Blog 592 - 01.09.2019 - Hämmern, nähen und Seeblick

Ich bin ja wohl bescheuert. Da habe ich fünf bis zehn offene Baustellen, die auf der Jetzt-mach-aber-mal!-Liste stehen, und beginne eine neue. Mir fällt plötzlich ein, dass ich die seit langem vogellose, baufällige Voliere umbauen könnte. Draht weg, stattdessen Holz an die Seiten schrauben und endlich wieder ein dichtes Dach draufmachen. Dort könnte ich dann prima meine sperrigen Bühnenelemente unterstellen.

Sofort beginne ich mit dem Entfernen des Drahtes. Ich versuche es zumindest, denn viele kleine Krampen krallen sich vorbildlich fest ins Holz und halten den Draht unverrückbar an der Stelle. Na gut, dann schraube ich eben die Pfostenverbindungen los. Zumindest die, die sich rausschrauben lassen, denn einige lassen sich nach so vielen Jahren gar nicht mehr drehen.   

Wie das bei baufälligen Sachen oft ist: Wenn man sie abreißen will, sind sie erstaunlich stabil. Das angetackerte Drahtgeflecht hält die Holzkonstruktion fest zusammen, selbst als die Schrauben schon zum großen Teil raus sind. Ich haue mit einem dicken Hammer immer fester gegen die Standbeine, aber sie federn in ihrem Drahtgeflecht fröhlich hin und her und denken gar nicht daran, zusammenzubrechen. Ich traue mich aber auch nicht, auf die Voliere zu klettern, um das alte Welldach zu entfernen, denn genau dann wird sie sich daran erinnern, dass sie baufällig ist und zusammenbrechen. Und dann werden alle den Kopf über meine Blödheit schütteln und vorwurfsvoll sagen, dass man doch sehen konnte, dass das Ding baufällig war und beim geringsten Druck zusammenfallen würde.

Ich trete, ziehe, rüttel, hämmer - es knirscht, kracht und quietscht, aber es fällt nichts um. Boah! Das gibt's doch nicht! "Ich habe dich aufgebaut, ich werde dich auch abbauen können!", presse ich entschlossen hervor und haue immer kräftiger. Das überzeugt die Voliere endlich und sie gibt auf. Allerdings sehr langsam und betont unfreiwillig. Aus dem Umbau der Vogelvoliere wird ein Komplett-Abriss, der einen Stapel "Mischabfall" hinterlässt, den ich demnächst ins Auto laden und zur Müllkippe fahren muss. Platz für meine Bühnenelemente habe ich damit nicht geschaffen.

Weil ich weiterhin so große Lust habe, an einer Klappmaulfigur zu bauen, fange ich einfach damit an. Wenn ich jeden Tag mal eine Stunde oder auch nur eine halbe an ihr arbeite, wird sie irgendwann fertig sein. Eigentlich möchte einen großen Wolf machen, damit ich endlich mal etwas von meinem übergroßen Vorrat an Wolf-Plüsch verbrauchen kann, aber dann schwenke ich kurzfristig auf eine Katze um. Katzen-Plüsch habe ich auch mehr als genug. Nur das riesige Stück Schaumstoff, das ich mir vor fünf Jahren zum Schnitzen zulegte, ist inzwischen zerschnippelt und zu vielen Köpfen geworden. Der Katzenkopf ist gerade noch aus dem letzten Rest zu machen.

Na toll! Jetzt verbrauche ich endlich einen Meter Plüsch und bekomme ein wenig mehr Platz in der Stoffkiste, muss aber einen neuen Schaumstoffblock für die nächsten Köpfe besorgen, der viel mehr Platz wegnehmen wird. Sinnvollerweise baue ich demnächst viele Katzen und viele Wölfe, damit sich das wieder ausgleicht. Aber wohin dann mit den vielen Vierbeinern?

In der nächsten Woche gehen nach der Sommerpause die Proben für die "12 Geschworenen" weiter. In den Augustferien wollte ich ein großes Bord und die Aufleger für die Tische bauen, aber weil ich dann daran dachte, dass ich Ferien habe, habe ich es doch nicht gemacht. Ferien sind Ferien. Immerhin habe ich inzwischen Skizzen zum Aufbau gekritzelt, erstes Material geholt und weiß ungefähr, wie ich es machen werde. Ab jetzt ist September und ich bin wieder im Arbeitsmodus. Zumindest halb.

Die schon angekündigte und von mir nicht gerade freudig erwartete Homepage-Überarbeitung beginnt und läuft anders ab als gedacht. Einerseits ist es komplizierter, weil die Module nicht wie gehofft modifiziert und verwendet werden können, andererseits kann ich die neue Seite parallel und unabhängig zur der jetzigen Seite aufbauen, die vorerst unbeirrt weiterläuft. Der Knackpunkt kommt, wenn am Ende neu verknüpft wird, aber das dauert noch drei oder vier Wochen. Oder fünf oder sechs. Oder ... na ja, mal sehen. 

Am Samstagabend gibt es eine Feier, bei der das Wetter nochmal alles gibt, was für einen lauen Sommerabend am See gebraucht wird. Wunderschön.

In der Dämmerung fliegen einige Gänse in Formation über den See, was zeigt, dass sie genau wissen, dass am nächsten Tag der meteorologische Herbst beginnt. Das macht mich ein bisschen melancholisch, weil ich noch gar nicht will, dass der Sommer endet. Vielleicht wollen sie aber nur zu ihrer Schlafwiese an der anderen Seite des Sees und denken noch gar nicht an den Süden.

Am Ende der Woche ist der Katzenkopf mit Stoff bezogen, auch wenn die Augen und Ohren erst provisorisch festgesteckt sind und der Rachen noch komplett fehlt. Körper, Arme und Hände sind auch noch nicht da, aber ich muss ja auch in der nächsten Woche noch zu tun haben. Ich finde es gut, dass ich mich zwischen muskelschwerem Abreißen und kopfrauchendem Neustrukturieren auch schnitzend und nähend mit einer Katze beschäftigen kann.

            
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