Blog 594 - 15.09.2019 - Wirsing, Einsteigermodell und Designerstücke

Am Sonntagnachmittag gibt es im Kölner Künstler Theater die Dernière von "Maiger's Wirsing". Schon länger wollte ich mir das Stück ansehen, das seit 21 Jahren immer wieder gespielt wird, jetzt ist es für mich überraschend die letzte Möglichkeit. Also hin. Es ist ein schönes, kleines Stück, das in einer betulichen, abgeschlossenen Welt spielt und mit Komik und Ruhe arbeitet. Es muss nichts Dramatisches passieren, um ein Publikum zu halten.


Das Zugucken macht mir Lust auf mehr und ich würde am liebsten sofort mit auf die Bühne. Ach, was freue ich mich jetzt schon auf mein nächstes Stück! Es macht mir einfach Spaß, Geschichten vor Publikum zu spielen.

Bei den "12 Geschworenen" wird es außerplanmäßig spannend. Die Nummer 5 hört plötzlich auf, weil ihm berufliche, familiäre und Proben-Termine doch zu viel werden. Es wäre natürlich besser gewesen, wenn ihm das schon vor der ersten Probe klar gewesen wäre, aber ich verstehe, dass er jetzt die Bremse zieht. Damit haben wir das "Einsteigermodell Nr. 5" im Angebot, für jemanden, der die Rolle spielen will, kurzfristig einsteigen kann und noch an allen Aufführungsterminen Zeit hat. Das ist viel verlangt, aber erstaunlicherweise bin ich optimistisch. Da finden wir schon jemanden. Vielleicht will ich der Realität auch nur nicht ins Auge sehen. Sofern die Realität überhaupt Augen hat. Ich bezweifel das.

Schon wieder habe ich einen Spontananfall, lasse alles andere liegen und nähe einen neuen Überzug für die Sofabank. Ihr wetterfester Stoff passt farblich prima in den sommerlichen Garten, aber nicht in mein Wohnzimmer. Mit der Nähmaschine brauche ich dafür gerade mal eine Stunde - denke ich, ehe ich beginne. Dann werden es aber doch mehr als drei, denn das Ausmessen und Abstecken des Stoffes für den gepolsterten Belag und die Kissen dauert unerwartet lang. Soll am Ende ja auch passen.

Aus der sommerlichen Outdoor-Bank wird ein blumiges Design-Wohnzimmer-Sofa. Im Wohnzimmer muss es nämlich erstmal stehen bleiben, weil der Holzpavillon im Garten nicht mehr ganz stabil und regenfest ist. Der Spontananfall zum Überarbeiten wird mich aber erst im Frühjahr überfallen. 

Am nächsten Tag blättere ich zufällig in einer Zeitschrift für Architektur und höherpreisiges Wohnen, da fällt mein Blick auf ein Sofa, das mittig die Seite "Lust & Luxus" schmückt. Es sieht meinem frisch bezogenen Sofa sehr ähnlich und wird als Tipp für die gelungene Inneneinrichtung im Luxusbereich gehandelt. Ich fühle mich geehrt. Vor allem als ich den Preis sehe, der mal eben 4600 Euro über dem meines Sofas liegt.  

"Outdoor-Design im Used-Look", wie das in solchen Zeitschriften heißt, gestalte ich am nächsten Tag, als ich aus den Holzresten der Vogelvoliere ein Kaninchenhaus baue. Vorwiegend nach Augenmaß gesägt und irgendwie zusammengeschraubt, hat es "die Optik und Haptik eines unwillkürlich drauflos gehämmerten Einzelstücks". Ist ja auch so. Es muss nicht perfekt aussehen, es soll im Winter trocken und kuschelig halten und ich möchte die Holzreste sinnvoll verwerten. Entweder hat das Kaninchen einen ausgeprägten Blick für Design oder es ist ihm völlig egal. Jedenfalls ist es vom Ergebnis begeistert und zieht sofort ein.

Während ich noch am Kaninchenhaus schraube, kommt der Rückruf der neuen Nummer 5. Nach einem kurzen Gespräch ist klar, dass er zwar bei einigen Proben wegen einer eigenen Produktion fehlen wird, dann aber voll einsteigen kann. Prima! Damit hat er die Rolle. Die wird er nicht nur gut spielen, er passt auch prima ins Team. Wie gut, dass ich mir gar nicht erst Sorgen um die Neubesetzung gemacht habe, denn es hat sich schon wieder fast von alleine geklärt.

Bei der neuen Homepage lege ich in stundenlanger Arbeit fast alle Seiten mehr oder weniger detailliert an, schreibe Texte, suche und formatiere Bilder, und warte jetzt erstmal auf den Sohn, der mir hoffentlich sagen kann, was davon richtig gemacht ist. Ich finde, es sieht vielversprechend aus, aber ehe ich alles bis zur letzten Zeile komplett einrichte und dann erfahre, dass ich bei Tabellen oder Überschriften völlig andere Angaben machen muss, lasse ich das Projekt vorerst ruhen.

Für die Klappmaulkatze bleibt nicht viel Zeit. Immerhin nähe ich Arme und Pfoten. Es sieht nicht so aus, als hätte ich in der nächsten Woche mehr Zeit für sie. Aber Katzen liegen ja gerne herum und dösen vor sich hin. Halbfertige bestimmt auch. 

            
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