Blog 598 - 13.10.2019 - Teezeit, Froschbriefe, lange und kurze Hälften

Endlich habe ich wieder etwas Zeit und merke, wie nötig das ist. Aus Tagen mit Autofahrten, konzentriertem Arbeiten und zu wenig Schlaf komme ich in eine fast terminlose Woche. Morgens ist es noch dunkel, das Wetter ist herbstlich, das Radio läuft, der Tee dampft und ich kann mich mal wieder in aller Ruhe um eigene Sachen kümmern. Ich krame und räume vor mich hin, bereite die nächste Theaterprobe vor, gucke immer mal wieder nach den Kaninchen, die sich aneinander gewöhnen müssen und genieße, dass ich einfach mal runterkommen kann.

Vor den anstehenden Herbstferien gibt es eine letzte Probe der "Geschworenen". Es ist kaum zu glauben, aber seit langer Zeit sind diesmal tatsächlich alle 12 Mitspieler da. Zum ersten Mal ist auch der "Neue" da, der vor vielen unbekannten Gesichtern steht, sich aber so gut in die Gruppe und ins Stück einfügt, als hätte er schon immer dazu gehört. Die ganze Probe klappt gut und viele Stellen funktionieren schon sehr schön oder sind auf dem Weg dahin. Auch wenn wir zeitlich etwas zurück sind, wird alles rechtzeitig fertig sein, da bin ich ganz gelassen.

Sorgen macht mir nur, dass ich die Spiellänge des Stücks noch nicht weiß. Natürlich habe ich in meiner Vorbereitung das komplette Stück mit ungefähren Sprech- und Handlungspausen laut gelesen und die Zeit gestoppt, aber ich kann nicht beurteilen, ob es jetzt deutlich schneller - was gut wäre -, oder deutlich langsamer - was blöd wäre -, gespielt wird. Momentan habe ich die Pause nach circa 85 Minuten angesetzt, was schon eine etwas zu lange erste Hälfte bedeutet. Das ist anstrengend für die Zuschauer, aber die Stelle ist in der Dramaturgie und im Handlungsstrang perfekt für eine Pause. Der zweite Teil wäre dann nur noch gute 30 Minuten lang, was eigentlich zu kurz ist. Die Aufteilung ist also nicht ganz ideal, aber ich denke, wenn es inhaltlich stimmt und die Zuschauer zu Beginn des Stücks darüber informiert sind, kann ich das machen. Momentan wäre ich allerdings froh, wenn zumindest ICH schon darüber informiert wäre, wie lange das Stück insgesamt dauert, aber da muss ich abwarten, bis es einigermaßen durchgespielt werden kann. 

Zuhause lese ich Leserbriefe zum Froschbuch. Eine befreundete Lehrerin hat in ihrer vierten Klasse das Froschbuch vorgelesen und das zum Anlass genommen, das Briefeschreiben mit den Kindern zu üben. Alle haben mir einen Brief mit Absender, Adresse, Anrede, Text, Grußformel und Unterschrift geschrieben. Den Kindern hat das Froschbuch gut gefallen und sie berichten über ihre Lieblingsstellen und stellen mir Fragen. Erst überlege ich, ob ich jeden Brief beantworten soll, dann entscheide ich mich für einen Brief an die gesamte Klasse und einen Überraschungsbesuch. Die Lehrerin weiß Bescheid, liest wie abgesprochen meinen Antwortbrief der Klasse vor, öffnet die Klassentür und ich komme rein. Freudig überrascht strahlen die Kinder mich an und stellen danach viele Fragen. Es ist eine schöne halbe Stunde, nach der die Kinder noch Autogramme haben möchten. Ich weiß, wie sehr man sich als Kind darüber freut und nehme mir die Zeit gerne.

Endlich habe ich auch Zeit für meinen schon länger wartenden, fast fertigen Bericht über Rainald Grebes "Weltmaschine", überarbeite den Text und setze ihn auf die Reihedrei-Homepage. Anstelle von Fotos gibt es kleine Aquarellskizzen, weil ich während des Zusehens nicht störend fotografieren wollte. Außerdem passen handgemalte Bilder auch viel besser zum handgekurbelten Stück. Auch die Reihedrei-Seite muckt nach einem kleinen, notwendigen Update herum und hat ihre Module auf der Startseite neu geordnet. Da muss ich demnächst auch mal ran. Aber nicht sofort.

Nachdem die zwei neuen und das alte Kaninchen zuerst unerwartet friedlich nebeneinander sitzen, prügeln sich inzwischen die beiden Mädel. Im Gehege liegen ausgerissene Fellflusen und zwischendurch jagen sie sich herum und wälzen sich sekundenlang ineinander verbissen und knurrend auf dem Boden. Bis jetzt noch alles in vertretbarem Rahmen, so wie das unter Kaninchenmädeln vorkommt. Witzigerweise sitzt der alte, taube und leider auch nicht auffallend schlaue Toni oft entspannt fressend vor einer Möhre und kriegt gar nicht mit, dass unmittelbar hinter ihm wild gekämpft wird. Vermutlich wundert er sich nur, warum die beiden Frauen oft so schnell unterwegs sind. Die zwei halten ihn wegen seiner Ruhe, die nur ein Ergebnis von Taub- und Blödheit ist, für extrem cool und fangen keinen Streit mit ihm an. Ich hoffe allerdings, dass auch die Mädels ihre Rangfolge bald geregelt haben und alle zusammen eine gute Dreiergruppe werden.    

            
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