogseiten werden problemlos übernommen. Sofort starte ich mit einer kleinen Überarbeitung der Seiten. In den letzten Jahren kam mal hier, mal da ein Themenbereich dazu, und irgendwann sah alles etwas durcheinander aus. Ich bin zu viel und in zu vielen Bereichen unterwegs, das macht es unübersichtlich. Aber ehe ich jetzt das Schreiben, Illustrieren oder Puppenspielen aufhöre, nur um eine übersichtliche Homepage zu bekommen, ordne ich sie lieber neu.

Auch wenn ich inzwischen ganz gut mit dem Programm umgehen und ohne Probleme Artikel, Kategorien und Menüseiten aufbauen kann, gibt es doch Grenzen. Nicht alles, was an meinem Bildschirm sauber untereinander steht, bleibt so, wenn die Seite von Tablets, Handys oder anderen Browsern aufgerufen wird. Ohne jede Programmierkenntnisse will ich aber lieber nicht versuchsweise im Quelltext herumschreiben. Nachher explodiert noch das Internet. Für mich bedeutet das, dass ich erstmal mit Designeinschränkungen lebe. Immerhin läuft nach drei Tagen alles wieder, die neuen Seiten und Verknüpfungen haben unbemerkt viele alte ersetzt und an die letzten kleinen Designwünsche gehe ich demnächst mal mit einem Helfer.

Danach habe ich ein Exposé auf dem Tisch, das ich korrekturlese. Demnächst wird da wohl eine ziemlich dicke Arbeit liegen. Aber die muss erstmal geschrieben werden.

Damit ich nichts für das "Geschworenen"-Theaterstück vergesse, das in fünf Wochen Premiere hat, schreibe ich mal eben auf einen Zettel die fehlenden Requisiten und die noch auszuführenden Vorbereitungen. Blitzschnell habe ich 35 Positionen, die beim Schlüsselbund anfangen, über eine Stimmaufnahme und bis zum großen Wandbord gehen, das noch komplett gebaut werden muss. Ähm, ja. Da ist ja doch noch einiges zu tun. Rechtzeitig fällt mir ein, dass das Bord zuhause nur so groß gebaut werden darf, dass es ins Auto passt. Ui, das könnte knapp werden. Der Bauplan muss vermutlich auf eine zweiteilige Bord-Version geändert werden.

Die Fotos der Mitspieler sind schon gemacht. Am Computer bearbeite ich die Portraits und mache das Plakat komplett fertig. Im letzten Augenblick fällt mir auf, dass hinter den Januar-Terminen das Jahr 2019 steht. Einer der typischen Fehler, die normalerweise erst nach dem Druck auffallen. In diesem Fall glücklicherweise schon vorher, denn natürlich spielen wir im Januar 2020. Als das Plakat druckfertig abgespeichert ist, kann ich den ersten Punkt auf der Liste abhaken. Ach nein, den zweiten. Die Stoppuhr habe ich auch schon.

Die Woche endet mit drei Tagen Dreharbeiten und Puppen. Schon seit längerer Zeit arbeitet ein großartiger Figuren- und Objektbauer mit viel Liebe und Energie an einem Kurzfilm, und jetzt werden in einer detailliert gebauten Kulisse die letzten Aufnahmen dafür gedreht. Dazu werden mehrere Puppenspieler benötigt, denn die Figuren brauchen nicht nur Hauptspieler, sondern weitere Spieler für Arme, Hände oder Augenmechaniken. Als ich gefragt werde, ob ich mitmachen möchte, sage ich mit Begeisterung zu. Wahnsinnsprojekte, die mit großer Leidenschaft durchgezogen werden, finde ich klasse. Vor allem, wenn sie kompetent gemacht sind. Wahnsinnig kompetent oder kompetent wahnsinnig - der Übergang kann fließend sein.

Drei Tage lang stehe ich zwischen einem halben Käpt'n Blaubär-Cast, treffe vertraute Leute, lerne neue Leute kennen, bewege einen rechten Figurenarm, hocke dafür manchmal ziemlich verdreht unter dem Tisch und habe wirklich viel Spaß. Der beginnt schon bei Drehbeginn, denn der Hauptverantwortliche für das Wahnsinnsprojekt erklärt den Ablauf des ersten Takes und ruft dann: "Kamera ab!", woraufhin von der Seite der Aufnahmeleiters gespielt empört ruft: "Ey, das ist MEIN Satz!" und unter dem Gelächter der Anwesenden eigensinnig wiederholt: "Kamera ab!"

Manchmal denke ich ja, wenn ich gleich nach der Schule konsequent in Richtung Puppenspiel gegangen wäre, hätte ich recht gut im Käpt'n Blaubär-Team landen können. Zeitlich und altersmäßig hätte es gepasst. Humormäßig auch. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt für kurze Zeit mittendrin bin und sich alles richtig anfühlt. Ich bedauer nicht mal, dass mein Weg ein anderer war, denn der hat mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin. Bei Puppen und Käpt'n Blaubär bin ich ja auch so zwischengelandet.

            
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