Blog 593 - 08.09.2019 - Nackte Katze, Homepage-Expertin und Abgründe

In der letzten Woche wurde meine spontane Aufarbeitung der alten Vogelvoliere zu einem Totalabriss, weil es doch zu viele Schäden im Grundgerüst gab. In meinem Kopf kreisen sofort diverse Ideen zum Neuaufbau. Mit oder ohne Fenster? So hoch, dass ich die Guckkastenbühne zum Proben drin aufstellen kann? Zufällig erzählt mir der Nachbar, dessen angrenzende Mauer in allen meinen Bauplänen eine wichtige Rolle spielt, dass er genau diese Mauer im nächsten Jahr abreißen wird. Nicht nur die Vogelvoliere, auch alles, was ich überarbeitet oder neu gebaut hätte, wäre im nächsten Jahr mit der Mauer eingestürzt. Jetzt warte ich erstmal ab, ehe ich neue Baupläne mache.

Auch meine Idee, der im Bau befindlichen Klappmaul-Katze einen süßen, haarlosen Bauch zu verpassen, erweist sich als problematisch. Es macht sie nicht niedlich, wie ich es erwartet hatte, sondern halbnackt. Ich habe beim Ansehen der Katze das dumpfe Gefühl, sie sollte sich etwas überziehen. Vor allem eine Hose, dabei hat sie nicht mal Beine.

Da ein ungutes Gefühl beim Anblick einer Katze nicht normal ist, entferne ich den zu nackten Bauch und nähe sie neu ein. Damit gefällt sie mir sofort besser.

Fertig nähen kann ich die Katze nicht, denn die Überarbeitung der Homepage braucht viel Zeit. Ich habe vom Erstellen einer Seite und dem Programmieren keine Ahnung, darum halte ich mich an ein Modulsystem, von dem ich aber auch keine Ahnung habe. Weil der kenntnisreiche Sohn gerade wenig Zeit hat, bereitet er eine Grundseite vor und gibt mir die Aufgabe: "Probier alles aus, dabei lernt man das!" Dann lässt er mich mit der englischen Version des Programmes zurück. Bei den meisten Begriffen weiß ich auch nach der deutschen Übersetzung nicht, was sie bedeuten und wozu man sowas braucht.

Mit leichter Verzagtheit angesichts der unbekannten Begriffe - was ist, wenn ich bei einem Wort, das verschlüsselt die komplette Zerstörung des Programmes bedeutet, leichtfertig OK drücke? - und Überforderung vor den scheinbar unendlichen Anklick-Möglichkeiten, die mir alle nichts sagen, setze ich mich dran. Ausprobieren, scheitern, Erkenntnisse sammeln, scheitern, Regelmäßigkeiten erkennen. Aha! Wenn ich ein Bild einfügen will, muss ich nicht auf das linke Bildsymbol und auch nicht auf das obere Bildsymbol klicken, sondern auf das rechts unten. Warum auch immer. Zum Formatieren dann aber auf das obere. Und um den Abstand zu ändern, muss ich nicht auf die Seite, sondern erst ins Menu und von da in die Kategorie gehen. Aber warum hängt das achte in die Liste eingefügte Bild plötzlich tiefer als die sieben vorher? Und warum sind die Überschriften in der einen Kategorie verlinkt und in der anderen nicht?

Stundenlang sitze ich jeden Tag am Rechner, probiere aus, klicke, überprüfe, ändere - und habe am Ende der Woche nicht nur eine verspannte Schulter vom tausendfachen Mausklicken, sondern meine Seiten aufgebaut und sogar ein Konzept entwickelt. Vom Verstehen des Aufbaus einer Modul-Homepage bin ich noch weit entfernt, aber ich habe eine Menge Grundwissen gewonnen, kann Menüs, Kategorien und Artikel unterscheiden, Seiten erstellen, Tabellen, Texte und Bilder ein-, zwei- oder mehrspaltig einsetzen und formatieren. Für mein Gefühl bin ich damit quasi zur Homepage-Bau-Expertin geworden.

Für die Hintergrundfarbe und einige Details brauche ich demnächst meinen Sohn und hoffe, dass er auch eine Idee hat, wie die 500 Blogseiten von der "alten" Seite übernommen werden können. Außerdem warte ich auf den Moment, in dem er nicht sofort weiß, wo er eine Überschrift verlinken kann, und ich lässig die Maus übernehme, mich ins "Menu" klicke, die "Options" öffne und ohne hinzusehen den Punkt "Linked titles - yes" wähle. Ich vermute allerdings, dass diese simplen Basics, auch wenn er mit dem Modulsystem sonst nicht arbeitet, für ihn überhaupt kein Problem sind.

Die Bühne der "12 Geschworenen" ist recht knapp bemessen für die vielen Tische, Stühle und Geschworenen. Nach der Sommerpause kommen wir zur ersten Probe und haben noch weniger Platz, weil für das demnächst spielende Stück das Bühnenbild gebaut wird. Hinten fehlt uns ein guter Meter, den wir nach vorne in den Zuschauerraum ergänzen, was bedeutet, dass zwei Metallpfosten jetzt in unserer Bühnenfläche stehen und geschickt umspielt werden müssen. Es ist alles etwas umständlich, geht aber.

Das geniale Konzept: "Weniger Probetermine, dafür sind immer ALLE Mitspieler da", zeigt Lücken. Inzwischen sogar Abgründe. Bei dieser Probe sind zwei Mitspieler wegen dringender Gründe entschuldigt, einer hält sich für abgemeldet, was durch ein Missverständnis nicht bei mir angekommen ist, und einer fehlt ohne jede Rückmeldung. Das heißt, dass wieder nur zwei Drittel der Schauspieler da sind. Wir proben trotzdem intensiv und mit gutem Ergebnis, aber es gibt skurrile Szenen, als Regie und Regieassistenz, die sich die vier unbesetzten Rollen zum Ablesen aufgeteilt haben, längere Dialoge ausgerechnet dieser vier Rollen haben, während es auf der Bühne still bleibt.

Sehr vorbildlich, so wie ich das als Regisseurin auch sein muss, verzichte ich auf alle anderen Termine, die an Probeabenden stattfinden. Das tut mir manchmal weh. Bei der Aufzeichnung der Maybebop-DVD in Bonn wäre ich gerne dabei, es gibt einige schöne Konzerttermine, zu denen ich gerne gehen würde, und der Verzicht auf eine Lesung von Arno Surminski fällt mir besonders schwer. Aber wenn bei der Probe nicht nur jeder fehlende Mitspieler, sondern auch noch die Regie eingelesen werden muss, wird es kompliziert.

            
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